Marlene und ihr Kampf gegen den Nationalsozialismus: Sommertheater in Prag zeigt das Leben der Dietrich
Marlene Dietrich gehört zu den wenigen deutschen Schauspielstars, die sich auch in Hollywood durchsetzen konnten. Und sie war eine starke Stimme gegen den Nationalsozialismus. Ihre Lebensgeschichte ist Inhalt eines neuen Stücks, das gerade beim Sommertheater im Prager Grébovka-Park gezeigt wird.
Schwarzer Anzug, Zylinder, weißes Hemd und Zigarette. So, wie die Welt Marlene Dietrich aus dem Film „Marokko“ kennt, wird sie auch in dem neuen Theaterstück dargestellt. Und das gleich dreifach. In der Aufführung „Být Marlene Dietrich“ (Marlene Dietrich sein) gibt es die Hauptfigur als eine Art Dreifach-Klon. Regisseurin Marianna Arzumanova erklärt diesen Kunstgriff:
„Es ist sehr schwer, mit nur einem Menschen das Leben der Marlene Dietrich durchzuspielen. Denn sie war eine Persönlichkeit mit vielen Nuancen und Zügen. Also habe ich es als die richtige Entscheidung empfunden, nicht nur eine einzige Schauspielerin einzusetzen.“
Die Dietrich war einer der wenigen Hollywoodstars, die Deutschland hervorgebracht hat. Sie war eine Stilikone – und positionierte sich klar gegen den Nationalsozialismus. Arzumanova schildert ihre Motivation, an die legendäre Schauspielerin zu erinnern:
„Es geht um das Phänomen Marlene Dietrich. Und ich sage Phänomen, denn ein Mensch, der versteht, was Freiheit bedeutet, steht immer gegen die Masse und denkt nach. Dieses Phänomen ist erstaunlicherweise auch derzeit wahnsinnig aktuell.“
Das Stück hat zwei Erzählstränge. Einmal wird Marlene Dietrich in verschiedenen Rollen gezeigt – als Künstlerin, Frau, Liebhaberin und Mutter. Und weiter sagt die Regisseurin:
„Die zweite Linie sind die Berichterstattung und die Nachrichten, die zu dieser Zeit im Radio und in der Zeitung auftauchten. Sie zeigen das politische Klima. Und die heutige Zeit lässt sich vergleichen mit dem, was sich vor 80 Jahren abgespielt hat.“
Marianna Arzumanova, die in Moskau geboren ist, hat in Prag unter anderem das Ensemble Divadlo MA gegründet und aktuell eine Doktorandenstelle an der Theaterfakultät Damu inne. Bei ihrem Dietrich-Stück bezieht sie gleich drei Fachbereiche der Akademie der Musischen Künste ein. Beteiligt sind Studenten der Theater-, der Musik- und der Filmfakultät. Die jungen Filmschaffenden hatten etwa die Aufgabe, die Szene umzusetzen, bei der Marlene Dietrich das Casting für den Film „Der blaue Engel“ bei Regisseur Josef von Sternberg absolviert. Und die Hauptrollen werden von Theaterstudentinnen verkörpert.
Die drei jungen Frauen mit der unvermeidlichen blonden Lockenperücke stellen die unterschiedlichen Lebensstationen von Marlene Dietrich dar. Zentral ist dabei die Emigration in die USA. Das Thema Auswanderung war besonders wichtig für Arzumanova, die als Russin selbst im Exil in Prag lebt…
„Ich wollte die Lage beschreiben, in der ein Mensch das Land, in dem er geboren wurde, verlässt und dorthin einfach nicht zurückkehren will. Er will die Diktatur nicht unterstützen und nicht das Böse, das sich dort abspielt und die ganze Welt bedroht.“
Das heiße aber noch lange nicht, dass dieser Mensch nicht auch Heimweh habe und etwa das gute Essen der Heimat vermisse, fährt die Regisseurin fort:
„Ich denke, Marlene Dietrich hat sich sehr nach Berlin gesehnt, das sie so liebte. Aber nie im Leben wollte sie dorthin zurückkehren. Das konnte sie auch gar nicht.“
Dietrich nahm 1939 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an und unterstützte die Truppen im Kampf gegen den deutschen Nationalsozialismus. In ihrem Theaterstück lässt Marianna Arzumanova auch Erich Maria Remarque als Symbol für diesen Widerstand auftreten. Wie verhindert sie, dass dies womöglich pathetisch wird?
„Die Antwort ist einfach: mit Sinn für Humor. Um nicht dem Pathos zu erliegen, gibt es ja auch im Leben immer den Humor. Er rettet unsere Psyche.“
Das Stück „Být Marlene Dietrich“ wird noch bis Freitag jeden Abend um 20 Uhr gezeigt, und zwar in den Havlíček-Gärten (Havlíčkovy sady) in Prag-Vinohrady. Bei schönem Wetter findet die Aufführung vor der künstlichen Grotte statt, bei Regen in der Gröbe-Villa. Weitere Reprisen wird es im Herbst im Prager Studio Ypsilon geben.







