Mackie Messer Wanted: Sängerin Pecková bringt Weills Musik nach Prag

Dagmar Pecková bereitet sich auf ihre Rolle in der Cabaret-Revue „Wanted“ vor (Foto: Jaroslav Urban, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Die Moritat von Mackie Messer und weitere Melodien von Kurt Weill, Tanz, eine farbenfrohe Bühne und Projektionen: Die Cabaret-Revue „Wanted“ soll eine großartige Schau für das tschechische Publikum werden. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Mezzosopranistin Dagmar Pecková, die in der Nähe von Freiburg im Breisgau lebt. Sie verkörpert Mackie Messer, den König der Londoner Unterwelt, aber nicht nur das: Pecková hat die Revue auch initiiert.

Dagmar Pecková bereitet sich auf ihre Rolle in der Cabaret-Revue „Wanted“ vor  (Foto: Jaroslav Urban,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
In Prag wird bald – wie es heißt – die „großartige Cabaret-Revue Wanted“ mit der Musik von Kurt Weill aufgeführt. Die Idee dazu haben Sie gehabt. Wie ist das alles entstanden?

„Entstanden ist das vor zwei Jahren. Ich bin Auto gefahren und habe den Sender SWR2 gehört. Dort lief ein etwa einstündiges Programm über Kurt Weill und Bertolt Brecht. Ich habe mich dabei an meine jüngeren Jahre erinnert: 1992 habe ich in der Stuttgarter Staatsoper den ‚Aufstieg und Fall der Stadt Mahagony‘ mit der Regisseurin Ruth Berghaus gemacht. Seit dieser Zeit liebe ich diese Musik. Ich liebe ihre Emotionen, ich liebe Kurt Weill, die Texte von Brecht, ich liebe aber auch den französischen und den amerikanischen Kurt Weill. Für mich sind es nicht drei verschiedene Komponisten, sondern eine Entwicklungslinie. Ich sage manchmal, mit ein bisschen Lächeln: Kurt Weill hat die Oper so lange reformiert, bis er im Schauspiel gelandet ist. Ich bewundere diesen Komponisten. Ich lebe selbst in Deutschland und weiß, dass seine Werke dort oft aufgeführt werden, dass es dort sogar Kurt-Weill-Festspiele gibt. Und ich bin wahnsinnig froh, dass ich ihn auch den tschechischen Zuhörern und Zuschauern näherbringen kann.“

„Ich bin wahnsinnig froh, dass ich Kurt Weill auch den tschechischen Zuhörern und Zuschauern näherbringen kann.“

In Tschechien ist wohl Weills Musik nicht so bekannt wie in Deutschland, oder?

„Ich würde das anders sagen: Die Musik ist schon bekannt, die Menschen wissen nur nicht, dass sie von Kurt Weill ist. Zum Beispiel Hana Hegerová, die beste Chanson-Sängerin hierzulande, hat früher sehr oft seine Lieder gesungen. Ich wusste damals auch nicht, dass das Kurt Weill ist. Oder der Schauspieler Miloš Kopecký hat eben die Moritat von Mackie Messer aus der Dreigroschenoper aufgeführt. Wir kennen das hierzulande schon, wir wissen nur nicht, dass es Kurt Weill ist.“

Kurt Weill  (Foto: Bundesarchiv,  Bild 146-2005-0119 / CC-BY-SA 3.0)
Sie haben erwähnt, dass Sie an der Oper ‚Der Aufstieg und Fall der Stadt Mahagony‘ mitgearbeitet haben. Haben Sie auch Weills Lieder bereits gesungen?

„Ja, den ‚Frauentanz‘ habe ich gesungen, mit einem Kammerorchester. Aber wie gesagt, dann habe ich mich am Anfang meiner Karriere eher auf seine Oper konzentriert. Und jetzt möchte ich mich gerne mit dieser ‚Wanted‘-Show auf seine Songs, Chansons, aber auch auf seine Musical-Nummern konzentrieren.“

Bringt also diese Revue Lieder und Songs aus verschiedenen Musicals und Stücken von Kurt Weill?

„Es sind Melodien aus zirka zwanzig Jahren seiner Tätigkeit als Komponist: von 1928, als die ‚Dreigroschenoper‘ aufgeführt wurde, bis ‚One Touch of Venus‘ von etwa 1945. Daraus interpretiere ich den berühmten Song ‚I'm a Stranger Here Myself‘.“

Sie sind eine Opernsängerin. Wie interpretieren Sie diese Songs und Lieder?

„Ich glaube, Kurt Weill bietet einen sehr weiten Spielraum, wie man seine Lieder interpretieren kann. Ich lasse mich von seiner Frau Lotte Lenya inspirieren, weil sie seine erste Interpretin war. Sie musste wissen, wie man das singen soll. Ein weiteres großes Vorbild war Teresa Stratas. Sie hat Weills Lieder mit wahnsinniger Hingabe, viel Emotionen und mit einer wunderschönen Stimme gesungen. Überhaupt nicht opernhaft, aber auch überhaupt nicht mit Jazz-Elementen. Sie hat nach ihrem Gefühl gesungen, das gefällt mir daran. Auch eher viele klassische Opernsängerinnen, selbstverständlich Brigitte Fassbaender oder Anne Sophie von Otter, haben Kurt Weill gesungen. Aber auch Louis Armstrong, Frank Sinatra, Robby Williams und Ute Lemper. Wie gesagt: Es gibt viele Möglichkeiten, Kurt Weil zu interpretieren. Ich bin dankbar, dass mir keiner vortragen kann, wie ich das machen soll. Ich will das wie die Pecková machen. “

„Ich will das wie die Pecková machen. “

Ich habe gehört, haben Sie sogar auch die Texte übersetzt. Sie werden für die Zuschauer, die kein Deutsch verstehen, auf der Bühne projiziert. War es schwierig für Sie? Haben Sie den Witz und den Sinn übersitzt oder auch die Verse, die Reime?



Cabaret-Revue „Wanted“  (Foto: Jaroslav Urban,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Die Reime überlasse ich jemandem anderen. Es ging mir nicht um den Reim, sondern um die Emotionen. Mir ging es um das Wort und den Akkord, um den Akzent und um die Musik dazu. Meiner Meinung nach ist das so zusammengeschweißt, dass man wissen muss, welche Wörter zu welchem Akkord oder zu welcher musikalischen Emotion gehören. Eigentlich war das überhaupt nicht geplant, dass daraus die offizielle Übersetzung würde. Ich habe das nur für die Brüder Caban (Regisseur und Choreograph der Vorstellung, Anm. d. Red.) übersetzt, damit sie ganz genau wissen, was da unten und was da oben läuft. Sie haben sich die CD, die wir aufgenommen haben, angehört und gesagt, eigentlich könne man keine andere Übersetzung nutzen, wenn man in den Zuschauern und Zuhörern die entsprechenden Gefühle wecken und genau dies sagen wolle.“

Wer steht mit Ihnen auf der Bühne? An der Musik sind ja sehr viele Personen beteiligt, aber auch an der Schau, an der Vorstellung?

„Mir ging es um das Wort und den Akkord, um den Akzent und um die Musik dazu."

„Ja, rund zwanzig Musiker spielen auf der Bühne im Orchester, sie kommen vom Epoque Orchestra und von der Jazz-Band von Miroslav Hloucal. Am Klavierflügel sitzt Jan Kučera als Pianist und Dirigent, er hat auch die Lieder arrangiert. Des Weiteren gibt es das Ballett. Und hinzukommt mein Kollege Jiří Hájek, er ist Solist des Nationaltheaters. Es werden also schon ein paar Leute auf der Bühne sein. Außerdem brauchen wir noch das Bühnenbild. Und wir müssen eine Story spielen. Es dürfte eine sehr schöne Sachen werden.“

Können Sie etwas über die Geschichte bereits verraten?

„Die Story dreht sich um die Welt der Frauen und die der Männer. Und über die Unterschiede, die manchmal keine sind.“

Die Cabaret-Revue „Wanted“ wird im Großen Saal des Palais Lucerna in Prag aufgeführt, und zwar von 11. bis 30. April. Insgesamt 17 Vorstellungen sind geplant.