Israelfreundlichkeit der Tschechen hat historische Wurzeln

Avigdor Lieberman (Foto: ČTK)

Am Montag ist der israelische Außenminister Avigdor Lieberman zu Besuch nach Tschechien gekommen. Die Beziehungen zwischen Tschechien und Israel sind seit mehreren Jahren sehr gut. Tschechien bemühte sich auch während seiner EU-Ratspräsidentschaft im vergangenen Jahr um engere Beziehungen zwischen der EU und Israel. Vorige Woche ließ Ex-Präsident Havel verlauten, er werde sich einer internationalen Kampagne zur Unterstützung von Israel anschließen. In deren Rahmen will sich Havel mit weiteren Persönlichkeiten dafür einsetzen, dass Israel in den europäischen Ländern besser verstanden wird, als dies bisher der Fall ist. Wo sind die Wurzeln der traditionell sehr freundschaftlichen tschechisch-israelischen Beziehungen zu suchen?

Avigdor Lieberman und Karel Schwarzenberg  (Foto: ČTK)
„Die Tschechische Republik ist das Israel-freundlichste Land auf der Welt“, dies sagte der ehemalige israelische Botschafter in Prag, Arie Arazi, während einer Versammlung gegen Antisemitismus vor einigen Jahren in Prag.

Die Wurzeln dieser judenfreundlichen Einstellung der Tschechen seien in der Ersten Republik zu finden, meint der Politikwissenschaftler und Publizist Jan Fingerland. Er befasst sich seit Jahren mit den tschechisch-israelischen Beziehungen. Im Unterschied zu vielen anderen Ländern waren die Juden seinen Worten zufolge seit dem 19. Jahrhundert in die tschechische Gesellschaft stark integriert. Sie wurden in der Tschechoslowakei als ein Bestandteil der tschechischen Kulturelite wahrgenommen, so Jan Fingerland:

„Die Juden gehören zum Mythos der Ersten Republik, der mit den Kreisen um den ersten Staatspräsidenten T. G. Masaryk verbunden ist. Jeder typische tschechische Intellektuelle ist bis heute ein Philosemit, was in Europa einzigartig ist. Der andere Grund der gegenüber Israel freundlichen Haltung der Tschechen ist die Teilnahme der Tschechoslowakei an der Entstehung Israels: einerseits engagierte sich damals die Tschechoslowakei auf diplomatischer Ebene. Der damalige Außenminister Jan Masaryk war ein typischer tschechischer Philosemit. Und zweitens wurde Israel Militärmaterial von der Tschechoslowakei geliefert.“

Jan Fingerland  (Foto: Vendula Kosíková,  www.rozhlas.cz)
Vor allem die mittlere und ältere Generation der Israelis weiß diese Hilfe bis heute noch zu schätzen. Wenn jemand in Israel sagt, dass er aus der Tschechien oder der Slowakei stammt, wird er stürmisch begrüßt, erzählt Jan Fingerland:

„Israel empfing es damals ähnlich wie die Tschechoslowaken Ende der 30er Jahre, die sich die Frage stellten: ´Wir sind allein, wir sind ein kleiner Staat, wer hilft uns? ´ Die Tschechoslowakei hatte Israel die Waffen vielleicht aus ein wenig egoistischen Gründen geliefert. Es ist sehr jedoch sehr wahrscheinlich, dass die Waffen den Krieg 1948 entschieden hatten. In Israel wird jedenfalls gesagt, diese Waffen haben uns gerettet.“

Einer der weiteren Gründe der judenfreundlichen Haltung der Tschechen ist in dem offiziell verkündeten kommunistischen Antisemitismus zu suchen. Zudem ging den Worten von Jan Fingerland zufolge die von oben eingeordnete Freundschaft mit allen Ländern der so genannten „fortschrittlichen“ Welt den Leuten nach den 40 Jahren Kommunismus schon ein wenig auf die Nerven, sodass sie sich nach der Wende von 1989 automatisch auf die Seite von Israel und nicht auf die Seite seiner Feinde stellten.

Die tschechische Außenpolitik orientiert sich seit 1989 auf sehr freundschaftliche Beziehungen mit Israel und bemüht sich, seit dem EU-Beitritt sich für Israel auch in Brüssel einzusetzen.