Im Nordischen Skisport läuft Tschechien der Musik weit hinterher

Lukáš Bauer (Foto: Iso76, CC BY-SA 3.0)

Im Skisport haben sich die tschechischen Ambitionen in den zurückliegenden Jahren kräftig verschoben: Während man im Biathlon immer öfter auf dem Treppchen steht, kommt man in der Loipe und von der Sprungschanze meist nur noch unter ferner liefen ein. Das hat die jüngste WM im Nordischen Skisport in Lahti erneut gezeigt. Aber nicht überall gingen tschechischen Sportler zuletzt leer aus. Bei der Leichtathletik-Halleneuropameisterschaft in Belgrad beispielsweise gewannen sie sieben Medaillen.

Lukáš Bauer (Foto: Iso76, CC BY-SA 3.0)
Jiří Raška, Pavel Ploc, Kateřina Neumannová und Lukáš Bauer – diese Namen stehen beispielgebend für frühere tschechischen Erfolge im Nordischen Skisport. Von ihnen ist nur noch Bauer aktiv. Der Skilangläufer aus Boží Dar / Gottesgab im Erzgebirge wird seine Bretter aber schon in den nächsten Tagen, zum Ende der laufenden Saison, endgültig in die Ecke stellen. Der 39-Jährige hatte es lange vorher angekündigt: Dieses Wettkampfjahr wird seine Abschiedssaison. Eigentlich wollte Bauer schon im vergangenen Jahr zurücktreten, doch dann kam alles anders:

„Ich gebe zu, dass sich meine Pläne geändert haben. Und zwar, weil mir gesundheitliche Probleme die letzte Saison völlig ruiniert haben. Ich will nach einem umkämpften Rennen aufhören und nicht wegen der Verletzungen.“

Zu den Wettbewerben, mit denen sich Bauer verabschieden wollte, gehörte auch und ganz besonders die Weltmeisterschaft im finnischen Lahti, die am Sonntag zu Ende ging. Dort hatte sich der Tscheche vor allem auf seiner Paradestrecke, den 15 Kilometern im klassischen Stil, noch einmal viel vorgenommen:

„Ich sage es ganz offen: Ich wäre sehr zufrieden mit einer Platzierung in den Top 10. Jeder Platz, der besser als der zehnte ist, wäre super.“

Seinen Optimismus begründete Bauer zudem mit der finnischen WM-Strecke. Von den vorherigen Weltcuprennen in Lahti gewann er zwei, und nur einmal lief er in der finnischen Stadt nicht in die Top 10.

„In Lahti habe ich häufig gut ausgesehen. Natürlich waren auch ein paar misslungene Wettkämpfe darunter, doch bei der Mehrzahl der Rennen war ich vorn dabei. Nur ungern würde ich diese Statistik beflecken.“

Für den nochmaligen Erfolg hatte Bauer im Vorfeld der WM alles seiner Meinung nach Mögliche getan. Doch es reichte nicht, um mit den Besten in der Welt mitzuhalten. Mit rund zwei Minuten Rückstand auf den neuen Weltmeister Iivo Niskanen aus Finnland wurde Bauer am Ende Neunzehnter. Seine erste Reaktion fiel entsprechend ernüchtert aus:

Lukáš Bauer: „In jedem Rennen will ich möglichst weit vorn landen, doch schon zu Beginn des Laufes habe ich viel Zeit auf die Konkurrenz verloren. Ich habe einfach zu lange gebraucht, um meinen Rhythmus zu finden.“

„In jedem Rennen will ich möglichst weit vorn landen, doch schon zu Beginn des Laufes habe ich viel Zeit auf die Konkurrenz verloren. Ich habe einfach zu lange gebraucht, um meinen Rhythmus zu finden und Tempo zu machen.“

Der letzte WM-Auftritt in einem Einzelrennen war also nicht der beste, dennoch wird Bauer als der bisher erfolgreichste tschechische Skilangläufer in die Annalen eingehen. Auf seiner Habenseite stehen drei olympische Medaillen: eine silberne und eine bronzene über die 15-Kilometer-Strecke und eine bronzene mit der Staffel. Bei Weltmeisterschaften holte Bauer zweimal Silber – 2009 im heimischen Liberec / Reichenberg über 15 Kilometer klassisch und 2015 in Falun auf der langen 50-Kilometer-Distanz. Hinzu kommen der Sieg im Gesamtweltcup in der Saison 2007/08 sowie zwei Triumphe bei der Tour de Ski. Zum Abschluss seiner WM-Ära belegte der Oldie am Freitag mit der tschechischen Staffel den elften Platz.

Kateřina Smutná (Foto: Frankie Fouganthin, CC BY-SA 3.0)
War Lukáš Bauer über Jahre hinweg der Erfolgsgarant bei den tschechischen Männern, so war es Kateřina Neumannová eine längere Zeit bei den Frauen. Die Olympiasiegerin von 2006 und zweimalige Weltmeisterin hat ihre beeindruckende Karriere vor zehn Jahren beendet. Seitdem wurde die große Lücke, die sie hinterlassen hat, nicht wirklich geschlossen. Erst recht, nachdem ihre ambitionierte Nachfolgerin Eva Vrabcová-Nývltová mittlerweile komplett zum Marathon auf die Straße gewechselt ist. Deswegen ruhten die tschechischen Hoffnungen bei der WM in Lahti besonders auf einer Rückkehrerin: auf Kateřina Smutná. Zusammen mit ihrem ehemaligen Jugendtrainer und heutigen Partner Radim Duda war Smutná nach Unstimmigkeiten mit dem tschechischen Verband vor mehr als zwölf Jahren nach Österreich gegangen. Nach dreijähriger Sperre durfte sie wieder am Weltcup teilnehmen, sie startete fortan mit österreichischem Pass für das Alpenland. Nun ist die 33-Jährige nach Tschechien zurückgekehrt, noch dazu mit der eindrucksvollen Empfehlung von fünf Saisonsiegen. Diese erzielte sie jedoch allesamt über lange Distanzen von 50 und mehr Kilometern, auf die sie sich seit gut zwei Jahren spezialisiert hat. Dennoch wollte sie es in Lahti auch auf der deutlich kürzeren Strecke über zehn Kilometer wissen:

„Mein Ziel ist es, nicht nur Fünfzehnte zu werden, denn das war ich schon bei der WM vor sechs Jahren. Diesmal strebe ich einen Platz in der Top 10 an.“

Kateřina Neumannová: „Wir stecken in einer tiefen Krise. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt an der Talsohle angelangt sind. In den kommenden zwei Jahren werden die Ergebnisse wieder nach oben zeigen.“

Kateřina Neumannová warnte indes vor solch hohen Erwartungen. Als zweifache Weltmeisterin über 10 Kilometer, allerdings im freien Stil, weiß sie nur allzu gut, wie schwer das ist:

„Kateřina Smutná läuft schon längere Zeit nur noch die Skimarathons. Das sind völlig andere Rennern, mit einem eher anspruchslosen Profil und häufigen Positionswechseln im großen Teilnehmerfeld. Von daher denke ich, es wird sehr schwer für sie, und ein Platz in den Top 20 wäre schon ein Erfolg.“

Das Rennen machte es dann mehr als deutlich: Die tschechischen Frauen laufen der Weltspitze weit hinterher. Kateřina Beroušková belegte als Beste von ihnen den 28. Platz, Namensvetterin Smutná kam nur auf 31. Rang. Entsprechend groß war ihre Enttäuschung:

Kateřina Neumannová (Foto: Jan Sklenář, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Ehrlich gesagt, sehr begeistert bin ich nicht. Gestern im Training lief es noch ganz gut, heute aber war die Loipe ziemlich eisig, was ich hasse. Doch das soll keine Ausrede sein. Es lief einfach nicht gut, leider.“

Ebenso wenig überzeugend waren die Vorstellungen der anderen Tschechen und Tschechinnen im Langlauf, dem Skispringen und der Nordischen Kombination. In den Einzelwettbewerben sprang kein einziger Top-10-Platz heraus, in den weniger stark besetzten Doppel- und Mannschaftskonkurrenzen landeten lediglich die Kombinierer Tomáš Portyk und Miroslav Dvořák unter den besten Zehn – im Teamsprint belegten sie den achten Platz. Kateřina Neumannová zog daher ein ernüchterndes Fazit:

„Wir stecken in einer tiefen Krise. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt an der Talsohle angelangt sind. In den kommenden zwei Jahren werden die Ergebnisse wieder nach oben zeigen. Mit den jungen Leuten wird es aber noch viel Arbeit geben. Einen Aufschwung erwarte ich daher erst im nächsten oder übernächsten olympischen Zyklus. Dann könnten wir vielleicht wieder dorthin gelangen, wo wir in den zurückliegenden Jahren schon waren.“

Wie bei den Titelkämpfen 2011 und 2013 blieben die tschechischen Skisportler in den nordischen Disziplinen auch diesmal ohne WM-Medaille.


Tschechiens Leichtathleten holen sieben EM-Medaillen unterm Hallendach

Pavel Maslák (Foto: ČTK)
Im Gegensatz zu den nordischen Skisportlern kehrten die tschechischen Leichtathleten von ihrer ersten großen Meisterschaft im Jahr 2017 mit einer Fülle an Edelmetall zurück. Bei der Hallen-Europameisterschaft in Belgrad erkämpften sie sieben Medaillen: einmal Gold, zweimal Silber und viermal Bronze. Damit landete Tschechien in der Nationen-Wertung auf dem sehr guten fünften Platz. Der Europameistertitel wurde erneut von 400-Meter-Läufer Pavel Maslák gewonnen. Der 26-Jährige hat damit den EM-Hattrick über diese Distanz in der Halle perfekt gemacht, und das als erster europäischer Athlet überhaupt. Im Ziel war er überglücklich:

„Die Gegner kennen mich schon und wissen, über wen der Weg zum Sieg führt. Ich habe jedoch alle Angriffe abgewehrt. Der Hattrick bedeutet für mich, etwas Außergewöhnliches geschafft zu haben. Das absolute i-Tüpfelchen wäre indes gewesen, wenn ich auch Europarekord gelaufen wäre.“

Filip Sasínek (rechts). Foto: ČTK
Pavel Masláks Siegerzeit war 45,77 Sekunden, der Hallen-Europarekord aber ist noch 72 Hunderstel besser und wird seit 1988 vom Deutschen Thomas Schönlebe gehalten. Vielleicht gelingt Maslák das aber bei den Hallen-Weltmeisterschaften im nächsten Jahr in Birmingham, denn auch da will er den Titel zum zweiten Mal verteidigen.

Im Sog von Maslák und 400-Meter-Weltmeisterin Zuzana Hejnová, die unterm Hallendach von Belgrad Silber holte, steigerten sich auch einige Nachwuchstalente aus Tschechien. Zu ihnen gehört der 21-jährige Filip Sasínek, der über 1500 Meter Bronze eroberte.

„Ich habe mir wirklich etwas ausgerechnet, auch wenn in Belgrad die Besten aus Europa am Start waren. Ich wollte aber Niemandem etwas schenken, und Bronze ist echt super. Meine Freude ist umso größer, weil es meine erste internationale Medaille ist.“

Maslák, Hejnová, Sasínek und die weiteren Medaillengewinner wollen in den kommenden Monaten nun auch unter freiem Himmel zeigen, dass sie wirklich zu Europas Besten gehören.

Autor: Lothar Martin
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