Fußballskandal: Festnahmen in tschechischen Ligen

Foto: Christopher Bruno / Stock.XCHNG

Der tschechische Fußball ist in der Krise – und das nicht nur, weil die Nationalmannschaft die Qualifikation zur WM 2014 in Brasilien verpasst hat. Am Mittwochabend gab die Polizei bekannt, mehrere Fußballspieler der Korruption zu verdächtigen. Vorrangig handelt es sich dabei um Spieler der unteren Klassen, aber auch ein Erstligaverein ist betroffen.

Jaroslav Ibehej (Foto: Archiv der Polizei der Tschechischen Republik)
Der großangelegten Razzia gingen mehrere Monate Arbeit voraus. Am Mittwoch mündeten die Ermittlungen in Hausdurchsuchungen, Verhören und Verhaftungen. Zwölf Fußballspieler werden beschuldigt, Spiele manipuliert haben. Jaroslav Ibehej ist Sprecher der Antikorruptionseinheit der Polizei:

„Die zwölf Angeklagten befinden sich weiter in Untersuchungshaft. Wir können bisher nur auf allgemeiner Ebene sagen, dass es sich um den Verdacht der Bestechung beim Fußball und die eventuelle Beeinflussung von Spielen in verschiedenen Wettbewerben handelt. Es soll dabei um Wetteinsätze gehen.“

Die meisten Verdächtigen stammen aus Klubs der dritten Liga und aus Juniorwettbewerben. Aber auch Spieler des Erstligisten FK Teplice wurden verhört. František Hrdlička ist Direktor des nordböhmischen Klubs:

„Die Hand lege ich für niemanden ins Feuer, aber bei eben diesen Spielern, die verhört wurden, würde es mich doch sehr überraschen.“

František Hrdlička (Foto: FK Teplice)
Eine Spur führt mittlerweile in die Slowakei. Dort wurden im Zusammenhang mit Spielmanipulationen sieben Personen verhaftet. Sie sollen die Fußballspieler in den einzelnen Vereinen und Ligen rekrutiert haben. Die Spieler hätten zwischen 2000 und bis zu 60.000 Euro erhalten, erklärte die slowakische Polizei. Bei diesen Betrügereien gehe es aber nicht um das Endergebnis, erklärt der Redakteur der Tageszeitung „Sport“, Stanislav Hrabě:

„Es betrifft hauptsächlich die unteren Ligen und Wettbewerbe. Man wettet da nicht nur auf das Ergebnis, und es gibt bislang auch keinen Verdacht, dass ein ganzes Spiel verschoben wurde. Es wird auf andere Dinge gewettet: wie viele Tore fallen, wer schießt die erste Ecke, wer das erste Tor. Natürlich schadet auch das dem Fußball und deswegen ist es zu begrüßen, dass die Polizei einschreitet und diese Vorfälle untersucht.“

Das große Geld mit diesen Wetten wird aber nicht in Tschechien gemacht, die Hintermänner dieser Geschäfte sitzen in Asien. Denn wegen der Betrugsgefahr nehmen die tschechischen Wettanbieter keine Einsätze auf Ligen und Wettbewerbe unterhalb der zweiten Liga an. Das sei bei diversen Internetanbietern aus Asien aber anders, sagt Petr Šrain vom Wettanbieter Fortuna. Die Behörden sind derweil nicht untätig. Auf europäischer Ebene wurde mittlerweile eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um Manipulationen im Sport einzudämmen, sagt Jan Řehola, Direktor der tschechischen Glücksspielaufsichtsbehörde:

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„Ziel dieser Gruppe ist es, in jedem Mitgliedsstaat eine Kontaktstelle aufzubauen, wo die staatlichen Kontrolleure, Vertreter der Glücksspielbetreiber, die Polizei und Vertreter der Sportverbände zusammenarbeiten, um ein gesamteuropäisches Netz zu schaffen. Man muss sich aber klarmachen, dass es sich dabei nur um die europäische Ebene handelt. Im Kampf mit den asiatischen Wettanbietern ist auch das nicht hundertprozentig effektiv.“

Die Ermittlungen im aktuellen Fall laufen weiter. Sie seien immerhin ein Zeichen dafür, dass Spieler, die sich bestechen lassen, nicht ungeschoren davonkämen, ließ der tschechische Fußballverband verlauten.

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