Jubiläum: Vor 80 Jahren wurde der Bau der St. Veit-Kathedrale beendet

Die St. Veit-Kathedrale auf der Prager Burg ist aus der Stadt-Silhouette nicht wegzudenken. Der Bau des monumentalen Doms wurde jedoch erst vor 80 Jahren beendet. Ein Jubiläum, das man nun begeht. In den letzten Jahren jedoch sorgt die Kathedrale oder eher gesagt der Streit um deren Besitzer für Schlagzeilen. Ganz frisch ist beim Verfassungsgericht eine Klage der katholischen Kirche auf dem Tisch gelandet. Beide Ereignisse, das Jubiläum und der Rechtsstreit, waren Anlass einer Veranstaltung im Erzbischöflichen Palais auf der Prager Burg. Christian Rühmkorf sprach mit Martina Schneibergová, die am Seminar teilgenommen hat.

Worum ging es genau?

„Es handelte sich um ein Seminar, das vom Prager Erzbistum unter dem Motto ´Symbol der Einheit wird zur Quelle des Streits´ initiiert wurde. Es nahmen daran Kunsthistoriker, Kirchenhistoriker sowie Juristen teil. Das Ziel war es, die historischen Bedingungen, unter denen die Kathedrale erbaut wurde zu beschreiben. Dokumentiert wurde die Baugeschichte der Kathedrale bis in das 20. Jahrhundert. Und nicht zuletzt hat man versucht, den sehr komplizierten Rechtsstreit und dessen Ursachen zu erläutern.“

Ganz aktuell hat die katholische Kirche das höchste Gericht, das Verfassungsgericht angerufen, nachdem im letzten Urteil des Obersten Gerichtshofes die Kathedrale dem Staat zugesprochen worden war. Martina, klär uns mal auf, wann der Streit begann und wie der aktuelle Stand ist?

„Es ist fast unmöglich, den Jahre lang dauernden Rechtsstreit mit ein paar Worten zu erklären. Die Kathedrale samt anderen Häusern, die zum Domkapitel gehören, wurde während der kommunistischen Zeit in den 50er Jahren verstaatlicht. Der Rechtsstreit konnte natürlich erste nach der Wende beginnen. 1992 klagte das Domkapitel mit einigen weiteren kirchlichen Institutionen den tschechischen Staat an. 2005 entschied das Bezirksgericht in Prag 1, dass der Sakralbau der Kirche gehört. Diese hatte den Veitsdom 2006 übernommen. Der Staat legte jedoch eine Berufung gegen die Entscheidung ein. Aufgrund eines Urteils des Obersten Gerichtshofs wurde die Kathedrale später wieder an den Staat übertragen. Dies geschah 2007. Die Kirche legte eine Berufung ein, diese wurde im März dieses Jahres zurückgewiesen. Nun hat das Domkapitel eine Verfassungsbeschwerde eingereicht. Darin wird daran erinnert, dass der Gerichtsprozess kein gerechter Prozess gewesen war. Denn das Domkapitel sowie Kardinal Vlk zweifeln an der Unabhängigkeit des Richters Ištvánek, da er vor 1989 Mitglied der kommunistischen Partei war. Die Kathedrale war zudem dem Staat unter anderem mit der Begründung zugesprochen, dass der Veitsdom dem tschechischen Volk gehört. Diese Formulierung wurde während des Seminars sowohl von den Historikern, als den Rechtsexperten in Frage gestellt, denn sie stamme eindeutig aus dem kommunistischen Vokabular und ist den Juristen zufolge sinnlos.

Kommen wir noch mal zu etwas Erfreulicherem – das Jubiläum. Wenn die Kathedrale erst vor 80 Jahren vollendet wurde, wann hat man mit dem Bau denn begonnen?

„Der Grundstein für die Kathedrale wurde 1344 gelegt. Wie es bei vielen gotischen Kathedralen der Fall ist, wurde sie eigentlich Jahrhunderte lang gebaut. Der Bau wurde erst 1929 beendet. Geweiht wurde der Dom vor genau 80 Jahren, am 12. Mai 1929.

Warum gerade an dem Tag? Hatte dies eine besondere Bedeutung?

„ Es war damals Sonntag, einige Tage vor dem Namenstag des heiligen Johann Nepomuk, der am 16. Mai gefeiert wird. Und damals sind gerade 200 Jahre seit der Heiligsprechung von Johann von Nepomuk vergangen. Sonst im Jahre 1929 gab es große Feierlichkeiten anlässlich des 1000. Todestags des heiligen Wenzel.“