Heute vor 25 Jahren: Der Widerstand gegen das Regime weitet sich aus

Foto: Piercetp, CC BY-SA 3.0

Die Samtene Revolution begann an einem Freitag, mit der Niederschlagung der Studentendemonstration vom 17. November. Bereits am darauffolgenden Wochenende trafen sich Studenten, Intellektuelle und Dissidenten, um weitere Proteste zu koordinieren. Mit Beginn der neuen Arbeitswoche am 20. November realisierte das Regime, dass es nicht einfach zur Tagesordnung übergehen konnte. Langsam griff der Protest auf das ganze Land über.

Foto: Piercetp, CC BY-SA 3.0
Das kommunistische Regime hatte gehofft, die Bevölkerung beruhigen zu können. In kürzester Zeit hatte sich in der Tschechoslowakei die Nachricht vom Tod eines Studenten bei den Demonstrationen vom 17. November verbreitet. Das offizielle Dementi wurde im Staatsfernsehen verlesen. Dennoch kamen am 19. und 20. November wieder Demonstranten ins Prager Stadtzentrum. Mit Beginn der Arbeitswoche am traten die Studenten in den Streik:

Šimon Pánek (Foto: Matěj Pálka, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Wir haben uns so gegen vier Uhr morgens in der Technischen Universität auf dem Karlsplatz getroffen. Dort wurde dann die erste Erklärung der Studenten ausgearbeitet, die verschiedene Forderungen enthielt und die Bekanntmachung, dass die Studenten nun streiken,“

sagt Šimon Pánek, einer der damaligen Studentenführer. Diese forderten eine offizielle Untersuchung der gewalttätigen Vorgänge vom 17. November. Auch die Prager Theater schlossen sich dem Streik an. Während sich der Protest zuvor auf die Hauptstadt beschränkt hatte, weitete er sich nun auf das ganze Land aus. Nur vorsichtig berichtete das staatliche Fernsehen darüber.

„Um 17 Uhr versammelten sich heute auf dem Platz der Freiheit in Brünn mehrere Zehntausend Menschen. Bis 18 Uhr verlief die Demonstration ruhig, ohne dass die Einsatzkräfte einschreiten mussten. Nach den Reden von Künstlern und Studenten endete die Demonstration um 18 Uhr mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne, und die meisten Versammelten verließen danach den Platz.“

Milan Kňažko (Foto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Überall in der Tschechoslowakei tauchten Flugblätter mit der Ankündigung des Generalstreiks für den 27. November auf. Auch im slowakischen Landesteil gingen die ersten Menschen auf die Straßen, einige Tausend versammelten sich in Bratislava. Der slowakische Schauspieler Milan Kňažko war durch Zufall Zeuge der Proteste in Prag geworden:

„Einen Tag nach den Ereignissen in Prag bin ich dort gewesen. Ich habe also das Blut gesehen, und die Kerzen auf den Bürgersteigen.“

Zurück in Bratislava stand Kňažko schnell an der Spitze der Plattform „Verejnosť proti násiliu“ - Öffentlichkeit gegen Gewalt. Es war das Pendant zum Bürgerforum in Prag, das allen offen stehen sollte, die sich gegen das Regime artikulieren wollten. Václav Havel äußerte sich später dazu in einem Interview:

Ladislav Adamec und Václav Havel (Foto: ČT24)
„Da wurde nicht mehr unterschieden, wer in der Vergangenheit ein Dissident war oder wer erst in diesem Moment damit begonnen hat, sich in irgendeiner Weise zu engagieren.“

Das Bürgerforum in Prag nahm am Montag erste Verhandlungen mit der sozialistischen Regierung auf. Premierminister Ladislav Adamec weigerte sich zu diesem Zeitpunkt noch, mit Havel zu sprechen. Am folgenden Tag präsentierte sich das Bürgerforum erstmals in der Öffentlichkeit. Moderator dieser und aller weiteren Großdemonstrationen war der Priester Václav Malý:

Václav Malý (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Das Forum gibt es erst seit Sonntag. Seine Gründung verbreitet sich aber Gottseidank sehr schnell, dennoch ist noch nicht jedem klar, welche Ziele sich das Forum gesetzt hat. Aus diesem Grund nun weitere Informationen zum Bürgerforum vom Schriftsteller und Dramatiker Václav Havel.“

Havel bekundete an diesem Tag auf dem Wenzelsplatz erstmals öffentlich die Unterstützung des Bürgerforums für den Generalstreik. Die erste organisierte Demonstration vom 21. November markierte damit einen bedeutenden Schritt im Verlauf der Samtenen Revolution.