Litomyšl

Gotische Kirche Erhöhung des Heiligen Kreuzes (Foto: Sokoljan, CC BY-SA 3.0 Unported)

Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, bei einer weiteren Ausgabe des Regionaljournals. Sowie in anderen Ländern Europas, haben auch in der Tschechischen Republik am zweiten Septemberwochenende Tage des Europäischen Kulturerbes stattgefunden. Eröffnet wurden die Tage des Europäischen Kulturerbes am 2. September in der ostböhmischen Stadt Litomysl, gleichzeitig wurde die Kampagne Europa - das gemeinsame Kulturerbe beendet. Warum gerade Litomysl für die feierliche Eröffnung ausgesucht wurde und wie diese - seit kurzem - UNESCO-Stadt mit dieser Aufgabe zurechtkam, das erfahren Sie in den folgenden Minuten. Zu einem Besuch in das malerische Litomysl laden Sie ein Lothar Martin und Dagmar Keberlova.

Gotische Kirche Erhöhung des Heiligen Kreuzes (Foto: Sokoljan, CC BY-SA 3.0 Unported)
Dass man für die Eröffnung der Tage des Europäischen Kulturerbes keine bessere Stadt finden könnte, wird einem gleich beim Aussteigen aus dem Bus klar. In Litomysl hat der Erhalt des Kulturerbes einen hohen Stellenwert und dies erkennt man überall, wohin man sieht. In den letzten zehn Jahren wurden hier sehr viele Häuser und Gebäude wiederaufgebaut und so findet man heutzutage ein fast vollständig rekonstruiertes historisches Stadtzentrum. Um Ihnen, verehrte Damen und Herren, ein vollkommeneres Bild von Litomysl bieten zu können, hier eine kurze Einführung in die Geschichte des kulturellen und historischen Zentrums am Fluss Loucna. Die ersten Dokumente über Litomysl stammen aus dem ausgehenden 11. Jahrhundert und berichten darüber, dass Graf Bretislav II. ein kleines Benediktinerhaus gegründet hatte. An das Benediktinerhaus wurde im 12. Jahrhundert ein Premonstratenserkloster angebaut, das bald zu einem Kultur- und Wirtschaftszentrum der ganzen Region geworden ist. Mitte des 13. Jahrhunderts erhielt der Ort die städtischen Privilegien und hundert Jahre später, kurz nach der Gründung des Prager Erzbistums, entstand 1344 das Bistum von Litomysl. Nach der Ankunft der Piaristen im Jahr 1641 wurden auf der Schlossanhöhe die Schule, das Studentenheim und der piaristische Dom gebaut. Dominiert wird Litomysl vom Renaissanceschloss, das zwischen 1568 und 1581 entstand - ein einmaliger Renaissancebau nördlich der Alpen mit
Sgrafitti am Schlossgebäude (Foto: Sokoljan, CC BY-SA 3.0 Unported)
mehr als achttausend originellen Sgrafitti. Im Schlossareal befindet sich das barocke Schlosstheater sowie die Brauerei, in der in 1824 der tschechische Nationalkomponist Bedrich Smetana geboren wurde. Das Panorama der Stadt dominieren die Türme der gotischen Kirche "Erhöhung des Heiligen Kreuzes" und der piaristischen Kirche "Finden des Heiligen Kreuzes", zu denen wir später noch zurückkommen werden. Auf dem länglichen Hauptplatz kann man das Rathaus gotischen Ursprungs und eine Reihe von Renaissance- und Barockhäusern bewundern, von denen viele Lauben und gewölbte Erdgeschosssäle haben. 1965 wurde der historische Stadtkern zum städtischen Denkmalschutzgebiet. An die reiche kulturelle Tradition knüpft auch das gegenwärtige Kulturleben von Litomysl an, Höhepunkt ist dabei das Internationale Opernfestival Smetanas Litomysl. In den letzten Jahren wurde Litomysl auch Zentrum politischer Ereignisse. 1994 fand hier zum Beispiel das Treffen von sieben mitteleuropäischen Präsidenten statt, ein Jahr später wurde Litomysl vom spanischen Königspaar besucht. Am 1. 12. 1999 wurde das Schloss und das umliegende Areal in die UNESCO-Liste aufgenommen.

Die Klostergärten mit der piaristischen Kirche Finden des Heiligen Kreuzes (Foto: Pudelek, CC BY-SA 3.0 Unported)
Aber für Litomysl ist hiermit das Bemühen um den Erhalt des Kulturerbes nicht zu Ende. Vielleicht denken Sie sich gerade, liebe Hörerinnen und Hörer, ob noch etwas besonderes für die feierliche Eröffnung der Tage des Europäischen Kulturerbes übrig blieb, wenn in den letzten Jahren Litomysl schon so aktiv auf diesem Gebiet war. Doch ein Ort war dieser malerischen Stadt ein besonderer Dorn im Auge und zwar die zerstörten Klostergärten, die 52 Jahre lang geschlossen waren. Mehr über die Idee, diese Klostergärten zu rekonstruieren, vom Vizebürgermeister der Stadt Litomysl, Jan Janecek:

"Das war eine Idee, die auch in den 90er Jahren geboren wurde. Wir haben uns gedacht, dass wir in Litomysl zu wenig der Öffentlichkeit zugängliche Grünanlagen haben. Auch wenn die Gärten, die zwischen der piaristischen und der alten gotischen Kirche liegen, mehreren Eigentümern gehören, haben wir uns an der Rekonstruktion nach einigen Jahren der Verhandlungen einigen können."

Die im Mai vergangenen Jahres begonnene Rekonstruktion hat 28 Millionen Kronen beansprucht. Am 2. September, dem Tag der feierlichen Eröffnung der Tage des Europäischen Kulturerbes, war es dann so weit. Aber wir haben Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, immer noch nicht verraten, warum für die Eröffnung gerade Litomysl ausgesucht wurde. Um die Antwort habe ich den Bürgermeister von Litomysl, Miroslav Brydl gebeten:

"Unsere Stadt hat die Tatsache genutzt, dass wir 10 Jahre Mitglied der Vereinigung der historischen Siedlungen Böhmens, Mährens und Schlesiens sind, einer Vereinigung, die die Schirmherrschaft für die Tage des europäischen Kulturerbes übernimmt und gleichzeitig hier in Litomysl auch vor 10 Jahren gegründet wurde. Alljährlich werden diese Tage in Anwesenheit der entsprechenden Minister, der Bürgermeister verschiedener Städte und der Vertreter der Staatsverwaltung eröffnet und wir haben heuer versucht, etwas Besonderes vorzubereiten."

Und es war tatsächlich ein besonderer Tag nicht nur für Litomysl. Feierlich begonnen wurde der Tag mit einem Konzert im Smetana - Haus in Anwesenheit von Umweltminister Milos Kuzvart und dem Minister für regionale Entwicklung Petr Lachnit sowie 68 Bürgermeistern und Vizebürgermeistern der Städte, die sich traditionell an diesen Tagen beteiligen. Zudem standen an diesen zwei Tagen viele Kulturdenkmäler offen, doch der Höhepunkt des Tages war zweifellos die unkonventionelle Eröffnung der Klostergärten mit einer Hochzeit.

Warum gerade eine Hochzeit? Miroslav Brydl, dem Bürgermeister der Stadt zufolge, hat man sich für eine Hochzeit entschieden, da sie als Symbol eines neuen Beginns und gleichzeitig einer Verpflichtung gesehen wird und die nimmt nicht nur das Ehepaar mit der Hochzeit auf sich, sondern auch die Stadt mit der Eröffnung von den Gärten, um die sie sich auch weiterhin kümmern und sie pflegen muss. Nur selten kann sich ein Ehepaar mit einem Hochzeitswunsch eines Ministers rühmen. Umweltminister Kuzvart wünschte dem Ehepaar, Jaroslav Zvara und Ilona Novakova, in Litomysl:

"Ich wünsche Ihnen in den kommenden Jahren auch so einen Sonnenschein wie heute und das notwendige Maß an gegenseitiger Toleranz. Ebenfalls wünsche ich Ihnen, dass ihre 4 Stühle beim Esstisch, die sie vorher erwähnt haben, bald mit ihren Kindern besetzt sind."

Die Klostergärten, die von den beiden Ministern und mit der Hochzeit feierlich eröffnet wurden, breiten sich auf einer Fläche von mehr als 11 000 Quadratmetern aus. Hier können die Besucher in eine grüne Oase eintauchen mit mehr als 100 Bänken, einer Wasserfläche und Statuen von Olbram Zoubek. In Zukunft sollten die Gärten auch als Ort von verschiedenen Kulturveranstaltungen dienen. Mit den Gärten vergrößert sich der Pressesprecherin der Stadt Litomysl Michaela Severova zufolge auch die Fläche des historischen Stadtkerns. Ursprünglich sollten für die UNESCO Liste der geschützten Kulturdenkmäler nicht nur der Schlossareal vorgeschlagen werden, sondern auch die beiden Kirchen und die Gärten. Aber gerade der schlechte Zustand von allen drei Objekten verhinderte damals die Aufnahme in die UNESCO- Liste. Man könne aber - so das Kulturministerium - in Zukunft um eine Erweiterung der Eintragung bei der UNESCO ansuchen, so Michaela Severova weiter.

In Litomysl ging an diesem Tag gleichzeitig auch die Kampagne Europa - Gemeinsames Kulturerbe zu Ende, die vor einem Jahr in Jihlava/Iglau gestartet wurde. Die beiden Aktionen haben ein gemeinsames Ziel: Den Europäern das Natur- und Kulturerbe näher zu bringen, sagte uns Anna Matouskova, die Vorsitzende der Vereinigung der historischen Siedlungen Böhmens, Mährens und Schlesiens, die mit der Austragung beider Kampagnen beauftragt war:

"Beide Veranstaltungen haben einen gemeinsamen Nenner und zwar den Europäern ihr nationales und lokales Kulturerbe näher zu bringen. Die Kampagne Europa- Gemeinsames Erbe war im Unterschied zu den Tages des europäischen Kulturerbes, die in ganz Europa an einem Wochenende stattfinden, auf das ganze Jahr ausgebreitet. Sie hatte sich das Ziel gesetzt, am Ende des Jahrhunderts das Interesse der Europäer auf ihr gemeinsames Erbe zu lenken, und deshalb wurde die Kampagne auf das ganze Jahr verlängert und bestand vor allem in Vorträgen, Bildungsseminaren und Konferenzen."

In der Tschechischen Republik wurden insgesamt 807 Kulturobjekte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die reichlich besucht wurden, fügte Matouskova abschließend hinzu.

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