Martin Rajniš vertritt Tschechien auf der Architektur-Biennale in Venedig

Konzept für den tschechisch-slowakischen Pavillon (Foto: www.e-mrak.cz)

Alle zwei Jahre - der Name sagt es - geht in Venedig die Architektur-Biennale über die Bühne. Jedes zweite Mal - also alle vier Jahre - ist Tschechien an der Reihe, den gemeinsamen tschechisch-slowakischen Pavillon zu gestalten. In diesem Jahr ist es nun wieder soweit. In der vergangenen Woche ist das Projekt in Prag vorgestellt worden.

Sie ist nicht nur der höchste Berg Tschechiens, sondern auch für ihre sehr rauen Wetterbedingungen bekannt: die Schneekoppe in Nordböhmen. Doch ein Gebäude trotzt Wind und Wetter: das Postamt auf über 1500 Meter Höhe. Es ist die höchste der rund 3400 Filialen der Tschechischen Post. Erbaut wurde der moderne Holzbau auf der Schneekoppe im Jahr 2007 nach Plänen von Patrik Hoffman und Martin Rajniš. Der 65-jährige Rajniš gilt als bedeutender Vertreter der so genannten „Natürlichen Architektur“. Neben dem Postamt auf der Schneekoppe ist Rajniš auch für seine hölzernen Aussichtstürme sowie Wohn- und Lagergebäude in Form von großen Holzstößen bekannt.

Postamt auf der Schneekoppe  (Foto: Jan Groh,  www.wikimedia.org)
In diesem Jahr wird Rajniš den tschechisch-slowakischen Pavillon auf der Architektur-Biennale in Venedig gestalten. Sein Projekt ist unter 12 eingereichten Entwürfen als Sieger aus dem von der tschechischen Nationalgalerie ausgeschriebenen Wettbewerb hervor gegangen.

„Holz ist aus Tschechien eingeflogen und hat in den 'Giardini di Castello', dem Ausstellungsgelände in Venedig, ein Nest gebildet. Vor unserem Pavillon. Die Leute schauen sich die Holzkonstruktion an und gehen dann weiter ins Innere des Pavillons. Husch, husch.“

Konzept für den tschechisch-slowakischen Pavillon  (Foto: www.e-mrak.cz)
Und schon ist man drinnen im Pavillon, der 1925 nach einem funktionalistischen Entwurf von Otakar Novotný errichtet wurde. Sechs Holzbauten von Martin Rajniš bekommt der Besucher dort zu sehen, darunter einige seiner Aussichtstürme. Natürlich nicht im Original, aber im ungewöhnlich großen Maßstab von 1:6. Außerdem werden zwei Filme über die spektakuläre Errichtung der Holzbauten gezeigt.

„Das Konzept für den Pavillon ist ein ‚Tunnel der Träume’, ein Weg, auf dem Sie durch gewisse Eingriffe in Ihrer Sicht der Dinge beeinflusst werden. Außerdem ist das ein 1:1-Modell unserer Holzstöße. Sie können durch die Spalten zwischen den Brettern schauen und sehen die ganze Ausstellung. Aber Vorsicht, die Ausstellung scheint unendlich zu sein. Wir haben nämlich auf beiden Seiten Spiegel angebracht.“

Konzept für den tschechisch-slowakischen Pavillon  (Foto: www.e-mrak.cz)
Doch er wolle in Venedig nicht nur etwas ausstellen, so Martin Rajniš, sondern es müsse dort auch etwas geschehen.

„Ich bin in einem Alter, in dem ich es mir schon erlauben kann, meine Träume zu verwirklichen. Einer dieser Träume ist eine Art ‚Architekten-Hütte’. Es soll dort gebaut und geplant werden. Die Besucher jeden Alters sollen mit der jüngsten Architektengeneration in Kontakt treten. Und es scheint so, als würde uns auf der Biennale etwas in dieser Richtung gelingen.“



Martin Rajniš  (Foto: Archiv von Martin Rajniš)
Sechs angehenden Architekten und zwei Schneidern werden die Besucher der Architektur-Biennale im tschechisch-slowakischen Pavillon bei der Arbeit über die Schulter schauen können. Gerade dieses interaktive Konzept war es, das die Jury vom Projekt von Martin Rajniš überzeugt hat.

Die Architektur-Biennale in Venedig findet vom 27. August bis zum 21. November statt. Einige Fotos und Pläne des Entwurfs von Martin Rajniš können Sie sich aber bereits jetzt auf unseren Internetseiten ansehen.