Fußball: Slavia Prag und Pilsen enttäuschen, nur Jablonec überzeugt

Legia Warschau - Slavia Prag

Vor gut zwei Wochen stand fest, dass der tschechische Vereinsfußball in dieser Saison nicht in der Champions League vertreten ist. Seit Donnerstag ist die Zwischenbilanz noch ernüchternder: Nur drei der fünf gestarteten Clubs schafften den Einzug in die europäischen Wettbewerbe, und Meister Slavia Prag spielt nur in der drittklassigen Conference League.

Tomáš Holeš  (links) | Foto: Ludmila Mitrega,  ČTK / AP Photo

Zu Beginn des Monats waren die Fans des tschechischen Titelträgers Slavia Prag noch optimistisch, dass man nach einem Jahr Abstinenz in dieser Saison erneut in der Champions League spielen könnte. Doch jetzt herrscht großer Katzenjammer. Denn nachdem der Traum von der Königsklasse an Gegner Ferencváros Budapest gescheitert ist, konnten sich die Hauptstädter letztlich nicht einmal für die Europa League qualifizieren. Dazu hätte man den polnischen Meister Legia Warschau nach dem 2:2 im Prager Hinspiel in dessen Stadion bezwingen müssen. Das misslang jedoch. Ein Grund dafür war die Rote Karte für Tomáš Holeš, die der Mittelfeldspieler schon in der dritten Spielminute gezeigt bekam. Eine zu schwere Hypothek, meint auch Trainer Jindřich Trpišovský:

„Wir haben die gesamte Begegnung mit einem Mann weniger auf dem Feld bestritten, denn es wurde noch einige Minuten lang nachgespielt. Dieser Akteur hat uns natürlich in vielen Situationen gefehlt, sowohl in der Offensive als auch der Defensive. Zudem war es ein wichtiger Spieler.“

Ondřej Kolář  (rechts) | Foto: Ludmila Mitrega,  ČTK / AP Photo

In der Tat hatten sich Trpišovský wie auch die Slavia-Fans von Nationalspieler Holeš einiges erhofft, schließlich hatte er noch im Juni mit Tschechien eine hervorragende Europameisterschaft gespielt. Doch neben Holeš oder Torhüter Ondřej Kolář, der in der Qualifikation mehrfach patzte, sind derzeit gleich mehrere Slavia-Kicker außer Form. Zu ihnen gehört auch Stürmer Stanislav Tecl, der einfach das Tor nicht trifft. In Warschau vergab er erneut zwei Riesentorgelegenheiten, davon die zweite beim Stand von 1:0 für Slavia:

„Der Knackpunkt des Spiels war meine zweite Chance, die ich nicht verwertet habe. Hätte ich sie zur 2:0-Führung genutzt, hätte Legia wohl nicht mehr die Kraft gehabt, um noch zwei Tore zu schießen. Das ärgert mich sehr, denn jeder von uns hat auf dem Platz alles gegeben, ich habe dem Team jedoch nicht geholfen.“

Mahir Emreli  (rechts) | Foto: Ludmila Mitrega,  ČTK / AP Photo

So aber wurde der aserbaidschanische Angreifer von Warschau, Mahir Emreli, zum Helden der Partie. Mit seinen zwei Treffern schoss er Legia zum 2:1 Sieg – und Slavia hinab in die neu geschaffene Conference League. Überraschenderweise sieht dies Coach Trpišovský als keinen Nachteil an:

„Meiner Meinung nach ist die Conference League für unseren Club aus ökonomischer Sicht paradoxerweise vorteilhafter als die Europa League. Also wirtschaftlich gesehen gibt es keinen Unterschied, es ist eher umgekehrt.“

MŠK Žilina - FK Jablonec nad Nisou | Foto:  Tschechisches Fernsehen

Wenn dem so ist, müsste der FK Jablonec nad Nisou jetzt erst recht vor Freude in die Luft springen. In der dritten Runde der Qualifikation zur Europa League waren die Nordböhmen nämlich ohne Chance, sie sind am schottischen Rekordmeister Celtic Glasgow gescheitert. In der Play-off-Runde zur Conference League aber hatten sie leichtes Spiel: Sie bezwangen den slowakischen Vertreter MŠK Žilina in beiden Vergleichen insgesamt mit 8:1. Dies schafften die Neißestädter unter anderem dadurch, weil sie trotz des 5:1-Sieges im Hinspiel bei der Zweitauflage in Žilina nicht abhoben. Torschütze Dominik Pleštil:

„Wir wussten, es ist noch nichts entschieden, also müssen wir weiter konzentriert spielen und den Gegner von der ersten Minute an unter Druck setzen, so wie im Heimspiel. Das ist uns bis auf eine kurze Phase, in der der Gegner etwas Oberwasser hatte, gut gelungen. In beiden Partien aber waren wir das bessere Team.“

ZSKA Sofia - Viktoria Pilsen | Foto: Tschechisches Fernsehen

Das hätte Viktoria Pilsen am späten Donnerstagabend in Sofia auch gern von sich behauptet. Doch anstatt den 2:0-Vorsprung aus dem Hinspiel vor einer Woche in der Bierstadt sicher über die Runden zu bringen, gaben die Westböhmen schließlich noch alle Trümpfe aus der Hand – sie verloren das Match in der Verlängerung mit 0:3. Dabei spielten die Gastgeber in der letzten Viertelstunde nach dem Platzverweis für Caicedo nur noch zu zehnt, dennoch erzielten sie eine Minute vor Ablauf der regulären Overtime das alles entscheidende 3:0. Dieser K.o.-Schlag traf die Pilsener bis ins Mark. Kapitän Luděk Pernica:

„Ich möchte kein derbes Wort benutzen, aber wir sind nun schon das dritte Mal in Folge in der Qualifikation gescheitert. Das ist äußerst schlecht. Damit haben wir den bitteren Kelch bis zur Neige geleert. Wir sind sehr enttäuscht.“

Foto:  Tschechisches Fernsehen

Die Kurve der europäischen Wettbewerbsfähigkeit des fünffachen tschechischen Meisters zeigt in der Tat beängstigend nach unten: Spielten die Pilsener noch vor zehn beziehungsweise acht Jahren in der Champions League, so sind sie nun das dritte Mal hintereinander nur Zaungast. Sehr zur Freude der anderen, denn in Sofia jubelten am Donnerstagabend nur die Fans der Gastgeber.

Autoren: Lothar Martin , David Procházka , Lukáš Kaleta , Jan Suchan
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