Impressionen vom ersten Schultag in der Deutschen Schule Prag

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Die Deutsche Schule Prag hatte bislang den Ruf einer "Expertenschule". Besucht wurde sie überwiegend von Kindern ausländischer Eltern, die für eine zeitlang beruflich in Prag tätig waren und während dieser Zeit ihre Kinder auf einer Schule nach deutschem Modell wissen wollten. Mit Beginn des neuen Schuljahrs nun gibt es an der Schule erstmals sog. deutsch-tschechische Begegnungsklassen. Welche Idee dahinter steht, erklärte im Gespräch mit Radio Prag der Schulleiter der Deutschen Schule, Wolfgang v. Hinten.

"Die Idee hat für deutsche wie für tschechische Schüler einen eminenten Vorteil. Die Experten, die hier tätig sind, kommen nur dann, wenn sie eine deutsche Schule vorfinden, die von der Grundschule bis zum Abitur ausgebildet ist. Auf tschechischer Seite ist es von großer Bedeutung, dass wir hier eine Schule anbieten, die ab der 6. Klasse bis zum Abitur die deutsche Sprache als ein Grundelement des Unterrichts betrachtet. Es wird eine ganze Reihe an Fächern auf Deutsch unterrichtet, und auf diese Weise haben die Schüler die Möglichkeit, Deutsch in einer Form kennen zu lernen, wie es im normalen Fremdsprachenunterricht nicht möglich ist. Das gilt besonders dann, wenn deutsche und tschechische Schüler gemeinsam lernen. Andererseits gibt es die Möglichkeit für die deutschen Schüler, das Tschechische und das tschechische Umfeld besser kennen zu lernen, gleichzeitig aber auch das deutsch-tschechische Umfeld, die landeskundlichen, geographischen und literarischen Gegebenheiten..."

Vor Ort war am ersten Schultag unsere freie Mitarbeiterin Karin Schöne.

Es ist halb zehn. Die Schüler der Deutschen Schule in Prag haben die ersten Stunden des neuen Schuljahres hinter sich gebracht. Ab heute werden sie den Schulweg in das Gebäude auf die Skuteckeho Straße gemeinsam mit 26 tschechischen Schülern bestreiten. Was diese 26 heute den ersten Tag erwartete, sagte uns die Klassenlehrerin der 6B Frau Kotikova:

Also wir haben zwei Stunden zusammen gehabt. Wir haben zuerst über die Schule was erzählt, und über die Lehrer habe ich den Schülern etwas erzählt. Dann haben die Kinder die neuen Bücher bekommen, den Stundenplan. Es war vielleicht ein bißchen viel für die Kinder auf den ersten Tag, aber sie freuen sich schon.

Haben sie heute schon deutsch sprechen müssen?

Nein noch nicht. Aber den Stundenplan zum Beispiel haben die Kinder auf deutsch bekommen. Also wir haben schon ein bisschen deutsch gesprochen und die Kinder haben verstanden.

Gleich vor dem Klassenraum gegenüber traf ich Susann aus der Parallelklasse und fragte sie,wie sie die ersten zwei Stunden erlebt hat:

Wir haben mit unserem Klassenlehrer gesprochen und der hat uns erklärt, wie unser Stundenplan ist, dass wir bald mit der tschechischen Gruppe zusammen in ein Jugendlager fahren, um da tschechisch zu lernen, und dass wir eben mit denen zusammen Unterricht haben.

In zwei sechsten Klassen sollen die deutschen und tschechischen Schüler zunächst parallel unterrichtet werden. In den Fächern Musik, Sport und Kunsterziehung können sie jedoch schon dieses Jahr gemeinsam lernen. Da die beiden Klassenräume auf dem Gang einander gegenüberliegen, werden sie aber auch sonst die Möglichkeit haben, einander zu begegnen.

Wie gefällt nun den deutschen Schülern, dass sie künftigt auch in der Schule Kontakt zu Prager Gleichaltrigen haben werden?

Ganz gut, da lernen wir mehr tschechisch

Wie findest du die Idee, dass...? Ich finde sie gut die Idee.

Auch Petr und Kristina verraten mir, wenn auch vorläufig lieber noch auf tschechisch, dass sie sich auf die neue Schule und vor allem die Möglichkeit, bei den Klassenkamaraden deutsch zu lernen, freuen. Hoffen wir, dass es für sie alle ein ganz besonderes Schuljahr wird und entlassen wir sie in ihre wohlverdiente Pause.

Autor: Karin Schöne
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