„Karavan“ – Nach 30 Jahren wieder ein tschechischer Film im Wettbewerb von Cannes

Beim Filmfestival in Cannes läuft gerade auch ein tschechischer Film im Wettbewerb. „Karavan“ feierte dort am Donnerstag seine Weltpremiere.

Auch stille Momente gibt es in „Karavan“ – jenem Film, mit dem Tschechien gerade beim Filmfestival im französischen Cannes vertreten ist. Aňa Geislerová spielt darin die 45-jährige Ester, Mutter eines Sohnes mit Trisomie 21. Sie will dem Alltag entfliehen und macht sich mit David per Caravan auf den Weg quer durch Italien.

Foto: Masterfilm,  Státní fond audiovize

Die Arbeit von Regisseurin Zuzana Kirchnerová bewirbt sich aktuell in der Kategorie „Un Certain Regard“ (Ein gewisser Blick) um einen der begehrten Preise in Cannes. Es ist mehr als 30 Jahre her, dass mit „Faust“ von Jan Švankmajer zuletzt ein tschechischer Film im dortigen Wettbewerb lief. Jede Teilnahme bei einem sogenannten A-Festival sei für die hiesige Filmindustrie von großer Bedeutung, betont Helena Bezděk-Fraňková. Sie ist die Direktorin des Staatlichen Audiovisionsfonds in Tschechien und sagte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Ausgewählt wird aus Dutzenden, wenn nicht aus Hunderten Filmen. In die wirklich kleine Gruppe zu gelangen, die dann um den Preis kämpft, ist sehr schwierig und an sich ein Wunder. Hinzu kommt, dass es heute eine unglaubliche Menge au audiovisuellen Inhalten gibt – allein Tschechien produziert jedes Jahr bis zu 30 Spielfilme. Und darum ist es wirklich sehr wichtig, dass wir in Cannes so weit gekommen sind.“

Die diesjährige Präsentation sei an sich schon ein Erfolg, selbst wenn es keine Auszeichnung geben sollte, fügt Bezděk-Fraňková hinzu. Denn in Cannes gesehen werden, heißt in der Welt gesehen werden…

Helena Bezděk Fraňková | Foto:  Staatsfonds für Kinematografie

„Es macht auf die tschechischen Talente aufmerksam, auf tschechische Filmstoffe und Themen sowie auf die tschechische Kultur an sich. Endlich sind wir auf eine Ebene gelangt, auf der wir nicht mehr der arme, langweilige Verwandte aus dem Osten sind. Vielmehr werden wir nun Teil der westlichen Filmfamilie. Wir tragen Themen bei, die auch den Rest Europas interessieren.“

Regisseurin Zuzana Kirchnerová und die Karavan-Delegation bei der Vorführung in Cannes | Foto: Kateřina Srbková,  Radio Prague International

Zum Inhalt von „Karavan“ erläuterte Schauspielerin Aňa Geislerová:

„Der ganze Film handelt davon, dass man manche Dinge in bestimmten Momenten einfach hinter sich lassen will. Aber angesichts des Verlustes wird man sich dann bewusst, was man eigentlich alles hat, haben soll und haben will. Und das gilt auch für das Elterndasein.“

Delegation des Films Karavan bei der Vorführung in Cannes | Foto: Kateřina Srbková,  Radio Prague International

Im Wettbewerb von Cannes vertreten zu sein, könne den tschechischen Filmemachern weitere Türen für internationale Distributionen öffnen, unterstreicht Bezděk-Fraňková außerdem:

„Endlich zeigen wir unsere Inhalte und beweisen, dass wir Regie führen und schreiben können. Wir sind in der Lage, uns Geschichten auszudenken, die international verständlich sind. Dies ist wichtig, weil dadurch mehr Koproduktionen ermöglicht und die tschechischen Themen in mehr Ländern Europas und auch darüber hinaus gezeigt werden.“

Und das bringe natürlich auch Geld für die einheimische Industrie ein, ergänzt die Fondsdirektorin.

Ob sich „Karavan“ gegen seine 19 Mitbewerber in der Kategorie „Un Certain Regard“ durchsetzen kann, werden wir am Wochenende wissen. In Tschechien kommt der Film Ende August in die Kinos.

Delegation des Films Karavan bei der Vorführung in Cannes | Foto: Kateřina Srbková,  Radio Prague International
Autoren: Daniela Honigmann , Martin Hrnčíř | Quelle: Český rozhlas Plus
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