Guerilla-Garten und Sprachbäder – Herbst im Tschechischen Zentrum Berlin

Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Berlin

Das Tschechische Zentrum Berlin hat nach der Sommerpause wieder eine Menge Aktionen vorbereit. Es geht um Ausstellungen, Musik, Sprache und um einen Garten. Was genau in Berlin im Herbst passiert, darüber mehr im Interview mit der Programmleiterin des Zentrums, Christina Frankenberg.

Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Berlin
Frau Frankenberg, die Sommerpause im Tschechischen Zentrum Berlin ist vorbei, Zeit uns wieder dem Programm für die nächsten Wochen zu widmen. Bevor wir aber über die einzelnen Aktionen sprechen: Vielleicht könnten Sie kurz erklären, was es mit dem kleinen Garten vor dem Zentrum auf sich hat?

„Dieser Garten ziert den Parkplatz vor den Eingang des Tschechischen Zentrums Berlin bereits seit April. Unsere Absicht war es, diesen eher unansehnlichen Platz etwas zu verschönern, quasi einen Blickfang daraus zu machen. Deswegen haben wir einen sogenannten Guerilla-Garten daraus gemacht. Er besteht aus zusammengebauten Plastikbehältern, in denen wir eben im April verschiedene Pflanzensamen - unter anderen verschiedene Blumen- und Gemüsesorten - gesät haben. Während des gesamten Sommers ernten wir dort zum Beispiel frischen Salat, unterschiedliche Kräuter, Radieschen und Mohrrüben, aber auch etwas Fruchtiges wie Erdbeeren. Im Augenblick erfreuen wir uns an den Blumen, vor allen an einer ganz großen Sonnenblume. Der Garten dient als Blickfang, macht darüber hinaus hoffentlich etwas Werbung für uns. Die Leute sollen sehen, dass ein urbaner Garten vorliegt. In diesem gibt es auch Sitzgelegenheiten. Diese werden von Leuten aus der Umgebung gerne zur Mittagspause oder bei unseren Veranstaltungen genutzt. Da wir uns direkt in der Mitte von Berlin befinden, waren wir uns nicht sicher, wie der Garten das überstehen wird. Doch bis jetzt wurde noch nichts zerstört oder herausgerissen.“

Und am Montag haben Sie im tschechischen Zentrum den Info-Point eröffnet. Welche Funktion erfüllt dieser Info-Point?

„Er ist die erste Anlaufstelle für die Besucher des Tschechischen Zentrums. An diesem Info-Point können sich die Menschen über unser Programm sowie unsere Sprachkurse informieren. Zudem beraten wir die Leute, sollten sie weitere Informationen zu unseren Angeboten oder allgemein zur Tschechischen Republik wünschen. Seit Montag haben wir zudem den Besuchern vor Ort eine Handbibliothek zugänglich gemacht. Dort haben diese die Möglichkeit, Bücher zu entleihen. Wir bitten dabei um die Vorbestellung via Telefon oder E-Mail.“

'Metaphysik der Disziplin' (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Berlin)
Welche Ausstellungen sind denn derzeit bei Ihnen zu besichtigen? Bereits eröffnet wurde ja „Metaphysik der Disziplin“. Worum geht es da?

„Die Ausstellung ‚Metaphysik der Disziplin’ zeigt Werke junger Künstler aus Berlin und aus Tschechien. Sie ist eine Fortsetzung unserer Ausstellungsreihe, die die Positionen von Künstlern beider Länder vorstellt. Der Name klingt zunächst etwas abstrakt. Aber zu sehen sind Werke, die sich mit dem Begriff der Ordnung auseinandersetzen. Viele davon gründen auf einer Ordnung, untergraben sie jedoch gleichzeitig. Dabei spielen die Künstler mit verschiedenen Formen. Die Ausstellung setzt sich aus Objekten und Videos zusammen.“

Auf diese Ausstellung folgt ja dann die Ausstellung Offprint. Ist das eine Buchausstellung oder geht es um die Geschichte der Bücher? Oder eher um die Zukunft des Publizierens?

„Es ist eine eher künstlerisch angelegte Ausstellung. Wir werden Künstlerbücher von tschechischen und Berliner Künstlern zeigen. Diese Bücher werden überwiegend mit dem Siebdruckverfahren hergestellt und erscheinen in einer kleinen und nummerierten Auflage. Sie können von den Besuchern angeschaut und durchgeblättert werden.“

Aber auch musikalisch tut sich im Herbst einiges bei Ihnen. Der tschechische Liedermacher Jaromír Nohavica kommt nach Berlin. Was wird er vortragen?

Jaromír Nohavica (Foto: Tomáš Linhart)
„Das Konzert wird am 22. September im Grünen Salon der Volksbühne stattfinden und ist Teil eines Themenabends, der sich mit der Stadt Český Těšín und der Region Teschener Land beschäftigt. Diese Gegend liegt an der Grenze zwischen Polen und Tschechien. Früher wurde dieses Gebiet zum Teil auch von Deutschen besiedelt. Dieser Abend wurde vom Deutschen Kulturforum östliches Europa aus Potsdam initiiert. Das Tschechische Zentrum ist dabei Mitveranstalter. Am Tag der Veranstaltung wird es auch Vorträge geben, die sich mit diesen Regionen beschäftigen. Sie gelten der in Vergessenheit geratenen Trinationalität. Jaromír Nohavica ist selbst mit dieser Region sehr verbunden und wird im Rahmen dieses Abends gemeinsam mit dem deutschen Liedermacher Frank Viehweg ein Konzert geben. Frank Viehweg selbst hat einige von Nohavicas Liedern nachgedichtet. Neben diesem Konzert gibt es noch eine weitere musikalische Veranstaltung, sie findet am 28. September statt. Unter dem Namen ‚Dvořák-Marathon’ wird es dabei einen ganzen Tag lang um das Werk des böhmischen Komponisten Antonín Dvořák gehen. Alles findet im Konzerthaus Berlin statt. Und im Rahmen dieses Tages präsentiert das Tschechische Zentrum auch einige Künstler und führt Veranstaltungen durch. Zu Gast sein wird der tschechische Organist Pavel Kohout. Er wird eine Orgelversion von Dvořáks Symphonie ‚Aus der neuen Welt’ intonieren. Zudem wird den ganzen Tag eine Zimbal-Kapelle im Foyer spielen, sie bringt echte mährische Volksmusik nach Berlin. Am Abend wird zudem noch ein Musikprojekt zu hören sein, das eine Brücke schlägt zwischen den klassischen Werken von Antonín Dvořák und den heutigen Hörgewohnheiten der Menschen. Dieses Projekt stammt aus Bukarest in Rumänien, heißt ‚Dvořák Remastered’ und enthält Remixes von Dvořáks Musik.“

Und dann gibt es noch ein weiteres interessantes Projekt. Das tschechische Zentrum bemüht sich ja auch, die Tschechische Sprache bekannter zu machen. Dazu haben Sie sich mit den anderen Kulturinstituten in Berlin etwas sehr Besonderes einfallen lassen...

„Bevor ab Oktober die regulären Tschechisch-Sprachkurse bei uns im Zentrum beginnen, führen wir am 25. und 26. September zusammen mit anderen europäischen Kulturinstituten aus Berlin den zwölften europäischen Tag der Sprachen durch. Bereits zum dritten oder vierten Mal organisieren die in Berlin ansässigen Kulturinstitute gemeinsam mit Grundschulen und Stadtbibliotheken ein sogenanntes Sprachenbad. Dies ist ein Minisprachkurs für Grundschulkinder. Daran werden wohl 1200 Berliner Schülerinnen und Schüler teilnehmen. Einige davon werden auch die Möglichkeit bekommen, in die tschechische Sprache hineinzuschnuppern. Die Kurse dazu werden vom Tschechischen Zentrum angeboten. Für den Abend des 26. Septembers ist eine Podiumsdiskussion geplant. Sie findet im Europäischen Haus unter dem Thema ‚Sprachen to go’ statt. Dabei werden Jugendliche verschiedener Nationen auf dem Podium Platz nehmen, die Erfahrungen haben mit dem Erlernen einer Sprache oder mit Aufenthalten in anderen Ländern. Diese Aufenthalte können sich auf der beruflichen Tätigkeit ergeben haben oder sie fanden im Rahmen eines Schulaustauschs beziehungsweise eines Auslandsstudium im Rahmen des Erasmus-Programms statt. Die Vertreter auf dem Podium werden dann mit den Menschen aus dem Publikum über die Bedeutung der europäischen Sprachen - abgesehen von der englischen Sprache - diskutieren.“