Kvitová steht als erste Tschechin seit 1998 im Halbfinale von Wimbledon

Petra Kvitová (Foto: ČTK)

Neben der Fußball-WM in Südafrika sorgt derzeit noch ein Sportevent für sportliche Schlagzeilen: das Grand-Slam-Tennisturnier in Wimbledon. Dazu beigetragen haben auch einige tschechische Teilnehmer, die zum Teil schon für Furore sorgten.

Petra Kvitová  (Foto: ČTK)
Bei den diesjährigen All England Championships schlagen sich die tschechischen Tennisspielerinnen und -spieler so gut wie lange nicht. In den Achtelfinals der Einzelwettbewerbe waren sie gleich zu Dritt vertreten, und davon wiederum als Duett in der Damenkonkurrenz. Doch während Klára Zakopalová ihre vermeintlich leichtere Aufgabe gegen die Estin Kaia Kanepi nicht erfolgreich meistern konnte, machte Petra Kvitová ein Riesenmatch. In der Begegnung mit der an Nummer drei gesetzten Dänin Caroline Wozniacki ließ sie ihrer erstaunten Gegnerin nie den Hauch einer Chance und fegte die Weltranglisten-Vierte in nur 46 Minuten mit 6:2 und 6:0 vom Rasen in Wimbledon. Ihren Triumph wollte sie jedoch anschließend nicht überbewerten:

Petra Kvitová  (Foto: ČTK)
„Ich habe von Anfang an Druck gemacht, und das hat Caroline gar nicht geschmeckt. Sie wusste oft nicht, was sie spielen sollte. Ob dies das wichtigste Spiel meiner bisherigen Karriere war? Ich weiß nicht: Ich bin unter den besten Acht von Wimbledon, aber das muss es ja noch nicht gewesen sein.“

Und Petra Kvitová sollte Recht behalten. In der Runde der letzten Acht stand ihr nämlich mit der Estin Kanepi eine Kontrahentin gegenüber, für die das Viertelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier ebenso Neuland war wie für die 20-jährige Blondine aus dem mährischen Fulnek. Entsprechend abwechslungsreich, nervös und spannend verlief das Newcomer-Duell. Am Ende behielt die athletischere und kampfstärkere Kvitová mit 4:6, 7:6 und 8:6 die Oberhand. Und auch mental war Kvitová besser drauf als ihre Kontrahentin:

„Das war heute bestimmt mein Vorteil. Ich habe auch ein wenig damit gerechnet, denn vor dem Spiel sagte ich mir: bei Kaia kann alles passieren. Sicher gab es dann auch Momente im Spiel, in denen sie hervorragend gespielt hat. Dann kam ich in die Situation, dass ich mir etwas überlegen musste, und so habe ich auch mehrfach bewusst defensiv gespielt“.

Nun hat sie mit dem Einzug ins Halbfinale ihren tatsächlich bisher größten Erfolg verbucht. Dort aber wartet auf sie keine Geringere als Titelverteidigerin Serena Williams aus den USA. Bangemachen aber gilt nicht, zumal Kvitová nach zwölf Jahren wieder die erste Tschechin ist, die unter die Top Four von Wimbledon gekommen ist. Und warum sollte jetzt schon Schluss sein? Landsfrau Jana Novotná war ja 1998 auch nicht zu stoppen – sie hat das bedeutendste Rasenturnier der Welt als vorerst letzte Tschechin gewonnen.

Tomáš Berdych  (Foto: ČTK)
Von einem solchen Erfolg träumt auch Tomáš Berdych, der derzeit Beste unter den tschechischen Tennisherren. Vor gut einem Monat hat er bei den French Open in Paris erstmals das Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier erreicht. Jetzt steht der 24-Jährige auch in Wimbledon vor diesem Sprung. Voraussetzung dafür war sein Sieg im Achtelfinale über den Deutschen Daniel Brands. Den bezwang Berdych allerdings erst nach hartem Kampf in vier Sätzen mit 4:6, 7:6, 7:5 und 6:3. Danach resümierte er:

Roger Federer  (Foto: ČTK)
„Zu Beginn des Spieles sah es für mich wirklich nicht gut aus. Ich fühlte mich sehr müde, so dass ich im ersten Satz auch nicht sonderlich konzentriert war. Danach aber habe ich mich in die Partie gekämpft. Zwar sah es auch im dritten Satz für mich zuerst nicht günstig aus, doch ich habe den Rückstand noch mehr als wettgemacht. Danach habe ich das Match siegreich zu Ende gebracht.“

Im Viertelfinale aber steht nun auch Berdych ein harter Brocken gegenüber – der Schweizer Roger Federer. Von zehn Duellen hat Berdych erst zwei gegen den weltbesten Rasenspieler gewonnen. Allerdings noch nicht bei einem Grand-Slam-Turnier. Aber irgendwann ist immer das erste Mal - und am Mittwoch war es dann soweit: Berdych bezwang Federer in vier Sätzen mit 6:4, 3:6, 6:1 und 6:4!


Trikick-Premiere in Kirschau soll eine Fortsetzung erfahren

Modell des Trikick-Spielplatzes  (Foto: www.pixilla.de)
Vor zwei Wochen haben wir Sie an dieser Stelle darüber informiert, dass im ostsächsischen Kirschau ein Drei-Länder-Turnier in einer neuen, dem Fußball verwandten Sportart stattfindet. Und zwar im Trikick, einem Spiel, bei dem drei Mannschaften gleichzeitig einem Ball nachjagen und diesen so oft wie möglich in einem der beiden gegnerischen Tore unterbringen müssen. Damit alle Teams dazu die gleiche Möglichkeit besitzen, wurde in Kirschau ein Fußballfeld geschaffen, das einem gleichschenkeligen Y ähnelt. Von einem gemeinsamen Mittelkreis mit Anstoßpunkt konnte der Ball folglich in drei verschiedene Richtungen getrieben werden.

Trikick in Kirschau  (Foto: www.pixilla.de)
Und wem ist das am besten gelungen? In der ersten Begegnung standen sich die Mannschaften Gminy Podgórzyn aus Polen, Miasta Špindlerův Mlýn aus Tschechien und SV Großpostwitz-Kirschau aus Deutschland gegenüber. Das gastgebende Team aus Kirschau hatte am besten begriffen, wie man bei diesem noch ungewöhnlichen Spiel zu Toren und damit zum Erfolg kommt. Nach dem Match sprach ich mit dem Torjäger der Deutschen, Antonio Töppel:

Was hat deiner Meinung nach den Ausschlag gegeben, dass ihr besser ward als eure Gegner?

Deutsche Mannschaft  (Foto: www.pixilla.de)
„Spielerisch waren wir den anderen Teams wohl schon etwas überlegen gewesen. Und auch die Chancenauswertung war bei uns um einiges besser.“

Ist Trikick ausbaufähig bis hin zu einer eigenständigen Sportart oder ist es lediglich eine Abwechslung zum normalen Fußball?

„Es ist eigentlich nur eine schöne Abwechslung. Man kann solch ein Turnier durchaus wiederholen, doch Trikick in Wettkampfform im Rahmen einer Liga auszutragen, das wird nichts.“

Petr Kupka vom drittplazierten Team aus Spindlermühle sah es ähnlich:

„Es war eine Gaudi, aber von großem Fußball konnte nicht die Rede sein.“

Trikick-Fans  (Foto: www.pixilla.de)
Nach dem Anschauungsunterricht im ersten Spiel machte es die tschechische Vertretung, die zum Hauptspiel antrat, in der zweiten Partie besser. Die Landkreisauswahl Liberec dominierte die Begegnung nach Belieben und ließ ihren Kontrahenten, der deutschen Landkreisauswahl Bautzen und der polnischen Landkreisauswahl Jelenia Góra keine Chance. Spielertrainer Jiří Tymich konnte dem Trikick-Ausflug zudem noch einen positiven Aspekt abgewinnen:

„Ein interessantes Spiel, das sich gut im Training nutzen lässt. Es verlangt eine kreative Spielgestaltung, individuelle Fähigkeiten, gutes Defensivverhalten im Spiel Mann gegen Mann. Deshalb werden wir es in unser Training einbauen.“

Das Trikick-Turnier in Kirschau war also für alle Teilnehmer eine willkommene Bereicherung, die Riesenspaß gemacht hat. Nur das eine Mal? Sven Gabriel, der Bürgermeister von Kirschau und Mitinitiator des Turniers, weiß es besser:

„Ich bleibe die der Aussage: Der Ball ist ins Rollen gekommen! Wir haben das heute hier beim dem Turnier gesehen, und ich bin der Meinung, dass man Trikick mit Hilfe von entsprechenden Unternehmen und Gemeinden auch in unse5rer Grenzregion etablieren kann.“

Es wird also eine Fortsetzung dieses Turniers geben, oder?

„Es wird auf jeden Fall eine Fortsetzung dieses Turnier geben. Wir haben zudem schon einen Aufruf gestartet unter dem Motto: ´Die Vision – Kirschau und Trikick´. Das ist das Thema, was uns bestimmt zukünftig beschäftigen wird.“

Autor: Lothar Martin
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