Magnesia Litera: „Das Fischblut“ von Jiří Hájíček ist Buch des Jahres

Jiří Hájíček (Foto: ČTK)

Zum zwölften Mal wurden am Mittwochabend in Prag die Literaturpreise „Magnesia Litera“ vergeben. Radio Prag stellt einige der diesjährigen Gewinner vor.

Jiří Hájíček (Foto: ČTK)
Noch vor einigen Jahren standen dort Dörfer, die auf eine lange Geschichte zurückblicken konnten, dann waren viele Bewohner gezwungen, in die Neubausiedlungen der umliegenden Städte zu ziehen. Grund ist der Bau eines Atomkraftwerks. Das Buch des Jahres 2013 führt den Leser in jene Zeit, in der einige Dörfer in der Umgebung von Temelín abgerissen wurden. Den Roman „Rybí krev“ / Fischblut hat der 45-jährige Schriftsteller Jiří Hájíček aus Südböhmen verfasst. Bei der Verleihung des Hauptpreises Magnesia Litera sagte er:

„Ich freue mich natürlich sehr und danke vor allem meinen Lesern. Denn ich halte es für den Hauptsinn der Literatur, dass jemand die Bücher liest und sich über sie freut. Das ist für den Schriftsteller die beste Art von Feedback.“

Foto: Verlag Host
Warum aber gerade „Fischblut“? Die Suche nach einem passenden Buchtitel sei eine Alchemie, meint Hájíček. Er wünsche sich, dass sich die Leser den Titel merken und sich darunter die Atmosphäre der südböhmischen Dörfer vorstellen:

„Es ist ein Dorfroman. Ich bemühe mich ein bisschen um dieses Genre. Er spielt in den 1980er bis 1990er Jahren auf dem Lande in Südböhmen. Der Bau des Atomkraftwerks läuft eigentlich nur im Hintergrund. Es geht vor allem um das Schicksal der verschiedenen Menschen.“

Für Jiří Hájíček ist es nicht der erste Literaturpreis. 2006 wurde er mit dem Magnesia Litera in der Kategorie Prosa für seinen Roman „Selské baroko“ / Bauernbarock ausgezeichnet. Er spielt ebenfalls in Südböhmen, und zwar in den frühen 1950er Jahren in der Zeit der stalinistischen Willkür.

Jaroslav Žváček (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Jedes Jahr wird auch ein Preis für die Entdeckung des Jahres verliehen. Diesmal ging er an den 24-jährigen Jaroslav Žváček. Über seinen Roman „Lístek na cestu z pekla“ / Ticket für die Reise aus der Hölle“ sagt der Schriftsteller:

„Im Buch geht es um einen Drehbuchautor, der bei einem privaten Fernsehsender arbeitet. Das ist ein harter und unsicherer Job. Mit dem Mann geht es bergab. Zwar begegnet er zwischendurch verschiedenen Leuten und tut etwas Gutes, das zieht ihn aber noch tiefer in den Abgrund. Schließlich aber findet er sein Ticket für die Reise aus der Hölle. Davon handelt mein Roman.“

Věra Koubová (Foto: Ondřej Lipár, CC BY-SA 2.0)
Der Preis für die beste Übersetzung erhielt Věra Koubová, die den Gedichtband „Traumsaum“ von Richard Pietraß aus dem Deutschen ins Tschechische übertragen hat.

Bei Magnesia Litera können auch die Leser selbst einen Roman auszeichnen. Den Leserpreis gewann Kateřina Tučková für ihren Roman „Žítkovské bohyně“ / Die Götinnen von Schitkowa. Auch Tučková wurde bereits einmal geehrt. 2010 erhielt sie für ihr Buch „Die Vertreibung der Gerta Schnirch“ einen Magnesia-Litera-Preis.



Pavel Mandys (Foto: Archiv Radio Prag)
Der Initiator der Magnesia-Litera-Auszeichnungen ist der Kritiker Pavel Mandys:

„Wir bemühen uns, aus möglichst alternativen Büchern einen Mainstream zu kreieren. Sinn des Wettbewerbs Magnesia Litera ist es, einem Buch, das das breitere Publikum nicht kennt, das aber die Literaturkritiker für besonders gut halten, Publizität zu verschaffen – und zwar so, dass das Publikum ein Interesse dafür entwickelt.“