„Lesen hilft“ verbindet Bücherlesen und Wohltätigkeit

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Der 23. April war weltweit der Tag der Leser. In Tschechien wurde deswegen am Montag ein Leseprojekt bilanziert, das seit einem Jahr Menschen mit Behinderung hilft.

Foto: Sanja Gjenero, Stock.xchng
„Lesen hilft“ – „Čtení pomáhá“ heißt das Projekt, das vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde. Es wendet sich an Kinder und Schulklassen, die durch das Lesen von Büchern wohltätige Vorhaben unterstützen können. Gründer von „Čtení pomáhá“ ist der ehemalige Chef des Energie-Konzerns ČEZ, Martin Roman:

„Mit dem Projekt sollen zum einen Kinder zum Lesen erzogen werden. Und zwar dadurch, dass wir sie für jedes gelesene Buch bezahlen. Sie können das Geld aber nicht mit nach Hause nehmen. Denn darin beruht der andere Punkt des Projekts: Die Kinder werden dazu erzogen, dass es richtig ist, Bedürftigen zu helfen.“



Martin Roman erläutert auch, wie das geht: Am Anfang steht die Lektüre des Buches, über den Inhalt sollen die Kinder dann am Computer einige Fragen beantworten.

„Wenn das Kind einen einfachen Internet-Test über ein konkretes Buch, das es gelesen hat, bestanden hat, bekommt es 50 Kronen, die es nach eigener Wahl für ein wohltätiges Projekt spenden kann. Auf der Website www.ctenipomaha.cz lassen sich rund zehn unterschiedliche Möglichkeiten finden. Zum Beispiel trägt man dazu bei, einen Blindenhund zu kaufen, eine Augenoperation für ein Kind in Afrika oder einen Betreuer für einen Menschen mit Behinderung zu bezahlen. Nachdem das Kind seine virtuellen 50 Kronen gespendet hat, schicke ich wirkliches Geld an die entsprechende Stiftung oder Organisation. Jedes der Kinder erhält eine E-Mail mit der Auskunft über die Geldüberweisung, mit einem Foto und dem Dank der beschenkten Person.“

Martin Roman
Mehr als 80 Prozent der Schulen hierzulande sind an dem Projekt beteiligt. Mitgemacht haben bis heute mehr als 90.000 Kinder, das sind über zehn Prozent aller tschechischen Schulpflichtigen. Allein in diesem ersten Jahr sind dadurch 11,5 Millionen Kronen (fast eine halbe Million Euro) zusammengekommen, aus denen 130 Projekte bezahlt wurden. Die Idee stammt dabei nicht wie sonst so oft aus dem Ausland, sie ist stattdessen im Kopf von Martin Roman entstanden:

„Es ist mein Copyright. Ich bin auf die Idee gekommen, als ich den Bericht über eine Bildungsvergleichsstudie zwischen verschiedenen Staaten gelesen habe. Die tschechischen Kinder waren überdurchschnittlich gut in naturwissenschaftlichen Fächern, durchschnittlich in Mathematik und unter dem Durchschnitt beim Textverständnis und in den allgemeinen Lesekenntnissen.“

Die Kinder können aus dem Angebot von mehreren Dutzend Büchern auswählen. Unter den Grundschülern sind Rowlings Romanbände über Harry Potter am beliebtesten, oft gelesen werden auch Astrid Lindgrens Kinder aus Bullerbü sowie tschechische Klassiker wie Sekoras Buch über die Ameise Ferdinand. Die Oberschüler haben am häufigsten nach Shakespeares Hamlet und Bohumil Hrabals Roman „Ich habe den englischen König bedient“ gegriffen.