Hepatitis A in Tschechien: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Tschechien kämpft derzeit mit dem größten Hepatitis-A-Ausbruch seit Jahrzehnten. Im Folgenden bieten wir einen Faktencheck sowie ein paar Ratschläge, wie man sich vor einer Ansteckung schützen kann.
Tschechien hat 2025 eine große Hepatitis-A-Welle erlebt, die größte seit über 40 Jahren. Seit dem Jahresbeginn steckten sich bereits rund 3000 Personen hierzulande an; in 34 Fällen endete der Krankheitsverlauf tödlich. Als besonders bedroht galten seit dem Frühjahr die Hauptstadt Prag und deren Umgebung. Daher habe ich Petra Batók vors Mikrophon gebeten. Sie ist die Sprecherin des Prager Gesundheitsamtes:
„Die Lage in Prag scheint sich stabilisiert zu haben. Die Zahlen sind in den letzten drei Wochen leicht gesunken. In anderen Regionen Tschechiens sieht es anders aus. Einige Regionen sind gar nicht von Hepatitis A betroffen, während die Zahlen in anderen im Gegenteil steigen.“
In Prag wurden seit Jahresbeginn insgesamt 41 Prozent aller Fälle im Land registriert. Das bedeutet 1303 Ansteckungen, wie an diesem Montag gemeldet wurde.
„In der letzten Woche wurden 28 Fälle registriert, zu Beginn des Herbstes hatten wir jedoch über 70 Fälle pro Woche. Wir sehen also eine deutliche Entspannung und hoffen sehr, dass sich dieser Trend fortsetzt.“
Lage entspannt sich?
Der sinkende Trend gilt seit drei Wochen allgemein in Tschechien. Einen Anstieg verzeichnet man derzeit allerdings im Südmährischen Kreis, vor allem unter Studierenden und obdachlosen Menschen:
„Es scheint, als würde sich die Infektion von Kreis zu Kreis verschieben. Das ist in ganz Europa so. Im vergangenen Jahr gab es im Kreis Mährisch-Schlesien die größten Probleme. Seit dem Frühjahr dieses Jahres beobachten wir eben in Prag einen deutlichen Anstieg der Hepatitis-A-Fälle. Zum Vergleich: 2024 gab es in Prag 37 registrierte Patienten im ganzen Jahr, jetzt verzeichnen wir wöchentlich solche Zahlen.“
Was als Randerscheinung in Risikogruppen begann, ist inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
„Dies hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Im Frühjahr war bis zu ein Drittel der Fälle auf Obdachlose und Menschen mit problematischem sozialen Hintergrund zurückzuführen. Damals nahmen wir die Zusammenarbeit mit dem Magistrat auf und versuchten, diese Gruppen zu impfen. Dies führen wir in Kooperation mit gemeinnützigen Organisationen weiter fort. Aktuell lässt sich aber leider feststellen, dass sich Hepatitis A in der gesamten Bevölkerung, über alle Altersgruppen und sozialen Schichten hinweg, ausbreitet.“
Tschechien ist auch im Winter ein beliebtes Reiseziel. Der Prager Weihnachtsmarkt lockt jedes Jahr Tausende Besucher an. Auch deswegen ist die Hepatitis in Tschechien in den deutschen Medien ein frequentiertes Thema. Zwischen Glühwein und Baumstriezel lauere eine tödliche Gefahr, hieß es etwa in der Bild-Zeitung. Petra Batók mildert die Aussage ab:
„Ich würde nicht von einer tödlichen Gefahr sprechen, obwohl die Krankheit natürlich bei geschwächten Menschen, chronisch Leberkranken oder älteren Menschen einen sehr schweren Verlauf nehmen kann. Seit Jahresbeginn gab es in Prag 15 Todesfälle durch Hepatitis. Die meisten davon betrafen jedoch Drogenabhängige oder Menschen mit chronischen Lebererkrankungen. Natürlich besteht diese Gefahr, gefährlich sind aber etwa auch Atemwegserkrankungen. Irgendwelche Infektionen unter den Menschen gibt es eigentlich immer.“
Prager Weihnachtsmärkte
Batóks Empfehlung beim Besuch eines Weihnachtsmarktes lautet klar: Händehygiene.
„Ich habe mich auf den großen Weihnachtsmärkten umgesehen, etwa auf dem Altstädter Ring. Die Hygiene ist dort sehr gut. Es steht auch Desinfektionsmittel bereit. Seien Sie also vorsichtig und waschen Sie sich einfach so oft wie möglich die Hände. Und natürlich ist es ideal, geimpft zu sein. Denn die Impfung schützt das ganze Leben lang und ist nicht nur für einen Besuch in Prag wichtig. Denn Gelbsucht kommt nicht nur in Prag und nicht nur in Tschechien vor.“
Die Hepatitis A ist eine hochansteckende Infektionskrankheit. Die Viren verteilen sich anders als etwa Erkältungsviren nicht über die Luft, sondern primär durch Schmierinfektion:
„Die Übertragung des Virus erfolgt auf fäkal-oralem Weg. Vereinfacht gesagt: Jemand geht auf die Toilette, verschmutzt seine Hände mit Stuhl, wäscht sie nicht gründlich und berührt dann eine Oberfläche. Schon eine winzige Menge des Virus genügt. Es ist sehr widerstandsfähig und überlebt lange. Wenn dann jemand anderes diese Oberfläche anfasst und anschließend sein Gesicht, den Mund oder Lebensmittel berührt, wird das Virus übertragen. Daher spricht man auch von der ‚Krankheit der verunreinigten Hände‘.“
Die Händehygiene sei deshalb unerlässlich, sagt die Sprecherin des Gesundheitsamtes:
„Waschen Sie Ihre Hände gründlich unter fließendem Wasser mit Seife. Schäumen Sie die Seife gut auf und achten Sie darauf, dass die gesamte Handfläche, die obere Seite und die Fingerspitzen gründlich eingeseift sind. Übrigens ist Seife wirklich am wirksamsten. Nur wenn sie nicht verfügbar ist, sollte man Desinfektionsmittel verwenden. Man muss aber solches nutzen, das viruzid wirkt.“
Solche Desinfektionsmittel erhalte man in der Regel in der Apotheke. In den Drogerien würden sie indes meistens nicht angeboten. Denn die gängigen Mittel wirkten lediglich gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren, so Batók.
Händehygiene und Impfung
An einem typischen Arbeitstag stehe ich morgens auf, fahre mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, komme in der Redaktion an, öffne die Tür, ziehe meinen Mantel aus und wasche mir die Hände. Allerdings habe ich da ja bereits die Türklinke angefasst. Stellt das ein Problem dar?
„Das ist ein Problem, wenn man sich zum Beispiel ständig ins Gesicht fasst oder unterwegs etwa einen Apfel aus der Tasche nimmt und ihn mit ungewaschenen Händen isst. Sie fragen richtig, was soll ich tun, denn jeder ist für seine eigene Hygiene und sein eigenes Verhalten verantwortlich. Prag ergreift natürlich Maßnahmen. Die Verkehrsbetriebe haben etwa die Desinfektion ihrer Fahrzeuge verstärkt. Aber es ist nicht so, dass eine Haltestange im Bus nach einer Berührung sofort von jemandem desinfiziert wird. Man muss wirklich selbst Verantwortung übernehmen. Ich würde – und das machen viele Leute so – das Desinfektionsgel in meiner Handtasche haben und mir sofort die Hände desinfizieren, wenn ich aus der Straßenbahn aussteige. Denn ich weiß, dass ich mir oft unbewusst ins Gesicht fasse.“
Die Hepatitis-Welle beschäftigt das Prager Gesundheitsamt derzeit stark. Bei jedem Krankheitsfall ermitteln die Mitarbeiter, wo sich die jeweilige Person aufgehalten hat, mit wem sie im selben Haushalt lebt und mit wem sie in Kontakt war.
„Anschließend müssen diese engen Kontaktpersonen kontaktiert werden, um herauszufinden, ob sie geimpft sind und ob sie bereits Symptome zeigen. Bei Kindern betrifft dies ganze Schulklassen. Daraufhin werden natürlich entsprechende Maßnahmen ergriffen.“
Was ist Hepatitis A?
In Tschechien besteht eine Meldepflicht für Kranke. Auch bei einem leichtem Krankheitsverlauf, der keine besondere Behandlung erfordert, werden Betroffene für eine Woche ins Krankenhaus eingeliefert, um von der Umgebung isoliert zu sein.
Den Kontaktpersonen werde zudem eine Impfung angeboten. Eine Impfpflicht bestehe aber nicht, sagt Petra Batók:
„Laut Angaben des Gesundheitsministeriums sind derzeit Impfstoffe verfügbar, obwohl sich die Lage von Arzt zu Arzt unterscheiden kann. Es gibt definitiv genug Impfstoff für die sogenannte Postexpositionsprophylaxe. Diese ist für Menschen gedacht, die mit einer erkrankten Person in Kontakt waren. Sie können sich 14 Tage nach dem Kontakt impfen lassen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dadurch entweder der Ausbruch der Krankheit oder ein schwererer Verlauf verhindert wird. Nach meinen Informationen ist im Herbst eine große Menge Impfstoff hierzulande eingetroffen. Das Interesse ist aber natürlich viel höher als noch vor einem Jahr zu erwarten gewesen wäre, so dass es mitunter auch Engpässe geben kann.“
Die Hepatitis A ist eine durch Viren verursachte Leberentzündung. Die typischen Beschwerden unterscheiden sich anfangs nicht von anderen Viruserkrankungen. Petra Batók fährt fort:
„Die Symptome sind Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Bauchweh, Schmerzen im rechten Rippenbereich und Übelkeit. Später kommt es zu dunklem Urin und hellem Stuhl. Das ist ein ziemlich sicheres Symptom. Und dann folgt die klassische Gelbfärbung der Haut. Auch ein Hautausschlag kann auftreten.“
Zwischen den ersten Symptomen und den deutlicheren Merkmalen der eigentlichen Gelbsucht können mehrere Wochen liegen, warnt Batók:
„Zudem muss ich darauf hinweisen, dass die ersten Symptome erst 14 bis 50 Tage nach der Infektion auftreten. Bevor die Krankheit ausbricht – falls sie überhaupt ausbricht – ist die Person bereits ansteckend. Das ist die Gefahr.“
Eine Woche Isolierung im Krankenhaus
Zum Schluss noch ein Blick in die Geschichte: Wie schon erwähnt, wurden in der gesamten Tschechischen Republik dieses Jahr bis Mitte Dezember rund 3000 Hepatitis-Fälle registriert. Das ist die höchste Zahl seit 1984, als es etwa 3200 Fälle gab. Doch Ende der 1970er-Jahre, genau 1979, gab es hierzulande eine Hepatitis-Epidemie mit 32.000 Fällen – ein Unterschied um eine Größenordnung. Was geschah damals? Erstens galten die Zahlen noch für die Tschechoslowakei, also für einen viel größeren Staat, erinnert Batók. Und sie blickt zurück:
„Damals wurden kontaminierte Erdbeeren ins Land importiert, aus denen Eis am Stiel hergestellt und in der ganzen Tschechoslowakei vertrieben wurde. So verbreitete sich die Infektion. Dies zeigt auch eine der großen Gefahren der Hepatitis: Das Virus ist frostbeständig. Es kann sogar mehrere Jahre lang im Gefrierschrank überleben. Und auch an der Luft lebt es bei der aktuellen Kälte mehrere Tage lang.“









