Komponist Jirásek und seine „Käferchen“

,Broučci‘  (Foto: Martina Root, DJKT)

Jan Jirásek ist ein international anerkannter tschechischer Komponist und Musikpädagoge. Seine Werke werden auch im Ausland herausgegeben und gespielt. Die Öffentlichkeit kennt ihn allerdings eher wegen seiner Filmmusik. Zweimal wurde er mit dem tschechischen Filmpreis Český lev ausgezeichnet. Am Sonntag wurde beim Musiktheater-Festival „Opera“ in Prag Jiráseks Oper „Broučci“ (Käferchen) aufgeführt. Das Opus hatte im Herbst vergangenen Jahres in Plzeň / Pilsen seine Weltpremiere.

,Broučci‘  (Foto: Martina Root, DJKT)

Jan Jirásek schreibt Orchesterkompositionen sowie Werke für Kammerensembles und Chöre. Das Pilsener Josef-Kajetán-Tyl-Theater hat den Komponisten vor etwa zwei Jahren beauftragt, eine Oper speziell für das dortige Ensemble zu schreiben. Der Komponist:

Jan Jirásek (Foto: Jan Jirásek)
„Ich konnte unter einigen vorgeschlagenen Themen wählen. Eines davon war der Roman Žítkovské bohyně (Deutsch: ‚Das Vermächtnis der Göttinnen‘, Anm. d. Red.) von Kateřina Tučková, ein anderes war das Märchenbuch ‚Fimfarum‘ von Jan Werich. Ich habe mich nach einem längeren Überlegen aber für ,Broučci‘ entschieden.“

Jan Jirásek meint damit das Kinderbuch „Broučci“ (Käferchen) von Jan Karafiát. Es wurde 1876 erstmals herausgegeben, seitdem ist es noch viele weitere Mal aufgelegt und auch in Fremdsprachen übersetzt worden. Der Schriftsteller selbst hat es damals auch schon ins Deutsche übertragen.

Die Handlung dreht sich um einen kleinen Leuchtkäfer, der Eigenschaften eines Kindes hat. Dabei wird sein Leben unter anderen Insekten und sein Erwachsenwerden geschildert. Es ist eine Allegorie auf das menschliche Leben, die für Kinder verständlich ist. Der Leuchtkäfer erlebt auch traurige Ereignisse in seiner Umgebung. Dazu der 65-jährige Komponist:

Unter anderem geht es um die Frage, was der Tod bedeutet. Auch wenn dies nicht das Hauptthema ist, ist die Vorlage doch speziell.

„Unter anderem geht es um die Frage, was der Tod bedeutet. Auch wenn dies nicht das Hauptthema ist, ist die Vorlage doch speziell. Eine Oper sollte beispielsweise mit einem Siegerakkord in C-Dur enden. Wir wissen aber nicht, ob die Käferchen am Ende nur einschlafen oder aber den Winter nicht überleben. Dies musikalisch zum Ausdruck zu bringen, das war eine große Herausforderung.“

Die Regie hatte der Pilsner Operndirektor Tomáš Ondřej Pilař. Das Libretto stellte Tomáš Jarkovský zusammen, er bezog sich dabei auf Karafiáts Kinderbuch. Jarkovský leitet das renommierte Marionettentheater „Drak“ in Hradec Králové / Königgrätz. Jan Jirásek dazu:

,Broučci‘  (Foto: Martina Root, DJKT)
„Es ist interessant, dass der Regisseur sowie der Librettist recht jung sind. Sie sind eigentlich beide zusammen genauso alt wie ich. Ich war neugierig auf die Zusammenarbeit, ob es keine Generationsunterschiede oder Widersprüche geben wird. Aber wir haben uns so gut verstanden, dass die Zusammenarbeit völlig reibungslos verlief.“

Bevor man eine Oper schreibt, sollte laut Jirásek bereits ein Libretto vorliegen. Als Nächstes komponiere er einige sozusagen musikalische Pfeiler oder Fundamente.

„Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Orchesterkompositionen oder gesungene Partien handelt. Im Fall dieser Oper gibt es beispielsweise zwei lustige Hochzeiten. Diese Fundamente habe ich zuerst geschrieben. Anschließend habe ich sie mit der Gesamthandlung verflochten.“

Im Fall dieser Oper gibt es beispielsweise zwei lustige Hochzeiten. Diese Fundamente habe ich zuerst geschrieben.

Ein Jahr lang hat der Komponist zusammen mit Tomáš Jarkovský an der Oper gearbeitet. Der Librettist sei sehr geduldig und flexibel gewesen, merkt Jirásek an. Das Theater aus Pilsen empfiehlt „Broučci“ als eine Oper für die ganze Familie. Jan Jirásek findet zudem, dass sie sich auch für diejenigen eignet, die überhaupt zum ersten Mal in die Oper gehen.

„Ich würde sagen, dass die Musik sehr an Filmmusik erinnert. Sie ist gut zu verstehen. Das Stück ist voller Bilder. Die Solisten sowie die Chöre sind hervorragend. Es gibt viel Action auf der Bühne, immer passiert dort etwas.“

Das Kinderbuch „Broučci“ war schon früher Vorlage für zwei Opern und ein Ballett. Das Werk wurde zudem mehrmals als Theaterstück bearbeitet. Jan Jirásek hat keines davon gesehen. Nachdem er sich für dieses Thema entschieden hatte, wollte er auch durch keine andere Inszenierung mehr beeinflusst werden. Was verbirgt sich hinter der Geschichte der Leuchtkäfer?

,Broučci‘  (Foto: Martina Root, DJKT)
„Das Buch enthält zwei Schichten: Einerseits wird das Erwachsenenwerden des kleinen Leuchtkäfers geschildert, der ein problematischer Teenager war. Andererseits geht es dort darum, wie die Leuchtkäfer den Winter überleben, der für sie kritisch ist. Es wird dort gefragt, was der Tod bedeutet – ob er eine Bedrohung darstellt oder den Übergang in eine andere Dimension bedeutet. Für den Schluss habe ich elektronische Musik komponiert. Aber jeder kann es deuten, wie er will.“

Auf der Bühne sind mehr als 150 Mitwirkende. Neben Erwachsenen spielen auch Kinder eine wichtige Rolle. Zudem treten ein großer Chor, ein Kinderchor sowie die Mitglieder des Ballettensembles auf.

„An einigen Stellen gibt es etwas ungewöhnliche Musikabschnitte für die Kinderdarsteller. Da ich aber schon früher Musik für Sänger im Kindesalter geschrieben habe, weiß ich, was sie bewältigen können. Bei einer Oper muss es nur gut einstudiert werden. Ich muss sagen, wir haben wirklich glänzende Kindersolisten gefunden. Ich war sehr angenehm überrascht.“

Die Oper „Käferchen“ war in letzter Zeit nicht das einzige Werk des Komponisten für Kinder. Vor kurzem schrieb Jan Jirásek auch die Musik für den zweiten Teil des Märchenfilms Perinbaba (Frau Holle II) von Juraj Jakubisko.

Die Oper „Broučci“ von Jan Jirásek wird in dieser Spielzeit im Josef-Kajetán-Tyl-Theater in Pilsen noch acht Mal aufgeführt. Die nächste Vorstellung findet am 16. Januar statt. Im Theater gibt es tschechische und deutsche Übertitel.