Kulturminister Dostal wirft Medien tendenzielle Berichterstattung über tschechisch-deutsche Beziehungen vor und kündigt Herausgabe eines Buches über Vertreibung der Sudetendeutschen an

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Der tschechische Kulturminister Pavel Dostál hat den Medien des Landes vorgeworfen, zu tendenziell über die "sudetendeutsche Frage" zu berichten und dabei die "tschechischen Interessen" nicht genügend zu verteidigen. Vertreter der Medien wiesen die Vorwürfe entschieden zurück. Silja Schultheis berichtet.

Das ein bedeutender Teil der Zeitungen hierzulande von deutschen Verlagshäusern herausgegeben wird, wirkt sich nach Meinung von Kulturminister Pavel Dostal auch auf die Berichterstattung über tschechisch-deutsche Themen aus - ein harter Vorwurf, den die Chefredakteure der auflagenstärksten Tageszeitung "Mlada fronta dnes" und der Zeitung "Lidove noviny" postwendend zurückwiesen. Beide Blätter gehören der Rheinisch-Bergischen Verlagsgesellschaft an. Aber auch die Sprecher des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sowie des Fernsehens verwahrten sich gegen Dostals Vorwürfe. Der Rundfunk sei nicht da, um nationale Interessen zu verteidigen, sondern um über das Weltgeschehen zu berichten, sagte ein Sprecher.

Die Prager Regierung jedoch gibt auf derlei Erklärungen nicht viel und kam ihnen mit einem Vorschlag zuvor, der in den vergangenen Tagen hierzulande für Aufsehen sorgte - in den erneut unter Beschuss geratenen Medien zumindest. Kulturminister Dostal kündigte nämlich an, die Regierung werde selbst ein Buch über die Vertreibung der Sudetendeutschen herausgeben, das in einer Auflage von 40 000 Stück erscheinen und gratis an die Tschechen abgegeben werden sollen. Autoren sollen u.a. der renommierte Historiker Jan Kren sein.

Nach Meinung des Politologen Rudolf Kucera entspricht der erneute Vorwurf der Regierung gegenüber den Medien des Landes einer Haltung, die nicht der Realität entspricht, aus kommunistischen Zeiten stammt und in der tschechischen Gesellschaft zu seinem Bedauern ziemlich verbreitet ist.

Vor welchem Hintergrund der Vorschlag von Kulturminister Dostal seiner Meinung nach entstanden ist, erklärte Kucera im Gespräch mit Radio Prag:

"Ich denke, die Regierung lebt heute in einer ziemlich hysterischen Atmosphäre. Minister Rychetsky sprach sogar von einer Atmosphäre wie vor dem Münchener Abkommen von 1938. Das ist eine Hysterie, die einfach unfähig ist, mit den Problemen, die wir haben - sei es mit unseren Nachbarn oder mit der Europäischen Union - auf demokratische und rationale Weise umzugehen. Das heißt, eine offene Diskussion über diese Dinge zu führen und auch politisch darüber zu verhandeln. Sie fürchten diese Diskussion in den Medien und wollen bestimmte Stimmen einfach zum Verstummen bringen."

Und wie beurteilt Kucera selbst die Berichterstattung der Medien über die tschechisch-deutschen Beziehungen?

"Es hat sich hier ein ziemlich breites Meinungsspektrum herausgebildet, und ich bin froh, dass so etwas in der Tschechischen Republik existiert. Und genau deshalb verurteile ich die Versuche, dieses Meinungsspektrum zu liquidieren."

Soweit der Politologe Rudolf Kucera, der nur einer von vielen ist, die sich in den vergangenen Tagen zu dem Thema geäußert haben. Und auch wir werden selbstverständlich weiter für Sie über die gegenwärtige Debatte um die tschechisch-deutschen Beziehungen berichten.