Im Zeichen des Handels: Vietnams Präsident in Prag

Президент Вьетнама Чыонг Тан Шанг и президент Чехии Милош Земан (Фото: ЧТК)

Vietnamesen bilden in Tschechien die drittgrößte Minderheit. Rund 60.000 leben hierzulande laut offiziellen Angaben. Nun ist der vietnamesische Präsident zu einem offiziellen Staatsbesuch in Prag.

Marcel Winter (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)
Es ist der erste Staatsbesuch eines vietnamesischen Präsidenten seit fast 60 Jahren. Damals war Ho Chi Minh in Prag. Aber auch aus weiteren Gründen gilt die Visite von Staatsoberhaupt Truong Tan Sang als ein besonderes Ereignis. Marcel Winter ist Vorsitzender der Tschechisch-Vietnamesischen Gesellschaft:

„Im Februar haben unsere beiden Länder 65 Jahre seit der Aufnahme gemeinsamer diplomatischer Beziehungen gefeiert. Aus diesem Anlass wird 2015 als Jahr der vietnamesischen Kultur in Tschechien begangen, mit vielen verschiedenen Veranstaltungen. Der Staatsbesuch ist für die Vietnamesen hierzulande ein großes Ereignis.“

Truong Tan Sang und Miloš Zeman (Foto: ČTK)
Truong Tan Sang wurde am Montag von seinem tschechischen Amtskollegen Miloš Zeman empfangen.

Im Mittelpunkt des dreitägigen Besuchs stehen die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder. Die Grundlagen entstanden in den 1950er Jahren zwischen der sozialistischen Tschechoslowakei und der damaligen Demokratischen Republik Vietnam. Heute ist vor allem die starke vietnamesische Minderheit in Tschechien der Motor der Handelsbeziehungen. Bisher, muss man sagen. Denn Vietnam ist auf dem Sprung, zum nächsten asiatischen Tiger zu werden – und die tschechische Handelsdiplomatie liegt bereits in Lauerstellung. Jan Mládek, tschechischer Industrie- und Handelsminister:

Jan Mládek (Foto: ČTK)
„In Vietnam arbeiten immer noch große Teile der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Doch das Land industrialisiert sich sehr massiv und hat hohe Wachstumsraten. Allein weil viele Bauern zu Industriearbeitern geworden sind und sich die Löhne, der Lebensstandard und das Bruttoinlandsprodukt erhöhen, besteht Nachfrage auch nach tschechischen Waren.“

Gefragt sind dabei vor allem Maschinen und Fahrzeuge „Czech made“. Tschechische Unternehmer tun sich aber weiterhin schwer auf dem vietnamesischen Markt. Das liegt auch daran, dass sie häufig auf die falschen Partner treffen. Dies berichtet Zdeněk Jindrák, der in der Hafenstadt Danang eine Fabrik für Kondensatoren betreibt:

Tschechisches Fabrik für Kondensatoren in Vientam (Foto: Robert Mikoláš, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Man unterliegt häufig der Bequemlichkeit, was allzu menschlich ist. Deswegen sind viele tschechische Firmen in Vietnam gescheitert. Sie hatten einen vietnamesischen Partner, der aber in die eigene Tasche gewirtschaftet hat, und die kann sehr groß sein. Man muss sich genügend Zeit nehmen, um die richtigen Leute zu finden, und nicht die Goldgräber, die in der ersten Reihe stehen.“

Eine Hürde bildet zudem die Bürokratie in dem sozialistischen Staat. Staatspräsident Truong Tan Sang versprach in Prag nun, die größten Hindernisse für ausländische Unternehmer zu beseitigen. Mit den Beziehungen zu Tschechien hat Hanoi Größeres im Sinn, wie der vietnamesische Präsident nach einem Gespräch mit Gastgeber Zeman andeutete:

Foto: creativedoxfoto, FreeDigitalPhotos.net
„Die Tschechische Republik unterstützt den Ausbau unserer Beziehungen zur Europäischen Union und die Unterschrift unter ein gemeinsames Handelsabkommen“, so Truong Tan Sang.

Angesichts der wirtschaftlichen Perspektiven bleibt jedoch ein Thema völlig im Hintergrund: Vietnam ist weiter ein Einparteienstaat mit einem hohen Maß an Korruption. Wer dies kritisiert, muss mit Schikanen rechnen oder landet sogar im Gefängnis. In den vergangenen Jahren betraf dies viele unabhängige Blogger in Vietnam, wie der Bericht von Human Rights Watch für 2014 zeigt.