Kein Winter ohne vlňáky: Verein dokumentiert traditionelle Wollschals aus Südmähren
Wer an kalten Wintertagen draußen unterwegs ist, legt sich über die Jacke womöglich gern noch einen breiten Wollschal auf die Schultern. So wärmten sich früher jedenfalls die Landfrauen in Südmähren. Ihre traditionellen Schals hatten regional unterschiedliche Muster. Ein Heimatverein dokumentiert nun diese alten Stücke.
Die Region Podluží, gelegen zwischen Hodonín und Břeclav in Südmähren, ist ein sehr fruchtbares Fleckchen Erde. Dort gibt es große Auenwälder, bunt verzierte Weinkeller und eine lebendige Volkstradition. Für die Bewohnerinnen gehört dazu im Winter das Tragen von karierten Wolltüchern, im Volksmund vlňáky genannt. Denn „vlna“ ist das tschechische Wort für Wolle.
Hana Pijáková hält einen solches Schal in der Hand...
„Die Tücher wurden früher so getragen, dass sie einen Zipfel bildeten.“
Wichtig sei, fügt sie hinzu, dass das Tuch exakt gefaltet werde und sich die beiden Lagen auf dem Rücken decken.
Pijáková lebt im nahegelegenen Lednice, das historisch zur Region Podluží gehörte. Darum will ihr Verein NaKrojené Ledničanky (zu Deutsch etwa Frauen aus Lednice in Trachten) die Erinnerung an die lokalen Traditionen wachhalten. Vor etwa einem Jahr haben die Vereinsmitglieder damit begonnen, Informationen über die typischen Wolltücher zusammenzutragen. In ihrem Onlinearchiv finden sich bisher 106 unterschiedliche Exemplare. Die jeweilige Farbgebung des Karomusters, das den schottischen Kilts ähnelt, verweist auf die Verbindung zum Wohnort der Besitzerin. Zu rund 30 dieser Muster hätten die Hobbyforscherinnen bereits die frühere volkstümliche Bezeichnung herausgefunden, schildert Pijáková:
„Hier sehen wir zum Beispiel den Lebkuchenschal. Er wurde wegen seiner Farbe so genannt, die eben an das Gebäck erinnert. Ein anderes Exemplar war weit verbreitet, es heißt Felsenschal – weil es eine felsengraue Farbe hat.“
Der Verein aus Lednice konzentriert sich auf jene Wolltücher, die sich in den Familienbeständen der Region Podluží finden. In den weiteren Gegenden Südmährens seien nämlich andere Muster und Farben typisch, erläutert Vereinsmitglied Zuzana Martinková:
„In Richtung Haná trug man einfarbige Tücher, die eine etwas andere Struktur haben. Sie sind eher gestrickt – ganz ähnlich wie die Stücke aus der Gegend um Kyjov. Meine Oma kam von dort und sagte immer, ihr Schal sei wie eine Decke. Ich sollte ihn umlegen, wenn tiefster Winter war.“
Die Inspiration für ihre Recherche fanden die Vereinsfrauen im Dorf Dolní Bojanovice. Die dortigen Bewohner hatten schon vor 30 Jahren eine Sammlung von historischen Wolltüchern initiiert. Růžena Kašíková erinnert sich:
„Alles begann damit, dass ich ein Geschenk für meine Mutter suchte. Dabei stießen wir auf viele vlňáky, die die Frauen im Ort noch zu Hause hatten. Sie erzählten, welche Schals noch von ihren Müttern oder Großmüttern stammten. Wir erkannten, dass dies einen erstaunlichen Wert hat, der gezeigt und erhalten werden sollte.“
So gab es damals eine Ausstellung, in der rund 300 Wolltücher gezeigt wurden. Viele davon hätten die Bewohnerinnen jahrelang bei ihrer Arbeit in der örtlichen landwirtschaftlichen Genossenschaft getragen, berichtet Kašíková. Oder es habe auch besondere Stücke gegeben, die zu Begräbnissen angelegt wurden.
Nach der Ausstellung gingen die meisten Exponate wieder an ihre Besitzer zurück. Die Frauen von NaKrojené Ledničanky knüpfen nun an die damalige Initiative an und dokumentieren die Tücher elektronisch. Die Fotos und Beschreibungen einzelner Schals veröffentlicht der Verein auf seinem Facebook-Profil...
„Wir fanden, dass es schön wäre, das Wissen der Frauen aus Dolní Bojanovice irgendwo zu veröffentlichen“, sagt Hana Pijáková.
Die gezeigten Stücke sind meist zwischen 100 und 150 Jahre alt. Denn diese traditionellen mährischen Schals aus Merinoschafswolle werden heute nicht mehr hergestellt.














