Hepatitis A geht in Tschechien um – Prag besonders betroffen
In Tschechien grassiert derzeit die Krankheit Hepatitis A. Besonders betroffen ist die Hauptstadt Prag. Mittlerweile wird der Impfstoff knapp.
In Prag wurden in der vergangenen Woche 61 Neuinfektionen mit dem Hepatitis-A-Virus gemeldet. Dies entspricht den Fallzahlen der gesamten letzten drei Jahre zusammen. In der tschechischen Hauptstadt ist die Situation derzeit besonders gravierend, hier gibt es 40 Prozent aller Hepatitis-A-Fälle im Land. Mittlerweile breitet sich die Krankheit aber auch in weitere Kreise aus.
Um der lokalen Epidemie Einhalt zu gebieten, haben die Prager Verkehrsbetriebe (DPP) begonnen, ihre Fahrzeuge zusätzlich zu desinfizieren. Aneta Řehková ist die Pressesprecherin des Unternehmens und teilte dem Tschechischen Rundfunk mit:
„Die Menschen müssen keine Angst vor Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln haben. Die Desinfektion verläuft genauso wie während der Corona-Pandemie. Die präventive Reinigung betrifft unsere Busse, Straßenbahnen sowie die Metrozüge und -haltestellen.“
Die Schmierinfektion durch kontaminierte Oberflächen ist einer der Hauptübertragungswege der Hepatitis A. Experten rufen deshalb dazu auf, sich häufig und gründlich die Hände zu waschen. Doch darüber hinaus streben viele auch eine Impfung gegen das Virus an, die ein wirksamer Schutz sein kann. Allerdings wird mittlerweile der Impfstoff knapp. Denn dieses Jahr haben sich bereits 112.000 Menschen gegen die Hepatitis A immunisieren lassen – doppelt so viele wie vergangenes Jahr. Im Impfzentrum in Prag gibt es die nächsten freien Termine erst wieder im Dezember, wie Petra Batók, die Sprecherin des Prager Gesundheitsamtes, mitteilt:
„Uns freut das Interesse. Die steigenden Fallzahlen und der damit einhergehende Impfbedarf waren aber absolut nicht vorhersehbar. Deshalb sind Engpässe möglich.“
Laut dem Gesundheitsministerium gibt es in Tschechien aktuell noch einige Zehntausend verfügbare Impfdosen gegen Hepatitis A. Hana Cabrnochová ist Kinderärztin und stellvertretende Vorsitzende der Tschechischen Impfgesellschaft. Sie geht davon aus, dass die verbleibenden Vakzine in Verteilzentren und einzelnen Hausarztpraxen lagern…
„In Tschechien gibt es rund 2000 Kinderärzte und etwa doppelt so viele Hausärzte. Wenn jeder von ihnen noch ein paar Dosen hat, ergibt das die Zahl von einigen Tausend, die noch vorhanden sind. Aber derzeit verimpfen wir wegen des extremen Interesses mehrere Dosen pro Tag.“
Aus dem Gesundheitsministerium heißt es, dass bereits außerordentliche Bestellungen des Hepatitis-A-Impfstoffes aufgegeben wurden. Ein konkretes Datum könne er noch nicht nennen, in den nächsten Tagen oder Wochen sollen aber die ersten Lieferungen eintreffen, sagt Matyáš Fošum, Leiter des Referats für den Schutz der öffentlichen Gesundheit. Fošum zufolge verhandelt Tschechien auch auf europäischer Ebene über die Anschaffung der Impfdosen:
„Es gibt verschiedene Notfallversorgungssysteme, sowohl von Seiten der EU beziehungsweise der Europäischen Kommission, als auch von der Weltgesundheitsorganisation. Wir versuchen gerade, Impfvorräte aus den Reserven in der EU zu erhalten.“
Die durch das Hepatitis-A-Virus verursachte Krankheit schlägt sich vor allem auf die Leber nieder. Besonders gefährdet sind Menschen mit Vorerkrankungen oder einem hohen Alter. In Ländern mit hohem Hygienestandard tritt das Virus eher selten auf, in Tschechien steigen die Fallzahlen aber bereits seit Beginn des Jahres. Das Staatliche Gesundheitsinstitut (SZÚ) meldet für 2025 landesweit bisher 1800 Infektionen, 21 Menschen sind schon an Hepatitis A gestorben. Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Todesopfer lediglich bei zwei.







