Fotoausstellung in Prag zeigt kleine Perlen der tschechischen Architektur

Foto: Ivana Vonderková

Ein Springbrunnen, eine kleine Dorfkapelle, eine Windmühle oder ein Treppenhaus – alles sind architektonische Sehenswürdigkeiten und in einer Fotoausstellung im Prager Nationalmuseum für Technik zu sehen. Doch in den Tschechien-Reiseführern werden sie schwerlich zu finden sein.

Die Ausstellung heißt „Kleine Perlen der tschechischen Architektur“. Sie zeigt eine Auswahl von Fotos aus einem gleichnamigen Bildband. Das Buch verfasst haben der Fotograf Pavel Frič, der Kunsthistoriker und Rektor der Prager Akademie der bildenden Künste, Jiří T. Kotalík, und der Architekt und Schauspieler David Vávra. Die Idee dazu beschreibt Jiří T. Kotalík:

„Wir wollten mit dem Titel den Inhalt des Buches hervorheben. Das Wort ´klein´ bedeutet, dass es sich um weniger bekannte Bauten oder um Objekte handelt, die manchmal nicht als Architektur wahrgenommen werden, jedoch dazugehören. Dies gilt beispielsweise für kleine Glockentürme, Kapellen, aber auch Bienenstöcke. Wir haben sie Perlen genannt, weil wir davon überzeugt sind, dass es wirklich beachtenswerte Bauten sind.“

Jiří T. Kotalík
Kotalík und seine Mitarbeitern waren bemüht, Bauten aus allen Kunstepochen zu präsentieren. Selbst die Urzeit ist vertreten, und zwar mit dem Foto eines Menhirs. Insgesamt kamen so 144 typologische Beispiele der Architektur aus verschiedenen Regionen Tschechiens zusammen. Es sei schwierig, zu entscheiden, welches der fotografierten Baudenkmäler besonders wertvoll sei, meint Kotalík:

„Diese Auswahl von architektonischen Perlen spiegelt unseren subjektiven Blick wider. Auf eine Reihe von Fotos mussten wir bei der Zusammenstellung des Bildbands verzichten. Ich liebe beispielsweise Barockkapellen sehr, aber wir konnten nur die Fotos von einigen benutzen. Ich finde noch einen weiteren Aspekt bei dem Bildband und der gleichnamigen Ausstellung wichtig: Bei der Betrachtung der Bilder kann man sich davon überzeugen, dass ein einziges Foto imstande ist, ein Objekt und seinen Standort einschließlich der Atmosphäre darzustellen.“

Tschechien ist Kotalík zufolge eine Großmacht bei Sehenswürdigkeiten, die auf der Weltkulturerbeliste der Unesco stehen. Er wolle jedoch darauf aufmerksam machen, dass nicht nur die allgemein bekannten Baudenkmäler einen Besuch wert sind:

„Wir haben nicht die Ambition, weitere Sehenswürdigkeiten für die Eintragung in die Unesco-Liste zu empfehlen. Es geht uns darum zu zeigen, dass es hierzulande auch eine Menge von weiteren Bauten gibt, die Aufmerksamkeit verdienen. Oft handelt es sich dabei um Industriearchitektur oder um landwirtschaftliche Bauten.“

Die Ausstellung „Kleine Perlen der tschechischen Architektur“ ist noch bis zum 31. März 2013 im Nationalen Technikmuseum zu sehen.

Fotos: Ivana Vonderková