„Havel 90“: Überall in Tschechien wird an ehemaligen Präsidenten erinnert

Václav Havel mit Bohumil Hrabal und Bill Clinton

Am heutigen Montag wäre Václav Havel 90 Jahre alte geworden. Überall in Tschechien wird an ihn erinnert.

„Ich glaube, er würde heute sagen, dass dieser Trend, mit dem die Welt autoritärer wird und der die Nationen voneinander trennt, eine schlechte Idee ist. Denn Demokratie ist das beste System.“

So antwortet Bill Clinton auf die Frage, was Václav Havel zu der aktuellen politischen Lage sagen würde. Der ehemalige US-Präsident hat dem Tschechischen Rundfunk anlässlich des 90. Geburtstages von Havel ein exklusives Interview gegeben. Denn beide waren in den 1990er Jahren nicht nur Amtskollegen, sondern auch gute Freunde. Clintons Spontanauftritt mit dem Saxofon 1994 im Prager Jazzclub Reduta ist zur Legende geworden. Und dies sei eine der schönsten Nächte seines Lebens gewesen, betont der US-Amerikaner in dem Rundfunkinterview.

Bill Clinton und Václav Havel in Jazz-Club Reduta | Foto: YouTube

Viele weitere Weggefährten des ersten Staatspräsidenten der Tschechoslowakei nach der Wende 1989 und auch der neu gegründeten Tschechischen Republik ab 1993 sprechen an diesem Montag über das Vermächtnis von Václav Havel. Denn er wurde am 5. Oktober 1936, also vor genau 90 Jahren geboren. In Ostrava / Ostrau findet schon seit Sonntag ein Kulturprogramm statt. Koordinator Jiří Hruška beschreibt das zentrale Happening auf dem Masaryk-Platz:

„Es bietet einerseits Auftritte von Schauspielern, die Havels Theaterstücke noch aus seiner Zeit kennen, andererseits aber auch von der jüngeren Studentengeneration. Außerdem spielen die Ostrauer Band Neminem und ein Trompetentrio. Und die Schüler des Sprachengymnasiums zeigen ein lebendes Bild mit dem Titel ‚Havel kommt ins Gefängnis Heřmanice‘.“

Ausstellung zum 90. Geburtstag von Václav Havel auf dem Masaryk-Platz in Ostrava | Foto: Martin Popelář,  Stadt Ostrava

In diesem Gefängnis war Havel als Dissident von Januar 1980 bis Juni 1981 inhaftiert. An vielen Orten in Tschechien beteiligen sich junge Menschen an den Erinnerungsveranstaltungen. Im ostböhmischen Choceň zum Beispiel luden die Pfadfinder am Montagvormittag in „Havels Gemüseladen“, in dem Diskussionen und Darstellungen aus den Theaterstücken des Dramatikers stattfanden. Und in der Kreisbibliothek in Havlíčkův Brod richtet sich die Ausstellung „Každý může změnit svět“ (Jeder kann die Welt verändern) speziell an Schulklassen.

Besondere Straßenbahn

In Brno / Brünn und in Prag hingegen müssen die Menschen nicht an einen bestimmten Ort kommen, sondern die Erinnerung kommt zu ihnen – und das in Form einer besonderen Straßenbahn. In Brünn werden bei der Fahrt, die im Übrigen kostenlos ist, Szenen aus Havels letztem Stück „Odcházení“ (Abgang) aufgeführt. Und in Prag ist ein Fahrzeug in Dunkelblau gehalten und trägt die Aufschrift „Havel 90“ sowie sein stilisiertes Portrait. Im Innenraum informieren Plakate über die verschiedenen Veranstaltungen zum Jubiläum. Die Tram fahre seit Montag auf der Linie 22, sagt Magistratssprecher Vít Hofman:

„Mit diesem Fahrzeug, das an den ersten tschechischen Staatspräsidenten Václav Havel erinnert, können die Menschen noch bis Ende des Jahres fahren. Es startet im Depot Vokovice.“

Eine andere Art der Bewegung durch Prag bietet am Montag das Theater Na Zábradlí, an dem der Dramatiker Havel und auch seine erste Ehefrau Olga in den 1960er Jahren gearbeitet haben. Unter dem Titel „Havlův rajón“ (Havels Bezirk) führt ein künstlerisch gestalteter Spaziergang an verschiedene Orte, zu denen der Dissident eine Beziehung hatte.

Und auf der anderen Seite der Moldau, auf der Prager Burg nämlich, findet noch bis Januar kommenden Jahres das Multigenrefestival „Havel Alive!“ statt. Bei den Diskussionsveranstaltungen würden vor allem aktuelle gesellschaftliche Themen im Mittelpunkt stehen, betont Programmleiterin Veronika Wolf. Einen historischen Blick auf die Präsidialkanzlei zu Zeiten Havels biete wiederum die Ausstellung „Design pro Václava Havla“ (Design für Václav Havel), die am Mittwoch in der Reithalle eröffnet:

„Dort wird seine legendäre Bibliothek zu sehen sein, die sich einst im Arbeitszimmer befand. Der Besucher betritt also das damalige Umfeld Havels. Ebenso werden etwa Uniformen ausgestellt, die der Künstler Theodor Pištěk entworfen hat.“

Am Montag finden noch zahlreiche weitere Veranstaltungen überall in Tschechien statt. Und Bill Clinton gab dem „friend“, also seinem Freund, am Ende seines Interviews für den Tschechischen Rundfunk noch ein exklusives Ständchen auf dem Saxofon.

Autoren: Daniela Honigmann , Jana Ciglerová | Quelle: Český rozhlas
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