Kirchendächer als Platz für Solaranlagen
50 Solarkirchendächer - so nennt die tschechische Orthodoxe Kirche ihr außergewöhnliches Programm zur Erweiterung erneuerbarer Energie. Die Inspiration zu dieser Idee kam aus Deutschland. Ob dadurch auch in Tschechien ein neuer Umwelttrend ausgelöst werden kann, dafür hat sich Jakub Siska interessiert.
Schon seit 1996 betreibt die tschechische Orthodoxe Kirche das Zentrum für erneuerbare Energie in Vilémov bei Olomouc (Olmütz). Interessenten finden dort verschiedene Arten der umweltverträglichen Energieerzeugung vor: Solarkollektoren zur Wassererwärmung und Beleuchtung, eine Heizung mit Biomasse und auch eine eigene Windkraftanlage. Etwa vor einem halben Jahr hat sich das Zentrum entschieden, seine Erfahrungen auch anderen kirchlichen Organisationen anzubieten, erklärt der stellvertretende Leiter Jan Hrbata:
"Unser Ziel ist es, den einzelnen Kirchengebäuden die Installation der Solaranlagen zu ermöglichen. Unseren Partnern stehen wir sowohl mit technischer Beratung, als auch mit der Vermittlung stattlicher Unterstützungen zur Seite. Wir konzentrieren uns vor allem auf die Einrichtungen zur Wassererwärmung, die bei richtiger Ausführung jährlich ca. 60% der Betriebskosten sparen können. Das lohnt sich besonders in Objekten mit großem Warmwasserbedarf, die Einrichtungen sind also vor allem für Altersheime zu empfehlen."
Zu dem Projekt haben sich schon mehr als 40 Organisationen aus verschiedenen Kirchen angemeldet. Alle Anträge werden zurzeit vom Staatlichen Umweltschutzfond beurteilt, der bis zu 50 Prozent der Einbaukosten tragen kann. Die Zahl der Teilnehmer ist nicht beschränkt. Die Orthodoxe Akademie legt Wert darauf, dass es sich um ein ökumenisches Projekt handelt:
"In der ersten Phase haben wir fast alle Kirchen angesprochen. Einige von ihnen melden sich früher, einige später. Bei der katholischen Kirche liegt das Problem darin, dass ihre Gebäude meistens sehr alt und groß sind. Wenn z.B. ein solches Pfarramt nur von einem Mann bewohnt wird, dann lohnt sich eine Solaranlage nicht. Interesse gibt es aber auch von dieser Seite."Das tschechische Projekt der Solarkirchendächer lässt sich von den deutschen Erfahrungen inspirieren. Die Kirchen haben dort mit der Nutzung der Solarenergie schon vor 10 Jahren begonnen, sagt Hans Tiefenbacher, Umweltberater der Evangelischen Kirche in Deutschland:
"Dass es sich so verbreitet hat, ist der Förderinitiative der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zu verdanken, die ein großes Förderprogramm zur Solarenergie in Kirchen aufgelegt hat. Und in diesem Zusammenhang haben wir dann diese Breitenbewegung hinbekommen. In manchen Orten haben sich die Kirchengemeinden auch sehr viel ausgedacht. Sie haben ein kleines Fest zur Einweihung der Solarenergieanlage veranstaltet, oder Sie haben Schulen eingeladen, diese zu besichtigen. Und vor allem darf man nicht vergessen: Bei jeder dieser kirchlichen Solaranlagen ist öffentlich sichtbar eine große Tafel angebracht. Auf der kann man ablesen, wie viel Strom im Moment produziert wird und wie viel in diesem Jahr bereits produziert wurde. So wird man immer damit konfrontiert, dass oben auf dem Dach zukunftsfähige Energie erzeugt wird.
Das Tschechische Parlament hat vor kurzem ein neues Gesetz verabschiedet, das laut Ökologen eine massive Verbreitung der erneuerbaren Energie ermöglichen sollte. Davon wird natürlich auch das Projekt der Kirchendächer profitieren.







