Klonen oder nicht klonen?

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Eine sensationelle Nachricht ging am vergangenen Sonntag um die Welt: Mitarbeiter der US-amerikanischen Firma Advanced Cell Technology gaben kund,als erste einen menschlichen Embryo geklont zu haben. Ein paar Tage später sah alles anders aus. Es war kein Durchbruch, darin ist die wissenschaftliche Welt, einschließlich der erwähnten Firma, sich einig. Über das Experiment, das weltweit großes Aufsehen erregte und schließlich mit einem Fiasko endete, doch nicht nur darüber, unterhielt sich Jitka Mladkova mit Dipl.Ing. Josef Fulka, einem auf dem Gebiet des Klonens recht bewanderten tschechischen Wissenschaftler.

Das Wort "Klonen" hat Josef Fulka aus dem Forschungsinstitut für Tierproduktion in Prag-Uhrineves nicht gern. Dies trotz der Tatsache, dass er als Wissenschaftler selbst in diese Fachproblematik involviert ist, und zwar als Mitglied eines internationalen Teams, das sich auf Sardinien mit dem Klonen von Tieren beschäftigt. Im Oktober diesen Jahres publizierte das Team ein Resultat der Gemeinschaftsforschung - die Schaffung des ersten interspezifischen Klons. Für die Laien, zu denen ich mich auch zählen muss, eine Erläuterung: Man habe Eier von einem Schaf genommen und in diese Zellkerne von Mufflons implantiert. Die letzteren - das ist auch interessant - wurden toten Tieren entnommen, und daraus entstand dann ein gesundes Tier, das vor kurzem seinen ersten Geburtstag feierte. Zahlreiche Vertreter verschiedener Tierarten verschwinden zunehmend von der Erdoberfläche, sagte mir Herr Fulka, und solche Experimente seien dazu da, dieser negativen Entwicklung sozusagen die Stirn zu bieten. Nun wie sieht er das jüngste amerikanische Experiment mit menschlichen Zellen, das weltweit Furore machte?

"Ich halte es für verfrüht, überflüssig, auf keinen Fall war es ein Durchbruch und ebenfalls war es kein erstes derartiges Experiment. Ein solches wurde bereits vor etwa zwei Jahren in Südkorea durchgeführt und hat scharfe Kritik ausgelöst. Man sollte diesbezüglich keinen Unterschied zwischen Koreanern und Amerikanern machen."

Es sei auch kein Durchbruch gewesen, da gängige Technologien wie bei Tieren angewandt würden. Darüber hinaus verfügten zahlreiche Kliniken über menschliche Zellen, die bei künstlicher Zeugung von Retortenbabys übrigbleiben und für solche Experimente verwendet werden könnten. Die Amerikaner hätten zuletzt die Eizellen von Frauen gegen Bezahlung erworben, und sei nicht ethisch. Obendrein sei alles mit einem Fiasko ausgegangen. Josef Fulka schlussfolgert daraus:

"Kurzum, ich bin der Meinung, dass man in diesem Bereich höchst seriös vorgehen muss. Man sollte keine Experimente machen, deren Ziel lediglich eine Sensation, eine Show oder aber vielleicht auch die Erhöhung der Aktienpreise der jeweiligen Firma ist."

Josef Fulka schließt nicht aus, dass die wissenschaftliche Forschung im Bereich des sogenannten therapeutischen Klonens, bei dem Stammzellen für die Schaffung neuen Gewebes genutzt werden, im Zeithorizont von ca. 10 Jahren so weit fortgeschritten ist, um vielen Patienten helfen zu können. Und der geklonte Mensch?:

"Ich persönlich sage: Menschen klonen möchte ich nicht, ich glaube aber, dass man eines Tages den Menschen klonen wird."