Fußball-Liga: Teplice will nach Europa, Dukla Prag noch mehr Stabilität

Foto: ČTK

Neben den Olympischen Winterspiele in Sotschi haben die Sportfans in Tschechien dieser Tage noch einen weiteren Grund zur Freude: Am Freitag startet die höchste Fußballliga des Landes, die Gambrinus Liga, in ihre Rückrunde. Den Auftakt zur Frühjahrsserie bildet dabei das Duell zweier Clubs, die zu den Überraschungen der Hinrunde zählen – der FK Teplice und Dukla Prag.

Foto: Archiv der Gambrinus Liga
Die Tabelle der Gambrinus Liga verspricht viel Spannung für die Rückrunde. An der Spitze liegt der noch ungeschlagene Traditionsverein Sparta Prag mit 42 Punkten, drei Punkte dahinter folgt Titelverteidiger Viktoria Pilsen. Die beiden Top-Clubs des Landes werden die Meisterschaft wohl unter sich ausmachen. Denn der Drittplatzierte, der FK Teplice, hat schon neun Zähler Rückstand auf die Pilsener. Nur ein Punkt hinter den Blau-Gelben liegt Dukla Prag als Tabellen-Vierter. Am Freitag können die Hauptstädter das Team aus Teplice aber schon hinter sich lassen, wenn sie es zum Rückrundenauftakt im eigenen Stadion empfangen.

Pavel Šedlbauer (Foto: Archiv FK Teplice)
Vor der Saison wurden weder Teplice noch Dukla so hoch gehandelt. In der Tabelle vor ihnen wurden Mannschaften wie Mladá Boleslav, Liberec oder Jablonec erwartet, die jetzt aber hinter dem Duo liegen. Besonders in Teplice ist man erfreut über den bisherigen Saisonverlauf:

„Im Vergleich zur Saison 2012/13 stehen wir ganz anders da, ja ich würde sogar sagen: Unsere Ausgangsposition ist noch besser, als wir zu Saisonbeginn erwartet haben“,

bemerkte der Vorstandsvorsitzende des FK Teplice, Pavel Šedlbauer, jüngst auf einer Pressekonferenz des Vereins. Eine Verbesserung zur letzten Saison war jedoch auch bitter nötig, denn damals landeten die ambitionierten Nordböhmen nach langem Abstiegskampf nur auf dem 12. Platz unter den 16 Clubs der Liga. Jetzt aber will man weit mehr erreichen, sagt Šedlbauer:

FK Teplice (Foto: ČTK)
„Unser erklärtes Ziel ist nun natürlich eine Platzierung unter den ersten Drei, denn das bringt uns die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb.“

Für dieses Ziel hat Teplice seinen Kader in der Winterpause noch einmal verstärkt. Dennoch hält Trainer Zdeněk Sčasný die Transfers für nicht optimal:

„Der Kader hat eine gute Qualität. Ich bin allerdings der Meinung, dass wir uns vorrangig im Angriff verstärkt haben, nicht aber in der Abwehr.“

Elvis Bratanovic (Foto: Archiv FK Teplice)
Einer der Neuzugänge ist der Slowene Elvis Bratanovic. Von dem Angreifer verspricht sich Trainer Sčasný eine ganze Menge:

„Bratanovic ist ein sehr guter Spieler, er ist schnell und stark am Ball. Aber noch ist er nicht so gut wie Aidin Mahmutovic oder Edin Dzeko. Also geben wir ihm Zeit.“

Der Bosnier Dzeko hat von 2005 bis 2007 für Teplice gespielt, ehe er es über den VfL Wolfsburg bis zu Manchester City in die englische Premier League schaffte. Mahmutovic ist der augenblickliche Leader der tschechischen Liga-Torschützenliste und rechnet nun auch mit guten Angeboten von reicheren Clubs aus Europa.

Dukla Prag (Foto: ČTK)
Einen ähnlichen Weg wie der FK Teplice geht Dukla Prag. Der ehemalige Militärsportverein, der 1996 aufgelöst wurde und nach einer Neugründung seit zweieinhalb Jahren wieder im Oberhaus spielt, hat indes noch nicht so hohe Ziele wie die Nordböhmen. Warum das das so ist und welche Prioritäten die Prager derzeit setzen, darüber gab der Sportdirektor des Vereins Auskunft, der ehemalige Bundesligaprofi Günter Bittengel:

Herr Bittengel, Dukla Prag liegt nach der Herbstserie auf dem vierten Platz. Wie sind Sie mit dem bisherigen Abschneiden Ihres Clubs zufrieden?

Luboš Kozel (Foto: ČTK)
„Ich finde, dass ist ein wunderbares Zwischenergebnis. In der kurzen Zeit von knapp drei Jahren haben wir unsere Mannschaft in der 1. Liga stabilisiert. Mittlerweile sind wir konkurrenzfähig und können mit starken Vereinen wie Mladá Boleslav, Liberec und Jablonec mithalten. Einen großen Verdienst an dieser Entwicklung haben Trainer Luboš Kozel wie auch der Vorstand mit seiner Arbeit. Darüber sind wir natürlich sehr froh.“

Wollen Sie nun auch Ihre Ziele etwas höher stecken und vielleicht sogar den dritten Platz anpeilen, der zur Qualifikation für die Europa League berechtigt?

Günter Bittengel (Foto: ČTK)
„Wenn es nach unseren Fans geht, muss ich die Frage mit ´ja´ beantworten. Die Fans sind es nämlich von früher noch gewohnt, dass Dukla hierzulande ein Topverein war, der mehrere Meistertitel holte und auch häufig im Europapokal spielte. Deshalb fragen sie ständig, wann wir wieder ganz oben stehen werden. Zurzeit aber sind wir finanziell noch nicht so stabil, dass wir das hohe Ziel verfolgen können, um nationale Titel mitzuspielen. Pilsen und Sparta Prag sind zudem zwei starke Vereine mit großem Etat. Um Ähnliches zu erreichen, müssen wir noch einige Jahre hart arbeiten. Ich hoffe aber, dass die Zeit von Dukla kommt, in der wir wieder in einem europäischen Wettbewerb mitspielen.“

Foto: hin255, FreeDigitalPhotos.net
Wie schätzen Sie das Niveau der tschechischen Liga ein? Pilsen und Sparta Prag haben ihre Qualitäten in Europa zuletzt nachgewiesen, aber hat auch der Drittplatzierte der Liga die Stabilität, um dort mitzuhalten?

„Die tschechische Liga ist nicht so reich wie vergleichbare Ligen anderer Länder. Ich spreche zum Beispiel von der österreichischen, niederländischen oder polnischen Liga. In diesen Ländern haben die Vereine etwas mehr Geld. Dennoch muss ich sagen: Die Kicker, die in der tschechischen Liga spielen, sind kreativer und man kann mit den Jungs gut arbeiten. Ich stufe das Niveau der tschechischen Liga daher so ein, dass es etwas über dem europäischen Durchschnitt liegt.“

Bei Dukla setzen Sie vor allem auf junge Spieler, und das auch deshalb, weil die besten Kicker des Landes ständig ins Ausland abwandern. Wie sehen Sie die Entwicklung im Nachwuchsbereich?

„Viele Vereine führen jetzt eine Nachwuchsförderung durch, die auf den so genannten Fußballakademien basiert. Von diesen Akademien kommen viele junge Spieler, die dann in der ersten Liga zum Einsatz kommen. Ich finde, genau das ist der richtige Weg. Fußball ist in Tschechien die Sportart Nummer eins, und wie ich bereits gesagt habe: Wir haben viele gute, talentierte junge Spieler, denen man Platz für ihre Entwicklung einräumen muss. Und diese Möglichkeit geben wir ihnen auch in unserem Club.“

Dukla Prag (Foto: Archiv Dukla Prag)
Dukla Prag scheint aber auch für ausländische Spieler attraktiv zu sein. Im Kader der Mannschaft stehen neben jungen Afrikanern überraschenderweise auch zwei spanische Spieler. Was spricht für diese Spieler?

„Wir wollen, dass das Klima in der Mannschaftskabine nicht nur von Tschechen und Slowaken geprägt wird, sondern erhoffen uns von den Spielern aus Afrika oder Spaniern auch eine andere Note. Besonders für unsere Talente ist das eine Bereicherung, denn plötzlich ist da jemand, der Fußball ganz anders spielt. Das ist der Hauptgrund dafür, weshalb wir ausländische Spieler in unseren Kader nehmen.“

Foto: Archiv Dukla Prag
Auf der Pressekonferenz haben Sie gesagt, dass besonders die spanischen Akteure sehr viel an Technik in das Teamspiel einbringen. Wie zufrieden sind Sie denn mit dem Spielstil Ihrer Mannschaft?

„Wir können durchaus sagen, dass wir zufrieden sind. Trotzdem müssen wir weiter daran arbeiten, unser Spiel noch zu verbessern. Dabei wollen wir uns mit diesen Tugenden präsentieren: gepflegtes Kombinations- und Kurzpassspiel sowie hohe Ballsicherheit. Wir wollen also im wahrsten Sinne des Wortes Fußball spielen und dem Zuschauer etwas bieten, wenn er in unser Stadion kommt. Das ist für uns das Wichtigste.“

Foto: Archiv Dukla Prag
Sie haben es bereits ausgesprochen: Ihre Zuschauer träumen schon wieder von den alten Europacup-Zeiten. Wann aber sehen Sie es für realistisch an, dass Dukla so stark ist, um auch wieder international dabei zu sein?

„Wir haben jetzt die erste Etappe unserer Entwicklung hinter uns. Das waren fünf Jahre Arbeit, in denen der Fokus darauf lag, dass wir mit der Mannschaft aufsteigen und sie in der ersten Liga stabil Fuß fasst. Das ist uns gelungen. Meiner Meinung nach aber wird es noch drei bis fünf Jahre dauern, bevor wir wirklich hundertprozentig für den europäischen Wettbewerb vorbereitet sind.“

Zdeněk Sčasný (Foto: Archiv FK Teplice)
Vor dem Freitagspiel in Prag verteilt schließlich auch Gästetrainer Sčasný noch Komplimente an den Gegner und seinen Widerpart, Dukla-Coach Luboš Kozel:

„Wir spielen gegen einen starken Gegner, der sehr gut geführt wird von einem hervorragenden Trainer, der schon einige Jahre mit klarem Konzept bei Dukla arbeitet. Dementsprechend gut ist diese Mannschaft zusammengestellt.“

Autor: Lothar Martin
schlüsselwort:
abspielen