Leoš Janáček: Sinfonietta

Foto: Boris Klepal, Archiv des Tschechischen Rundfunks
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Die Mini-Symphonie des tschechischen Komponisten ist vor allem wegen ihrer feierlichen Fanfaren berühmt geworden.

Feierliche Fanfaren (Quelle: Eva Drlíková: Leoš Janáček, CC0)

Vielleicht hätte sich die Sinfonietta auch ohne die feierlichen Fanfaren in der Musikwelt etabliert. Aber ganz klar ist sie ihretwegen so berühmt geworden. Es ist ein tolles Stück für die besten Orchester der Welt. Diese kleine Symphonie zählt zum Beispiel Sir Simon Rattle zu seinem Repertoire, der wohl angesehenste britische Dirigent derzeit. Bekannt sind vor allem seine Aufführungen zusammen mit den Berliner Philharmonikern, die Rattle insgesamt 16 Jahre lang geleitet hat. Der Dirigent ist übrigens mit der hervorragenden tschechischen Mezzosopranistin Magdalena Kožená verheiratet, beide sind auch schon gemeinsam in Prag aufgetreten.

Leonard Bernstein (Foto: Jack Mitchell, CC BY-SA 3.0)

Aber auch weitere Persönlichkeiten haben die Sinfonietta gern gehabt. So zum Beispiel der italienische Dirigent Claudio Abbado oder Kurt Masur aus Dresden, der die besten Orchester der Welt geleitet hat. Und auch Leonard Bernstein spielte das Stück immer mal wieder. Schließlich bilden die Fanfaren der Sinfonietta neben den Harfenklängen von Smetanas Vyšehrad die wohl interessantesten musikalischen Einstiege, die die tschechische Klassik hervorgebracht hat. Janáček hat in der Partitur dafür neun Trompeten, zwei Posaunen, zwei Tenortuben sowie mehrere Becken vorgesehen. Die Blechbläser dominieren den ganzen ersten Satz, auch das ist außergewöhnlich.

Widmung an die tschechischen Soldaten

Quelle: EMI

Das Stück entstand 1926 und war eine Danksagung des Komponisten an die ersten Jahre in der selbständigen Tschechoslowakei. Letztlich widmete Leoš Janáček die Sinfonietta den tschechoslowakischen Soldaten, ja sogar dem ganzen Verteidigungsapparat des Staates. Aber er feierte damit auch die Stadt Brno / Brünn, in der er lebte. Auch deswegen bildet diese Komposition schon seit Jahren den Schlusspunkt beim Brünner Musikfestival.

Büste von Leoš Janáček im Prager Nationaltheater (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prague International)

Dabei ist die Aufführung der Sinfonietta eine Herausforderung für jedes Orchester. Zum einen sind die Anforderungen an die Musiker im ersten Satz beträchtlich. Zum anderen verfügt kaum ein Orchester über so viele Blechbläser. Das heißt, dass Aushilfskräfte auf die Bühne müssen, die über entsprechendes Können verfügen. Außerdem sind sie auch noch mal am Ende des fünften und letzten Satzes gefordert. Da schließt sich ihnen aber dann auch der Rest des Orchesters an. Die Fanfaren der Sinfonietta verschlagen einem wirklich den Atem. Und sie klingen selbst heute noch sehr modern.

Der Zyklus „Hits der klassischen Musik“ beruht auf einem Projekt von Lukáš Hurník und Bohuslav Vítek zu den „Hits des Jahrtausends“, das der Kultursender Tschechischer Rundfunk – Vltava ausgestrahlt hat.

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