Gescheitertes Mordkomplott: auch Ex-Außenminister Kavan gerät unter Druck

Sabina Slonkova, Foto:CTK

Am Dienstag wurden Informationen über das geplante und vereitelte Mordkomplott gegen eine tschechische Journalistin bekannt gegeben. Kurz darauf ist der ehemalige Außenminister und künftige Vorsitzende der UN-Vollversammlung, Jan Kavan, unter Druck geraten. Was hat Kavan mit der Sache zu tun? Unter den vier inhaftierten Personen befindet sich auch der Ex-Kanzleichef des Außenministeriums, Karel Srba. Er steht unter Verdacht, einen Mann mit der Tötung der Redakteurin des Blattes Mlada fronta Dnes Sabina Slonkova beauftragt zu haben. Diese hatte in der Vergangenheit mehrere Artikel über Srbas Finanzaffären geschrieben.

Sabina Slonkova, Foto:CTK
Präsident Václav Havel hat am Dienstag den Ex-Außenminister Jan Kavan indirekt aufgefordert, von seinen jetzigen Funktionen zurückzutreten. Der Präsidentensprecher Ladislav Spacek zitierte Havels Standpunkt:

"Der Präsident fügt hinzu, er halte es auf Grund aller seiner Erfahrungen mit Jan Kavan aus der ferneren und näheren Vergangenheit, mit dessen eigenartigen Bindungen und dessen Personalpolitik für angebracht, dass Jan Kavan über seine Tauglichkeit nachdenkt, einige seiner Funktionen auszuüben."

Wie Kavan dem Tschechischen Rundfunk sagte, beabsichtige er nicht, auf seine Posten zu verzichten. Er distanzierte sich kurz zuvor von seinem früheren Mitarbeiter Srba. Er habe seit dessen Ausscheiden aus dem Ministerium vor anderthalb Jahren keinen Kontakt zu seinem ehemaligen engen Mitarbeiter gehabt, sagte Kavan.

"Ich habe die Erklärung von Herrn Präsident gründlich gelesen. Sie hat mich sehr überrascht, denn ich weiß nicht, woran er in seinem Hinweis auf eigenartige Bindungen und Personalpolitik anspielt. Wenn es um die Tatsache geht, dass ich vor einigen Jahren Karel Srba ins Außenministerium aufgenommen habe - er war damals Chef der Betriebssektion - können wir retrospektiv, mit dem, was wir heute wissen, sagen, dass es ein Fehler war."

Noch eindeutiger als das Staatsoberhaupt äußerte sich Kavans Vorgänger im Sitz des Außenminister Josef Zieleniec. Mit Kavans Verbleib würde der "Schatten der geplanten Tat" auf das UN-Amt und auf Tschechien fallen, sagte Zieleniec am Dienstag.

Viele tschechische Politiker zeigten sich durch den Mordplan schockiert. Der jetzige Außenminister Cyril Svoboda wollte die Lage nicht kommentieren, bis die Schuld von Srpa bewiesen sei. Er will sich jedoch mit seinem Vorgänger Jan Kavan unmittelbar nach dessen Rückkehr aus dem Ausland treffen:

"Sobald er zurückkommt, ist es gut, nicht nur mit ihm, sondern auch mit dem Regierungsvorsitzenden darüber zu sprechen. Es handelt sich um eine sehr ernsthafte Sache, denn Jan Kavan wurde zum Vorsitzenden der UN-Vollversammlung gewählt, er ist unser Repräsentant im Konvent und er ist Abgeordneter. Er vertritt also drei bedeutende Funktionen und es wird erforderlich sein, darüber eine politische Debatte zu führen."

Nach der Mittwoch-Ausgabe des Blattes Mlada fronta Dnes wurden bei einer Hausuntersuchung bei Karel Srba in den letzten Tagen 30 Millionen Kronen sowie Waffen gefunden. Srba selbst bestreitet jede Schuld und behauptet, er sei Opfer eines Spiels der Nachrichtendienste geworden.