Feuerwerk, Militärparade und Staatsorden

Foto: ČTK / Michaela Říhová

In Prag wurde am Sonntag die Entstehung des tschechoslowakischen Staates vor 100 Jahren gefeiert. Es war ein Programm aus offiziellen Teilen und Show-Elementen für Jedermann.

Foto: ČTK / Michaela Říhová
Für viele Menschen auf der Straße war es vielleicht der Höhepunkt: das große Feuerwerk, das symbolisch um 19:18 startete. Die Uhrzeit war eine Anspielung auf das Jahr 1918, als der selbstständige tschechoslowakische Staat gegründet wurde.

Viele Tausend Menschen waren am Sonntag in Prag auf den Straßen – und das trotz Dauerregens und Temperaturen knapp über null Grad. Wohl am meisten Zuschauer kamen zur größten Militärparade seit Ende des Kalten Krieges. Bis zu 40.000 Schaulustige sollen laut Angaben der Armee ihre Leistungsschau verfolgt haben.

An der Parade im Stadtteil Dejvice nahmen knapp 2000 Soldaten teil, darunter auch Armeeangehörige aus anderen Nato-Staaten. In Gegenwart von US-Verteidigungsminister James Mattis waren Kampf- und Schützenpanzer, Haubitzen und anderes schweres Gerät zu sehen. Das Programm der Vorbeiflüge musste jedoch wegen der schlechten Sicht reduziert werden.

Militärparade in Prag-Dejvice  (Foto: ČTK / Ondřej Deml)
Die tschechische Armee erfülle ihre Nato-Bündnisverpflichtungen im Kampf gegen den „größten Feind der Menschheit“, den internationalen Terrorismus, sagte Staatspräsident Miloš Zeman in seiner Ansprache. Er ist von Amts wegen Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Der Amerikaner Mattis drückte den Angehörigen der vier in diesem Jahr in Afghanistan getöteten tschechischen Soldaten auf einer Pressekonferenz sein Beileid aus.

Die offiziellen Feiern begannen allerdings schon am Vormittag auf dem Prager Vítkov. Dort legten Politiker und Armeeangehörige – wie jedes Jahr zum tschechischen Nationalfeiertag – Kränze am Grab des unbekannten Soldaten nieder.

Für die Menschen hatten wiederum den ganzen Tag über staatliche Institutionen einen Tag der offenen Tür. So konnte man den Senat oder das Abgeordnetenhaus besichtigen, alles schöne alte Palais. Besondere Symbolkraft hatte die Wiedereröffnung des Nationalmuseums am oberen Ende des Wenzelsplatzes. Mit dabei waren die Premiers von Tschechien und der Slowakei, Andrej Babiš (Partei Ano) und Peter Pellgrini, aber auch Staatspräsident Zeman. Dieser sagte:

Museumsgebäude war 42 Monate lange restauriert worden  (Foto: Ondřej Tomšů)
„Alle, die wir während der sowjetischen Besatzung nach 1968 am Gebäude vorbeigegangen sind, haben uns immer an die 105 Einschüsse erinnert. Diese sind damals durch sowjetischen Beschuss entstanden. Ich bin sehr froh, dass jetzt diese Spuren verschwunden sind.“

Das Gebäude war 42 Monate lange restauriert worden. Kurz vor den Feierlichkeiten konnte das Gerüst abgebaut werden.

„Ich bin besonders von der restaurierten Fassade überwältigt“, fand eine Frau beim Anblick des Gebäudes, das nun heller erstrahlt. Mehrere Tausend Menschen wollten sich gleich am Sonntag das Nationalmuseum anschauen und standen Schlange auf der breiten Treppe hinauf zum Eingang.

Auch mit Konzerten wurde im Übrigen gefeiert. Auf dem Altstädter Ring erklangen am Nachmittag die Hits des Jahrhunderts. Sie waren im Frühjahr in einer Umfrage ausgewählt worden. Zu den Darbietenden gehörte unter anderem auch Karel Gott.

Präsident Zeman verlieh Orden  (Foto: ČTK / Roman Vondrouš)
Am Abend fand der Staatsakt auf der Prager Burg statt. Wie jedes Jahr verlieh Präsident Zeman Orden. Zuvor war es wie früher schon zu Streitigkeiten gekommen. Denn der Staatspräsident hatte erneut einige Abgeordnete nicht eingeladen.

Zu den Geehrten gehörte auch der frühere Rundfunkredakteur Karel Lánský. Er hatte sich beim Einmarsch der Warschauer Pakttruppen vor 50 Jahren unerschrocken gezeigt. Präsident Zeman erwähnte dies dezidiert:

„Ich bin sehr froh, hier unter uns einen Menschen begrüßen zu können, dessen Verdienst es war, dass der damalige Tschechoslowakische Rundfunk weiter frei senden konnte.“

Insgesamt zeichnete Zeman 41 Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Sport und Gesellschaft aus.

Autor: Till Janzer
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