Gutes deutsches Pflaster: Tschechische Siege im Tennis, Eisschnelllauf und Snowboarden

Tomáš Berdych (Foto: ČTK)

Am zurückliegenden Wochenende richteten sich die Augen vieler tschechischer Sportfans nach Deutschland: nach Berlin, nach Hannover und nach Winterberg. An allen drei Orten kämpften tschechische Sportler um internationalen Ruhm – und waren erfolgreich. Etwas mehr als 800 Kilometer Luftlinie weiter nördlich, in Oslo, waren die tschechischen Biathleten und Biathletinnen indes nicht vom Glück verfolgt.

Tomáš Berdych (Foto: ČTK)
Als der Hallensprecher in der TUI Arena von Hannover am Freitag die Tennis-Anhänger zum Davis-Cup-Duell Deutschland gegen Tschechien begrüßte, da rechnete wohl kaum einer der Zuschauer damit, dass er gleich zum Auftakt das volle Programm zu sehen bekommt: zwei Einzel, die jeweils erst nach dem fünften Satz entschieden wurden. In der ersten Partie bezwang Philipp Kohlschreiber den 30-jährigen Lukáš Rosol nach etwas mehr als drei Stunden im entscheidenden Satz mit 6:3. Danach gewann auch die tschechische Nummer eins, Tomáš Berdych, die harte Prüfung gegen seinen 18-jährigen Herausforderer Alexander Zverev, nur dass Berdych für seinen Sieg fast viereinhalb Stunden brauchte. Das hinderte aber Tschechiens Teamchef Jaroslav Navrátil nicht daran, nur 15 Stunden später im Doppel Berdych ein weiteres Mal einzusetzen, und zwar neben dem sehr erfahrenen Radek Štěpánek. Im Gegenteil:

Radek Štěpánek, Tomáš Berdych, Philipp Kohlschreiber und Philipp Petzschner (Foto: ČTK)
„Bei den Beiden bin ich ruhiger als bei anderen Spielern, denn ich weiß, was ich von ihnen erwarten kann. Zum einen, weil sie im Spiel gut aufeinander abgestimmt sind, und zum anderen, weil sie auch gemeinsam kommunizieren“, erklärte Navrátil.

Und nach dem Drei-Satz-Sieg über das deutsche Doppel Philipp Kohlschreiber/Philipp Petzschner ergänzte der 37-jährige Štěpánek:

„Tomáš und ich haben schon viele Doppel zusammen bestritten. Deshalb wussten wir auch, dass die Deutschen ihren guten Standard, den sie im ersten Satz gezeigt haben, nicht über das gesamte Match werden durchhalten können. Und das hat sich bestätigt.“

Jan Kodeš (Foto: Pavla Kopřivová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Nach der Begegnung feierte Štěpánek ein Jubiläum, denn er bejubelte seinen 20. Sieg in einen Davis-Cup-Doppel. Noch einen Doppelerfolg mehr kann Berdych vorweisen, zusammen mit seinen Einzelsiegen war es für ihn sogar schon der 50. Triumph in einem Davis-Cup-Match. Damit liegt Berdych in der nationalen Rangfolge nur noch zehn Siege hinter Jan Kodeš, dem Wimbledonsieger von 1973. Dazu angesprochen, sagte Berdych:

„Das ist schön, doch jetzt bräuchten wir auch meinen 51. Sieg, möglichst schon an diesem Wochenende.“

Lukáš Rosol (Foto: ČTK)
Berdychs Wünsche erfüllten sich jedoch nicht. Mit sieben Stunden hartem Tennis in den Beinen musste er am Sonntag gleich als Erster ran – und überstand den Kraftakt nicht. Schon im ersten Satz des Duells mit Kohlschreiber zog er sich eine Zerrung im rechten Oberschenkel zu. Die Verletzung behinderte ihn anschließend so sehr, dass er nach den ersten zwei Sätzen, die er beide verlor, das Match aufgab. Nun stand es 2:2, und Deutschland witterte die große Chance, durch einen Sieg des talentierten Zverev das Ruder doch noch herumzureißen. Doch da hatten die Hausherren die Rechnung buchstäblich ohne den Gast gemacht. Denn Lukáš Rosol bot eine Glanzvorstellung und ließ dem jungen Deutschen in einem einseitigen-Drei-Satz-Spiel überhaupt keine Chance. Nach nur einer Stunde und 38 Minuten gewann Rosol mit 6:2, 6:3 und 6:1 und machte den Einzug des tschechischen Teams ins Viertelfinale perfekt:

Alexander Zverev (Foto: ČTK)
„Das war eine neue Rolle für mich, denn erstmals bin ich nach einem Zwischenstand von 2:2 angetreten. Von daher bin ich froh, den fünften Punkt für uns gewonnen zu haben. Das war wichtig, denn nun können wir uns auf das nächste Match gegen Frankreich freuen.“

In der Viertelfinalpartie gegen Frankreich haben die tschechischen Tennis-Herren Heimrecht. Sie wird vom 15. bis 17. Juli ausgetragen, vermutlich in Třinec.


Eisschnelllauf: Sáblíková setzt sich weitere WM-Krone auf

Martina Sáblíková (Foto: ČTK)
Martina Sáblíková ist einfach nicht zu stoppen. Die 28-jährige Eisschnellläuferin ist in ihrer Sportart seit einem Jahrzehnt das Maß aller Dinge auf den Langstrecken. Ende Januar fuhr sie im norwegischen Stavanger den zehnten Gesamt-Weltcup in Folge auf ihren Paradestrecken ein, nur zwei Wochen später gewann sie über 3000 und 5000 Meter auch die Goldmedaillen bei der Einzelstrecken-WM im russischen Kolomna. Und nun setzte sie ihrer Fabelsaison eine weitere Krone auf – in Berlin eroberte sie noch den Weltmeistertitel im Mehrkampf. Es war ihr vierter Triumph in dem Wettbewerb, bei dem die Zeiten aller vier Einzelstrecken addiert werden. Und es war ein spannender wie auch qualitativ hochwertiger Wettkampf, so Sáblíková:

Martina Sáblíková und Ireen Wüst (Foto: ČTK)
„Dieser Vierkampf war für mich sehr anstrengend. Vor allem deshalb, weil meine große Konkurrentin Ireen Wüst ganz stark dagegenhielt, unser Duell stand wirklich auf hohem Niveau. Daher waren unsere Zeiten auch sehr gut. Ich bin ungemein froh, das Duell gewonnen zu haben, und ich koste den Sieg nun richtig aus.“

Ihre Freude darüber zeigte sie gleich nach dem abschließenden 5000-Meter-Rennen, das sie im direkten Duell mit der Niederländerin absolvierte. Und wie Sáblíková eingestand, war es auch ein Duell der Nerven:

Martina Sáblíková (Foto: ČTK)
„Die ersten drei, vier Kilometer waren schwer, besonders für den Kopf, denn mich hat die ganze Zeit beschäftigt, wie groß der Abstand zwischen uns beiden ist. Ich musste ja zwei Sekunden auf sie herauslaufen, dann rief mir mein Trainer endlich zu, ich hätte den Rückstand aufgeholt. Zum Glück konnte ich mein Tempo beibehalten, während Ireen noch etwas abgebaut hat. Aber wir haben uns einen tollen Zweikampf geliefert, den sicher auch die Zuschauer genossen haben.“

Nun könnte Martina Sáblíková eigentlich ebenso das erfolgreiche Saisonende genießen. Doch das Energiebündel und Multitalent aus Žďár nad Sázavou hat bereits schon das nächste Ziel vor Augen: Bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro wird sie mit dem Rad beim Zeitfahren der Frauen antreten.


Snowboard-Weltcup: Ledecká räumt ersten großen Globus ab

Ester Ledecká (Foto: ČTK)
Zu den populärsten Wintersportarten in Tschechien gehört zweifellos der alpine Skilauf. Hierfür bringt das Land indes nur höchst selten mal einen Sportler von absoluter Weltklasse hervor, auch weil die eigene Bergwelt vergleichsweise niedrig ist. Das sieht in einer relativ jungen Sportart schon wieder ganz anders aus – im Snowboarden. Hier stellt Tschechien mit Eva Samková die amtierende Olympiasiegerin im Snowboardcross und mit Ester Ledecká die Weltmeisterin von 2015 im Parallelslalom. In Winterberg hat die 20-Jährige nun erstmals auch den Gesamt-Weltcup in den Slalomkonkurrenzen gewonnen. Ledecká konnte ihr Glück kaum fassen, als sie dafür am Sonntag den großen Kristallglobus entgegennahm. Und erst recht mit sich zufrieden war sie, als sie nach einer Reporterfrage ihre beiden bisherigen Erfolge miteinander vergleichen sollte:

Ester Ledecká (Foto: ČTK)
„Das lässt sich nur schwer vergleichen. Die Weltmeisterschaft ist schon deshalb anders, weil es nur ein Wettkampf ist, den man zu einem bestimmten Termin bestreitet. Der Weltcup aber ist das Ergebnis einer ganzen Saison, von daher hat dieser Erfolg für mich großes Gewicht. Man muss halt in jedem Wettkampf gute Platzierungen erreichen. Das ist mir gelungen, und das macht mich ziemlich stolz.“


Biathlon: Fehlschüsse lassen tschechische Medaillenträume vorerst platzen

Veronika Vítková (Foto: Jan Kodet, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Am vergangenen Donnerstag haben am berühmten Holmenkollen in Oslo die Weltmeisterschaften im Biathlon begonnen. Und auch hier rechnet sich Tschechien gute Medaillenchancen aus. In den Disziplinen der Frauen schickt man nämlich in Person von Gabriela Soukalová die Weltcup-Führende ins Rennen. Die 26-Jährige ist ein Vorbild an Beständigkeit in dieser Saison, und das bewies sie auch gleich im ersten Rennen, der Mixed-Staffel. Trotz ihrer guten Schieß- und Laufleistung reichte es für die tschechische Staffel jedoch nur zum sechsten Platz, weil Teamgefährtin Veronika Vítková am Schießstand gleich fünf Fehlschüsse abgab und die beiden Männer in der Loipe nicht schnell genug waren. In ihrem ersten Einzelrennen aber leistete sich dann auch Soukalová im Liegendanschlag einen Fehlschuss – es war einer mit Folgen, wie sie sofort wusste:

Gabriela Soukalová (Foto: ČTK)
„Nach dem einen Fehler habe ich mir gesagt, es wird schwer, jetzt noch um Edelmetall zu kämpfen. Also habe ich versucht, in der Loipe alles aus mir herauszuholen. Vor dem zweiten Schießen habe ich auch nicht das Tempo etwas herausgenommen, wie ich es sonst mache. Ich habe einfach alles riskiert.“

Im Sprintrennen konnte Soukalová damit ihre Strafrunde nicht mehr erfolgreich kompensieren, sie belegte nur den undankbaren vierten Platz. Dieser aber sollte für sie zumindest eine gute Ausgangsposition für die Verfolgung sein. Am Sonntag aber erwischte Soukalová einen ungewöhnlich schlechten Tag, sie leistete sich gleich fünf Schießfehler, so dass nur der enttäuschende elfte Platz heraussprang. Jetzt muss die Weltcup-Führende erst einmal ihre Wunden lecken und sich neu aufbauen. Denn zwei Chancen hat sie noch – am Mittwoch im Einzelrennen und am kommenden Sonntag im Massenstart-Rennen. Dasselbe gilt im Übrigen auch für die tschechischen Biathleten, auch wenn deren Hoffnungen auf eine Medaille diesmal weit geringer sind als in früheren Jahren.

Autor: Lothar Martin
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