Holocaust-Forum in Prag befasst sich mit Extremismus und Antisemitismus

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Vor zehn Jahren haben die Vereinten Nationen den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt. An diesem Tag im Jahr 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Einen Tag vor dem Internationalen Holocaust-Tag und den zentralen Gedenkfeiern in Auschwitz beginnt am Montag in Prag auf der Burg ein zweitägiges Forum über Antisemitismus und Intoleranz.

Konferenz „Let my people live“ in Prag (Foto: ČTK)
„Let my people live.“ Unter diesem Motto steht die zweitägige internationale Konferenz in Prag. Sie wird vom Europäischen Jüdischen Kongress organisiert und befasst sich mit den aktuellen Gefahren durch Antisemitismus und Extremismus. Insgesamt werden dazu rund 500 ausländische Gäste in Prag erwartet. Darunter sind die Staatspräsidenten Bulgariens und der Slowakei, der Vorsitzende des Europa-Parlaments, Martin Schulz, sowie die Parlamentspräsidenten von etwa 30 Ländern. Parallel dazu kommen Staatschefs aus aller Welt, darunter auch Barack Obama, am Dienstag zur zentralen Gedenkveranstaltung in Auschwitz zusammen. Dass fast zeitgleich auch in Tschechien eine Gedenkveranstaltung auf dem Programm steht, hatte in Polen im Vorfeld für Kritik gesorgt. Dem Leiter der Außenabteilung der tschechischen Präsidialkanzlei, Hynek Kmoníček, zufolge steht die Konferenz jedoch nicht in Konkurrenz zu den Feiern in Polen:

Hynek Kmoníček (Foto: Archiv Radio Prag)
„Der Charakter dieser Veranstaltung ist ganz anders. Sie ist nicht nur auf die Vergangenheit gerichtet, sondern auch in die Zukunft. Deswegen nehmen an der Veranstaltung drei unterschiedliche Gruppen teil: Medienexperten, Juristen und Parlamentspräsidenten. Es sind diejenigen, die am stärksten in die Gesetzgebung involviert sind. Und die politische Gedenkfeier anlässlich der Befreiung von Auschwitz findet natürlich dort statt, wo es logischerweise zu erwarten ist, nämlich in Auschwitz.“

Diskutiert wird in Prag unter anderem über die Rolle der Medien und der sozialen Netzwerke, über die extremistische Äußerungen Verbreitung finden. Man könne von der Konferenz sogar konkrete Gesetzentwürfe erwarten, so Kmoníček. Die Teilnehmer wollen zur Koordination entsprechender Initiativen mindestens innerhalb Europas beitragen, betont er.

„Die Teilnehmer werden Ergebnisse von juristischen Diskussionen präsentieren, die schon seit fast zehn Jahren geführt werden. Sie setzen sich mit der Frage auseinander, wie man den Kampf gegen den Extremismus führen kann, ohne die Meinungsfreiheit zu gefährden. Eben das ist heute eine der grundlegenden Fragen im Bereich des Rechts: Wir bemühen uns, auf den Extremismus zu reagieren, ohne unsere eigenen Werte ändern zu müssen.“

Moshe Kantor (am Mikrophon). Foto: ČTK
Der Chef des Europäischen jüdischen Kongresses und Hauptorganisator der Konferenz, Moshe Kantor, warnte zum Auftakt der Tagung vor einem neuen Exodus der Juden aus Europa. Seiner Ansicht nach fühlten sich die Juden in Europa durch ökonomische Unstabilität und insbesondere durch islamischen Radikalismus bedroht. Kantor will dem Forum daher 20 konkrete Vorschläge vorlegen, wie die Sicherheit in Europa gestärkt werden könne.

Am Dienstag wollen die Parlamentspräsidenten mit einem Aufruf an die Weltöffentlichkeit treten. Null Toleranz gegenüber Straftaten aus Intoleranz, so lautet die zentrale Forderung. Das Holocaust-Forum findet zum vierten Mal statt, zum ersten Mal wurde es 2005 in Krakau ausgerichtet. Die Konferenz endet am Dienstag mit einer Gedenkfeier im ehemaligen KZ Terezín / Theresienstadt. Neben den Politikern werden daran auch 90 tschechische Holocaust-Überlebende teilnehmen.