Leoš Janáček: Sägentanz

Quelle: Telefunken
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Die musikalische Heimat von Leoš Janáček liegt ganz im Nordosten Tschechiens – und daher stammt auch der Sägentanz als bekanntester der Lachischen Tänze.

Hukvaldy

Natürlich hat sich Janáček bei den Lachischen Tänzen von den Liedern und Musikstücken seiner Heimat inspirieren lassen. Aber das war nicht alles. Denn beim Schreiben der Noten konnte er auch nicht unbeachtet lassen, dass die Musik eine Auftragsarbeit war zur Landes-Jubiläumsausstellung in Prag 1891, also dem wohl größten Ereignis in den Böhmischen Ländern zu Ende des 19. Jahrhunderts. Außerdem standen ihm die Erinnerungen an die Natur seiner Kindheit Pate und auch sein Geburtsort Hukvaldy.

Quelle: Supraphon

Dazu kam der Einfluss seines großen Vorbildes Antonín Dvořák und dessen Werks. Doch bestehen zahlreiche Unterschiede zwischen Dvořáks Slawischen Tänzen und den Lachischen Tänzen. Janáček geht es mehr um den ethnografischen Aspekt, als um die Stilisierung. Obwohl auch sein Stil sehr eigentümlich ist wie im Übrigen sein ganzes Werk.

Außerdem pante Janáček – anders als Dvořák – von Anfang an ein Orchesterwerk. 1888/89 schrieb er die erste Fassung der Lachischen Tänze für ein kleines Orchester. Der Komponist war damals 34 Jahre alt und an einem Wendepunkt in seinem Schaffen. Das spiegelte sich auch in den Tänzen. Denn der erste Teil war noch romantisch geprägt, der zweite bereits in dem sehr eigenen Stil, für den Janáček heute bekannt ist.

Leoš Janáček 1882  (Quelle: CC0)

Zum größten Hit wurde das Stück, das im Original „Už ty pilky dořezaly“ heißt. Auf Deutsch könnte man das vielleicht übersetzen als „Und die Sägen schweigen“. Bis heute ist dieser sogenannte Sägentanz der bekannteste der Lachischen Tänze. Und unmittelbar in der Lachei lässt sich das Stück immer noch ab und zu im Originalgewand hören.

Ethnografischer Ansatz

Janáčeks Lieder aus der Lachei erschienen zunächst nur einzeln. Erst 1925 wurden sie zu einer Suite zusammengefügt und vom Janáček-Schüler Břetislav Bakala in Premiere so auch aufgeführt. Und bis zur kompletten Orchesterfassung dauerte es weitere elf Jahre. Und zwar ließ der Brünner Dirigent František Neuman die Tschechische Philharmonie das Gesamtwerk spielen. Mehrere Versuche, sie auf der Bühne zu inszenieren, schlugen hingegen fehl.

Leoš Janáček sammelte Volkslieder seiner Heimat  (Foto: M. Buršíková,  'Janáčkovy záznamy hudebního a tanečního folkloru',  CC0)

Im Übrigen hat Leoš Janáček nicht nur auf dem Gebiet der Musik versucht, seine Heimat ethnografisch zu erfassen. Er schrieb auch zahlreiche Bücher über Mähren und arbeitete mit führenden Ethnografen seiner Zeit zusammen. Dazu gehörte unter anderem František Bartoš, der einen bekannten Almanach über mährische Volkslieder verfasst hat.

Der Zyklus „Hits der klassischen Musik“ beruht auf einem Projekt von Lukáš Hurník und Bohuslav Vítek zu den „Hits des Jahrtausends“, das der Kultursender Tschechischer Rundfunk – Vltava ausgestrahlt hat.

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