Grenzüberschreitendes Projekt: Mehr Moore für Böhmerwald und Bayerischer Wald

Foto: Jitka Englová, ČRo Plzeň

Bagger im Wald müssen nicht immer heißen, dass etwas zerstört wird. Derzeit etwa helfen sie dabei, einige Gegenden im Böhmerwald zu renaturieren. Moore und Feuchtgebiete sollen wieder dort entstehen, wo sie entwässert wurden. Dies ist ein grenzüberschreitendes Projekt des Nationalparks Böhmerwald zusammen mit dem Bund Naturschutz in Bayern.

Foto: Správa NP Šumava

An insgesamt 15 Orten im Böhmerwald beginnen in diesem Sommer die Renaturierungsarbeiten. Das tschechisch-deutsche Gesamtprojekt ist aber größer und soll bis 2024 dauern:

„Das Projekt heißt ‚Leben für Moore‘. Es wird im Nationalpark Böhmerwald umgesetzt und angrenzend auf bayerischer Seite auf den Gemeindegebieten von Philippsreut und Haidmühle. Diese beiden Orte liegen südlich des Nationalparks Bayerischer Wald, sind aber nicht dessen Teile. Bei dem Projekt geht es darum, Moore und Feuchtgebiete zu renaturieren. Unser oberstes Ziel ist, dass wir in diesen Bereichen wieder das Wasser in die Landschaft bringen. Weil Moore sind auch im Nationalpark in den letzten Jahrzehnten ganz stark entwässert worden und haben dadurch ihren natürlichen Charakter verloren“, so Melanie Kreutz, die sich beim Bund Naturschutz Bayern um die Renaturierung kümmert.

Auf tschechischer Seite liegt eines der ersten Projekte im Quellgebiet des Flüsschens Křemelná, zwischen Železná Ruda und Prášily. Lukáš Linhart vom Nationalpark Bůhmerwald:

Iva Bufková und Lukáš Linhart, foto: Jitka Englová, ČRo Plzeň

„Dort unten in dem kleinen Tal fließt die Křemelná, daran schließt sich eine Moorwiese an, die entwässert wurde, und dasselbe gilt für das Quellgebiet darüber. Wir wollen die Entwässerungskanäle blockieren und die kleinen Bäche erneuern, damit möglichst der ursprüngliche Wasserhaushalt wiederhergestellt wird.“

Der Ort, an dem die Křemelná entspringt, nennt sich Malý Bor. Es sind rund 30 Hektar Fläche, und ein Drittel davon gehört direkt zum Quellgebiet des Flüsschens. Die Fachleute vom Nationalpark haben mittlerweile schon viele Entwässerungskanäle mit Erde aufgefüllt. Sie führten zu einem einzigen großen Kanal, über den das Wasser auf kürzestem Weg in die Křemelná abgelassen wurde. Dazu die Biologin Eva Dufková von der Nationalparkverwaltung:

„Das Quellgebiet wurde durch ein dichtes Netz von drei Kilometer langen Entwässerungskanälen zerschnitten. Aber jetzt ist in nur ein paar Tagen das Wasser zurückgekehrt. Das geschieht hier im Quellgebiet ziemlich schnell.“

Auch schwere Technik kommt bei den Arbeiten der Naturschützer zum Einsatz, wie Linhart verrät:

Foto: Jitka Englová, ČRo Plzeň

„Am besten ist es, wenn man recht schnell arbeitet. Und die schwere Technik lässt sich überall dort einsetzen, wo keine wertvollen Biotope bestehen. Hier hat sich gezeigt, dass die Renaturierung dann auch sehr schnell geschieht und der Wasserhaushalt wie früher funktioniert“,

So sollen die Hochmoore zurückkommen. Das sei auch eine klimaschützende Maßnahme, ergänzt Melanie Kreutz vom Bund Naturschutz:

„Es ist wichtig, diese Moorkörper und Feuchtgebiete in der Landschaft zu haben, weil sie Wasser und zugleich auch CO2 speichern. Die Pflanzen, die in den Mooren wachsen, zerfallen nicht wieder, weil dort ein hoher Wasserstand ist. Sie werden im Torf, im Moorkörper gespeichert – und mit ihnen das CO2.“

Dass zudem in Zeiten der Dürre auch Wasser gehalten werde, komme dann der angrenzenden Landwirtschaft zugute, erläutert Kreutz.

Foto: Správa NP Šumava

Während die Renaturierung auf tschechischer Seite im Nationalpark erfolgt, geschieht dies auf deutscher Seite teils auf Privatflächen und teils in unmittelbarer Nachbarschaft zu diesen. Zwar sei dies ein Natura-2000-Gebiet, doch es grenze direkt an Siedlungen, sagt die Landschaftsschützerin…

„Daher müssen wir auch ganz eng mit den beiden Gemeinden zusammenarbeiten sowie mit den Menschen, die vor Ort leben. Aber das klappt auch sehr gut“, so Melanie Kreutz.

Insgesamt sollen im Bayerischen Wald und im Böhmerwald bis 2024 über 2000 Hektar Fläche wieder ihre natürliche Feuchte zurückerhalten. Dafür wird an 40 Orten gearbeitet.

Foto: Správa NP Šumava
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