Frequenzabschaltung, ÖPNV und das tschechische Namensrecht

Auch in den vergangenen beiden Wochen haben wir wieder Unmengen an Post von Ihnen bekommen. Vielen Dank dafür! Wir beantworten diesmal unter anderem eine interessante Frage zum tschechischen Namensrecht und gehen auf weitere Anmerkungen und Anregungen zur Abschaltung unserer Frequenz in Sines ein.

Ein besonderer Dank geht diesmal an unseren Hörer Bernd Seiser aus Ottenau, der uns auf einen Fehler in unserem Sendeplan aufmerksam gemacht hat:

„Im neuen Programm- und Frequenzplan von Radio Prag steht, die deutsche Redaktion produziere täglich eine halbstündige Sendung, die fünfmal täglich zu hören sei. Ich kann aber nur vier Sendezeiten, um 7 Uhr 30, 11 Uhr, 13 Uhr und 16 Uhr Weltzeit finden.“

Wir entschuldigen uns für die Verwirrung, die durch diesen Fehler entstanden ist! Wie wir Ihnen schon vor einigen Wochen mitgeteilt haben, mussten wir die Ausstrahlungen über die Relais-Station im portugiesischen Sines aus finanziellen Gründen einstellen. Sie können unsere Sendung also nur noch viermal täglich hören. Fritz Andorf aus Meckenheim schrieb uns dazu diese Zeilen:

„Der Wegfall einer Frequenz ist an sich nicht so tragisch, wenn nicht auch noch die Sendezeit um 17 Uhr 30 Weltzeit betroffen gewesen wäre. Das war für Berufstätige die günstigste Sendezeit. Die anderen Sendezeiten können Berufstätige – mit Ausnahme von Schichtarbeitern – damit wohl nur noch am arbeitsfreien Wochenende nutzen. Ich bitte zu überlegen, ob man eine der bisherigen Sendezeiten zugunsten einer Sendung um 17 Uhr 30 aufgeben könnte.“

Wenn die Frequenzen für das Sommersendehalbjahr 2011 vergeben werden, werden die Karten neu gemischt. Wir hoffen Ihnen dann wieder eine Sendung am Nachmittag oder am Abend anbieten zu können. Auch unser japanischer Stammhörer Osamu Aikawa bedauert die Einstellung der Sendungen aus Portugal, allerdings aus anderen Gründen:

„Ich habe es zwar nach vielen Versuchen geschafft die Signale der deutschsprachigen Sendungen einzufangen. Die Empfangsbedingungen in Japan sind jedoch nach der Einstellung der Sendungen aus Portugal viel schlechter geworden. Ich bin sehr traurig, Ihnen das mitzuteilen.“

Es ist uns bewusst, dass die Ausstrahlung im hohen Frequenzbereich über die Station Sines vor allem für Hörer gut zu empfangen war, die in sehr großer Entfernung wohnen. Und das trifft auf unsere japanischen Hörer zu. Es tut uns sehr leid, dass wir mit der Abschaltung der betreffenden Frequenz viele Hörer in aller Welt verloren haben. Gerade die japanische DX-Gemeinde war uns im letzten Sendehalbjahr sehr wohl gesonnen.

Natürlich ging es in Ihrer Post der vergangenen beiden Wochen nicht nur um die verloren gegangene Frequenz aus Portugal. Wir haben – wie immer – viele Empfangsberichte auch zu den übrigen Frequenzen bekommen. Dafür gilt den fleißigen Schreibern ein ganz besonderer Dank! Empfangsberichte kamen diesmal zum Beispiel von Günter Kastner aus Salzburg, Michael Willruth aus Frankfurt am Main, Erich Kröpke aus Magdeburg, Ewald Schreiber aus Berlin, Günter Gärtner aus Löbau und Christoph Jestel aus Laußig. Lutz Winkler aus dem Taunus schrieb uns zu seinem Empfangsbericht:

ÖPNV in Prag
„Seit der Frequenzumstellung gibt es keine Probleme mit dem Empfang von Radio Prag. Die Sendungen kommen gut hier in Schmitten an.“

Und auch zu unserem Programm hat Herr Winkler eine Anmerkung:

„Sehr interessant fand ich die Bemerkung im Radiofeuilleton über den ÖPNV in Prag: zu teuer, erwirtschaftet keinen Gewinn und so weiter. Das sind die Schlagworte, die die Unternehmensberater bei ihren Stippvisiten in den Verkehrsbetrieben und in der Politik hinterlassen. Doch diese Argumente greifen immer zu kurz: Was wäre denn, wenn alle Fahrgäste auf das Auto umsteigen müssten? Würde sich die Finanzlage der Städte verbessern? Eher nicht. Diese Alternativrechnung macht komischerweise keiner der Herrn Politiker. Ganz abgesehen von den Umweltproblemen. Einen gewissen Luxus (in Form der Verkehrsbetriebe) muss sich ein Staat auch leisten können. Nicht alles muss sich rechnen und Gewinn erwirtschaften. Übrigens: Kinder tun das auch nicht. Sie bringen aber pure Lebensfreude, und die ist nicht zu bezahlen.“


Namen im Tschechischen haben männliche und weibliche Form,  hier z. B. Růžička und Růžičková
Eine häufig gestellte Hörerfrage, die wir nun beantworten möchten, erreichte uns aus Schweden. Im Dorf Tärnsjö wohnt Martin Hausner, dessen Großmutter aus dem Egerland stammte. Herr Hausner selbst wanderte aus der Steiermark nach Schweden aus. Tschechien bezeichnet er aber als sein „drittes Heimatland“. Seine Frage hat mit dem komplizierten tschechischen Namensrecht zu tun:

„Namen werden ja im Tschechischen dekliniert und haben männliche und weibliche Form. Sowohl ich als auch meine schwedische Gattin heißen hier in Schweden genauso wie in Österreich und Deutschland Hausner. Die tschechischen Varianten sind ja Hausner für den Mann und Hausnerová für die Frau. Dazu meine Frage: Wie macht man das mit Ausländern und Einwanderern in Tschechien? Wahrscheinlich gilt der Name so wie im Pass, also Hausner für die Ausländerin. Ändert sich für Frauen der Familienname wenn man als Einwanderer tschechischer Staatsbürger werden will, oder vielleicht schon früher?“

„Kramer gegen Kramer“ laut im Tschechischen „Kramerová versus Kramer“
Hier unterscheidet sich die gängige Praxis – etwa in den Medien – vom geschriebenen Namensrecht. Ausländischen Frauen, auch wenn sie nicht in Tschechien leben, wird konsequent die weibliche Endung –ová an den Nachnamen geklebt. Aus Angela Merkel wird in Presse, Funk und Fernsehen also Angela Merkelová. Offiziell aber gilt der Name der Ausländerin natürlich, wie er im Pass steht. Heiratet eine tschechische Frau einen Ausländer, kann Sie darauf bestehen den Namen ihres Mannes in der männlichen Form zu übernehmen. Sie muss dies allerdings bei der Eintragung ins Melderegister ausdrücklich angeben. Andernfalls bekommt sie automatisch ein –ová. Man kann auch nachträglich das –ová streichen lassen, allerdings nur unter Bedingungen. Diese Möglichkeit hat zum Beispiel eine verheiratete tschechische Frau, die dauerhaft im Ausland lebt. Damit soll Verwirrung in der Kommunikation mit Behörden vermieden werden in jenen Ländern, die keine weibliche Form des Nachnamens kennen. Wenn eine Ausländerin die tschechische Staatsbürgerschaft annimmt, dann behält sie ihren alten Namen. Wenn sie allerdings will, bekommt sie auch ein –ová. Sie sehen: Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Übrigens: Wenn ein ausländischer Mann eine Tschechin heiratet und deren Namen annehmen will, dann bekommt er den Namen seiner Gattin in der männlichen Form, das heißt ohne –ová.

Ich hoffe, ich habe Sie mit diesem Ausflug ins tschechische Namensrecht nicht zu sehr verwirrt. Falls doch dann lasse ich Sie gleich verschnaufen. Zuvor aber noch eine Ankündigung: Am Donnerstag, den 18. November, finden wieder Wartungsarbeiten an der Sendestation in Litomyšl statt. An diesem Tag müssen deshalb unsere Sendungen über die Kurzwelle leider entfallen. Wie gewohnt und ohne Einschränkungen empfangen können Sie Radio Prag aber im Internet. Unter www.radio.cz finden Sie unseren Livestream sowie die schon gelaufenen Sendungen und Beiträge zum Nachhören und Herunterladen. Und per Satellit sind wir natürlich während des Senderausfalls ebenfalls ungestört zu hören.


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