Film-Poet und Oscar-Regisseur Jiří Menzel ist tot

Jiří Menzel, foto: Jan Bartoněk, archiv ČRo

Im Alter von 82 Jahren ist am Wochenende der Filmregisseur Jiří Menzel gestorben. Ein Nachruf.

„Liebe nach Fahrplan“ (Foto: Tschechisches Fernsehen)

Der 1938 geborene Menzel hat rund zwanzig Filme gedreht, er war einer der wichtigsten Vertreter der „Neuen Welle des tschechoslowakischen Films“. 1968 erhielt er für die Tragikomödie „Liebe nach Fahrplan“ den Oscar für den besten ausländischen Film.

Der preisgekrönte Film und viele weitere von Menzels Streifen basieren auf Erzählungen und Romanen des Schriftstellers Bohumil Hrabal. Der Regisseur hat in einem Gespräch seine eigene Persönlichkeit mit der des Autors verglichen:

„Ich bin viel empfindlicher, er war männlicher. Hrabal war ein Kerl. Ich war ein Junge aus einer guten Familie der Prager Vorstadt. Wir sind völlig unterschiedlich. Er lebte im Wald, ich auf dem Sofa. Er mochte Bier, ich hasse es. Wir waren völlig unterschiedlicher Natur. Möglicherweise hat gerade das uns verbunden.“

„Heimat, süße Heimat“ (Foto: Tschechisches Fernsehen)

„Lerchen am Faden“, „Kurzgeschnitten“ und „Schneeglöckchenfeiern“ sind die bekanntesten verfilmten Hrabal-Texte. Menzel machte aber auch oft Komödien, die auf Drehbüchern von Zdeněk Svěrák basierten. Dazu gehörten „Im Einzelhof am Wald“ und „Heimat, süße Heimat“.

Nach der Wende von 1989 war Menzel als Regisseur vor allem an Prager Theatern und europäischen Bühnen tätig. 2006 kehrte er noch einmal zum Schaffen von Bohumil Hrabal zurück und verfilmte die Novelle „Ich habe dem englischen König gedient“.

Er habe nie Filme gemacht, um Menschen einzulullen. Er wollte die Menschen dazu zu bringen, dass sie in sich selbst etwas Gutes finden, so Menzel in einem Gespräch für den Tschechischen Rundfunk 2016. Seine Werke sind in seiner Heimat sehr populär, er spricht aber auch das Publikum im Ausland an. Die Filmpublizistin Martina Vacková sagte dazu gegenüber Radio Prag International anlässlich seines 80. Geburtstags:

„Jiří Menzel verfügt nach meiner Meinung über eine Eigenschaft, die vielen anderen Filmemachern fehlt: Einerseits schafft er es, in seinen Streifen eine gewisse Humanität zu zeigen. Er interessiert sich nicht für große Helden, sondern für die kleinen, die er aber groß herausbringt. Andererseits haben seine Filme eine einzigartige Poetik. Diese beiden Eigenschaften sind auch typische Merkmale des tschechischen Films. Vorrangig stehen sie aber für das Schaffen von Jiří Menzel. Und das macht ihn nicht nur für das tschechische Publikum interessant – denn ich bin überzeugt, dass die Tschechen seine Filme gerne sehen –, sondern auch für die Kinogänger im Ausland.“

Jiří Menzel war auch als Schauspieler tätig. Die Zuschauer haben ihn zuletzt im Film „Dolmetscher“ aus dem Jahr 2018 als Hauptdarsteller sehen können.