Kampfansage gegen Fußballrowdys: Strengere Kontrollen, härtere Strafen

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Anstatt sich über rassige Fußballszenen aus dem Derby zwischen Slavia und Sparta Prag freuen zu können, mussten Augenzeugen und Fernsehzuschauer am 31. März miterleben, wie die so genannten Fans beider Clubs das Stadion wieder zu ihrer Krawallbühne machten. Statt Applaus ertönte ohrenbetäubender Lärm nach dem Zünden von Feuerwerkskörpern und Rauchbomben. Jetzt wollen der Fußballverband, die Clubs und einige Politiker endlich energischer gegen die ewigen Radaubrüder vorgehen.

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„Ihr habt keine rechtlichen Befugnisse, ihr seid ganz normale Bürger, nichts anderes. Wenn ihr aber seht, dass eine Straftat begangen wird, dann müsst ihr natürlich versuchen, sie zu unterbinden. Die Polizei hält sich nicht weit von euch im Gästesektor auf und wird eingreifen, wenn sie bemerkt, dass ihr Hilfe braucht, um eine verzwickte Situation zu meistern. Ihr als Ordnungskräfte habt jedoch keine Befugnis, gewaltsam gegen Randalierer vorzugehen.“

Mit diesen Worten wies Milan Krejčí, der Chef des Ordnungsdienstes beim Fußballclub FK Mladá Boleslav, seine Ordnungskräfte vor dem Punktspiel der Mittelböhmen gegen den FC Banik Ostrava ein. Sie sagen auch schon einiges über das Dilemma in den tschechischen Fußballstadien aus: Kommt es zu Krawallen, dann muss der Veranstalter mit Hilfe seiner Ordnungskräfte zwar sofort eingreifen, kann Randalierer aber nur mit vereinten Kräften aus dem Stadion entfernen, aber möglichst ohne Gewaltanwendung. Dafür sind die anwesenden Polizeieinheiten zuständig, die aber erst dann eingreifen, wenn es zwischen Ordnern und Fans zum Handgemenge kommen sollte. Eine Situation, die von gewaltbereiten Fans häufig ausgenutzt wird. Auch weil sie bislang kaum Folgen wie Stadienverbot, Geldbußen oder Haft zu befürchten hatten. Und da ein Polizeieinsatz im Fußballstadion auch mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist, hat Innenminister Ivan Langer im Rahmen seiner Polizeireform angekündigt, die Polizisten in Zukunft aus den Stadien abzuziehen und sie bei Bedarf nur in deren Umfeld einzusetzen. Eine Maßnahme, mit der Milan Krejčí ganz und gar nicht einverstanden ist:

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„Ich kann darüber nur müde lächeln. Ich halte das für nicht sehr gut. Es würde zu Schlägereien kommen, bei denen letzten Endes die Polizei ohnehin eingreifen müsste. Ich bin der Meinung, wenn wir für dieses Problem eine Legislative wie in England einführen würden, dann würden in den Stadion auch nicht so viele Polizisten vonnöten sein wie bisher und wir würden das Problem endlich in den Griff bekommen.“

Und mit strengeren Kontrollen bereits am Stadioneingang. Dass sie ihre Wirkung nicht verfehlen, hat sich der SK Slavia Prag selbst bewiesen, als er sie vor der Partie gegen Liberec durchführte. Clubsprecher Ondřej Zlámal bestätigte:

„Es waren wirklich gründlichere und strengere Kontrollen, die wir gemacht haben. Wir haben uns außerdem unsere Fans vorgeknöpft und ihnen ins Gewissen geredet. In ihrem Sektor haben wir auch einiges verändert. Ich habe den Fanblock in der zweiten Halbzeit besucht, und ich muss sagen: Sie haben die Mannschaft vorbildlich angefeuert, ein Konflikt hat nicht gedroht.“

Wegen der Ausschreitungen im Spiel gegen Sparta ist Slavia Prag jedoch bestraft worden und muss sein nächstes Heimspiel gegen den Stadtrivalen Viktoria Žižkov vor leeren Rängen austragen. Einige Politiker haben inzwischen zugesichert, auch bei der Gesetzgebung nachbessern zu wollen – damit Randalierer in Zukunft härter bestraft werden als es bisher üblich war.

Autor: Lothar Martin
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