Genscher in der Prager Botschaft: „Ein wunderbarer Anlass zu feiern“
Am Mittwoch wurde in der deutschen Botschaft in Prag gefeiert - ein Jubiläum. Auf den Tag genau war es 20 Jahre her gewesen, dass die wochenlang in der Prager Botschaft festsitzenden DDR-Flüchtlinge ausreisen konnten. Ein Stein aus der Mauer, die Europa teilte, wurde heraus gebrochen. Und deswegen wurde auch gleich der Tag der Deutschen Einheit mitgefeiert.
Auch wenn 1989 viele Köpfe an den Verhandlungen um die Ausreise der DDR-Flüchtlinge aus der Prager Botschaft beteiligt waren - die zentrale Figur in der Erinnerung aller ist der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher. Er hatte den verzweifelten Menschen vom Balkon des Palais Lobkowicz aus zugerufen, dass ihre Ausreise unmittelbar bevorstehe. Der Anfang vom Ende eines in Ost und West gespaltenen Europa.
Am Mittwoch, dem 20. Jahrestag, wurde dieses Ereignis gebührend gefeiert. Und zwar zugleich mit dem Tag der Deutschen Einheit. Einer Einheit, die auch eine Folge der Herbst-Ereignisse in Prag war, erinnerte Genscher mit Nachdruck.
„Es ist wahr, meine Damen und Herren, die Mauer ist vom Osten her zum Einsturz gebracht worden. Mit bloßen Händen, mit dem Willen zur Freiheit und mit einem wunderbaren Wort: keine Gewalt. Das hat sogar die verzaubert, die vielleicht darüber nachgedacht haben.“Unzählige Journalisten, Ehrengäste, deutsche wie tschechische Politiker – der Kuppelsaal der Botschaft war gerammelt voll. Ausgerichtet hatten die Jubiläums- und Einheitsfeier die Botschaft selbst und das Land Sachsen. Zu gratulieren kam auch der tschechische Präsident Klaus:
„Ich möchte heute hier klar und deutlich sagen, dass Deutschland für uns – nach 20 Jahren Freiheit – ein vertrautes und bekanntes Land ist, ein befreundetes Land. Dass es ein Land ist, mit dem wir gemeinsam Mitglied in der Europäischen Union und im Nordatlantischen Bündnis sind und das eines unserer bedeutendsten Partner überhaupt ist.“
Im vorangegangenen Pressegespräch mit den früheren Polit-Akteuren Genscher und Kanzleramtsminister Seiters sowie dem sächsischen Gastgeber Ministerpräsident Tillich ging es jedoch auch analytisch zu. Die Haltung der damaligen kommunistischen Regierung der ČSSR sei alles andere als hilfreich gewesen, betonte Seiters:„Es war eine ganz harte Haltung. Und Herr Genscher hat völlig recht - die Tschechen haben immer darauf verwiesen: ´Das müsst Ihr mit der DDR klären´. Die waren nicht hilfreich in der Regierung damals; ganz anders als das bei anderen osteuropäischen Ländern der Fall war.“
Doch Genscher beschwor abschließend und leidenschaftlich vor allem die europäische Zukunft.
„Wir haben keine andere Zukunft als Europa! Wir Deutschen haben es gelernt. In Europa liegt unsere Zukunft. Und da liegt auch unsere Verantwortung. Und in diesem Sinne grüße ich sie herzlich! Feiern Sie schön. Es ist ein wunderbarer Anlass auch mal zu feiern. Ich verabschiede mich, ich gehe jetzt nach Berlin, um dort eine Rede auf Václav Havel zu halten.“
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