Lebenslange Haft für Alkohol-Panscher

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Vor anderthalb Jahren begann in Tschechien der Skandal um die Vergiftung von Dutzenden Menschen mit gepanschtem Alkohol. Am Mittwoch wurden nun sehr hohe Strafen gegen zehn Täter verhängt. Zwei Männer müssen lebenslang in Haft. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, die Verurteilten können noch in Berufung gehen.

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Am Kreisgericht im mährischen Zlín sind am Mittwoch die Urteile im Prozess wegen gepanschter Spirituosen gefallen. Zehn Verdächtige mussten sich in diesem Verfahren dafür verantworten, Schnaps mit billigem Methanol geschnitten zu haben. Bisher hat dies knapp 50 Menschen das Leben gekostet. Zwei Schlüsselfiguren der Affäre erhielten wegen Gefährdung der Allgemeinheit sogar die höchste Strafe, die das tschechische Recht vorsieht.

„Die Angeklagten Tomáš Křepela und Rudolf Fian werden zur lebenslänger Haftstrafe verurteilt.“

Jiří Vacula (Mitte) und Rudolf Fian (rechts). Foto: ČTK
Nach Überzeugung des Richters waren Křepela und Fian die Urheber des gefährlichen Gemischs aus Alkohol und Methanol. Laut Gericht hätten sie wissen müssen, dass ihre Tat tödliche Folgen haben würde. Die beiden Panscher bestreiten jedoch ihre Schuld. Sie bezeichnen den Händler Jiří Vacula als die Schlüsselfigur der Affäre. Dieser hatte bei den Ermittlungen als Kronzeuge mit der Polizei zusammengearbeitet und sich bei allen Geschädigten entschuldigt. Er erhielt eine Strafe von sechzehn Jahren Freiheitsentzug.

Der Richter ist mit dem Strafmaß in einigen Fällen sogar über den Vorschlag der Anklage hinausgegangen. So verhängte er eine Haftstrafe von 21 Jahren gegen Viktor Koláček. Er soll den gepanschten Alkohol noch nach dem Bekanntwerden der ersten Todesfälle weiter verkauft haben. Weitere Beteiligte am Handel müssen zwischen drei und sechzehn Jahren ins Gefängnis. Zudem wurden sie zu Entschädigungszahlungen in Höhe von mehreren Millionen Kronen an Kliniken, Versicherungen und Hinterbliebene verurteilt.

Roman Kafka (Foto: ČT24)
Staatsanwalt Roman Kafka hat die Anklage vertreten. Er hatte die lebenslange Haft für die beiden Haupttäter gefordert:

„Es war ein schweres Dilemma. Ich musste viele Aspekte in Bezug auf die Straftätigkeit und die betroffenen Personen berücksichtigen. Ich bin aber zu einem eindeutigen Schluss gekommen, und dem hat sich auch das Gericht angeschlossen.“

Nach dem Urteilsspruch sagte der Staatsanwalt:

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks
„Das harte Urteil ist eine nachdrückliche Warnung an weitere Versuche, solche Experimente an Menschen durchzuführen, und das sowohl bei Alkohol als auch bei anderen Artikeln, wie zum Beispiel bei Medikamenten. Meiner Meinung nach werden die Strafen grundlegende Folgen für das Denken vergleichbarer Händler haben.“

Die sogenannte „Methanol-Affäre“ begann im September 2012. Damals war ein erster Mann nach dem Genuss des gepanschten Gebräus in Havířov verstorben. Die Ärzte der dortigen Klinik erkannten anhand der Krankheitszeichen, die bis dahin wenig bekannt waren, dass es sich um eine Methanol-Vergiftung gehandelt hatte. Der stellvertretende Klinikdirektor Jaroslav Lux beschrieb damals die Situation:

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„Die Patienten wurden künstlich beatmet. Ihr Gesundheitszustand ist wirklich sehr ernst, es treten Bewusstseinsstörungen auf. Die Prognose ist sehr schlecht.“

An den Folgen der Vergiftung starben später fast 50 Menschen. Die höchste Zahl von Opfern gab es in der Region um Ostrau. Über 70 weitere Personen erblindeten oder erlitten andere Gesundheitsschäden. Die Regierung in Prag verbot damals vorübergehend den Schnapsverkauf in Geschäften und Gaststätten, um die Gefahr einzudämmen. Nach der Affäre hat der Staat eine stärkere Aufsicht über die Produktion und den Verkauf von Spirituosen eingeführt.