Im Zeichen der Rose: Eine Zeitreise durch das Land zwischen Donau und Moldau

Foto: Archiv des Verlags Styria

Über Jahrhunderte hat das Adelsgeschlecht der Rosenberger den Kulturraum geprägt, der sich von Südböhmen über Oberösterreich bis nach Bayern erstreckt. Vierzig Jahre lang war dieser Raum vom Eisernen Vorhang geteilt, viel länger jedoch besteht das gemeinsame Erbe, das tief verwurzelt ist in der Geschichte Mitteleuropas. Johannes Jetschgo, Chefredakteur des ORF Oberösterreich, hat dem Thema sein jüngstes Buch gewidmet: „Im Zeichen der Rose. Reise in eine europäische Provinz zwischen Donau und Moldau“.

Foto: Archiv des Verlags Styria
Benannt ist das Buch nach dem Wappenbild der Rosenberger. Wer immer die Region zwischen Südböhmen, Oberösterreich und Bayern bereist, stößt in Klöstern und historischen Gebäuden auf die fünfblättrige Waldrose, erklärt Autor Johannes Jetschgo:

„Dadurch erhebt sich auch die Frage des Zusammenhalts. Das Zeichen der Rose ist eine gemeinsame Wappenblume für einen alten europäischen Raum, der heute zwar als Provinz empfunden wird, der aber – auch was die handelnden Personen anbelangt – einmal im Zentrum Europas stand.“

Seit dem 13. Jahrhundert hatten die Rosenberger ihren Stammsitz auf der südböhmischen Burg Rožmberk / Rosenberg. Ihr Herrschaftsbereich war bis in die Renaissance wirksam, das Geschlecht erlosch erst 1611 mit dem Tod des letzten Rosenbergers. Die Strahlkraft der Region hatte sich bis Prag und Wien erstreckt. Grenzen, die mühsam überwunden werden müssen, sind hingegen ein Phänomen neueren Datums.

Johannes Jetschgo  (Foto: Archiv von Johannes Jetschgo)
„Wir nehmen heute immer an, wir stünden auf der Höhe der Zeit – und das ungeachtet aller europäischen Konflikte. Wenn wir aber in die Geschichte schauen, dann sehen wir, dass es bereits vor Jahrhunderten friedensstiftende Konzepte und Ideen gab, dass nationenüberschreitende Maßnahmen gesetzt und gelebt wurden, die wir heute in dieser Form noch gar nicht erreicht haben.“

Jetschgo verweist auch auf die europaweite Tätigkeit der Orden. So hätten etwa die Zisterzienser sogar jüdische Synagogen in Prag errichtet. Ihre Bauleute verfügten über ein gutes, weithin gefragtes Knowhow und leisteten auch wichtige Beiträge zur Bodenbewirtschaftung und Urbanisierung der Region.

„Die Mobilität der damaligen Eliten und ihre sprachliche Beweglichkeit waren wesentlich größer, als wir heute annehmen – ja so groß, dass wir uns heute wünschen würden, dass diese Beweglichkeit zumindest innerhalb Europas wieder zustande käme“, so Jetschgo.

Foto: Archiv Radio Prag
Sein Buch, das er gemeinsam mit dem tschechischen Fotografen Aleš Motejl gestaltet hat, ist eine historisch fundierte, reichhaltig bebilderte Liebeserklärung an einen Raum des kulturellen und wirtschaftlichen Austausches, der nun langsam wieder zusammenwächst:

„Ich wollte zeigen, dass wir heute vieles nicht mehr wissen, was in früheren Zeiten Allgemeingut war. Dass durch die Ereignisse des 20. Jahrhunderts sehr viel voneinander isoliert und verschüttet worden ist. Diesen Zusammenhalt der Region zwischen Bayern, Österreich und Südböhmen auch über historische Figuren und Familiengeschichten begreifbar zu machen, das ist das oberste Ziel des Buchs.“


„Im Zeichen der Rose“ von Johannes Jetschgo ist 2013 im Verlag Styria erschienen.