Meister der Etikette und Olympiaförderer: Vor 160 Jahren wurde Jiří Guth geboren

Jiří Stanislav Guth-Jarkovský (Mitte) wirkte als Zeremonienmeister von Staatspräsident T. G. Masaryk (Foto: Archiv des Nationalmuseums in Prag, CC BY 4.0)

Er war ein großer Förderer des Sports, sorgte in der Ersten Tschechoslowakischen Republik für gute Umgangsformen und wirkte als Zeremonienmeister von Staatspräsident T. G. Masaryk.

Jiří Stanislav Guth-Jarkovský  (Foto: V. Donát,  Archiv des Nationalmuseums in Prag,  CC BY 4.0)

Mit einem zeitlichen Abstand von einhundert Jahren dürfte die Sprache der Bücher von Jiří Stanislav Guth-Jarkovský veraltet und mitunter amüsant erscheinen. Die von ihm beschriebenen Verhaltensregeln und Umgangsformen sind aber weiterhin gültig. Besonderen Wert legte Guth auf Anstand, Ehrlichkeit, Bescheidenheit und gegenseitigen Respekt.

Geboren am 23. Januar 1861 promovierte Guth im Fach Philosophie und wurde Lehrer für Tschechisch, Französisch und Sport. Vier Jahre lang war er als Erzieher im Familiensitz Schaumburg-Lippe in Ratibořice / Ratiborschitz angestellt. Die gute Etikette der Fürstenfamilie inspirierte ihn zu mehreren Büchern über das Thema, für die Jiří Guth heute noch in der tschechischen Öffentlichkeit bekannt ist. Gemeinsam mit der Familie bereiste er Europa, Afrika, Asien und Nordamerika.

Internationales Olympisches Komitee  (1896),  Jiří Stanislav Guth-Jarkovský steht als zweiter von links  (Foto: Albert Meyer,  Wikimedia Commons,  CC0)

Nach der Gründung der Republik im Jahr 1918 wurde er zum ersten Vorsitzenden des Tschechoslowakischen Olympischen Komitees gewählt. Zudem war er Mitbegründer und ebenfalls Vorsitzender der Tschechischen Amateurunion für Leichtathletik und leitete den Wanderverein.

In den Jahren 1919 bis 1925 hatte Guth das Amt des ersten Zeremonienmeisters bei Präsident T. G. Masaryk inne. Er entwarf das Statut zum Orden des Weißen Löwen, den der tschechische Staatspräsident bis heute verleiht. Auf Guth ist auch zurückzuführen, dass Schloss Lány / Lana zum Amtssitz des Staatsoberhauptes wurde. Nebenher übersetzte er literarische Werke aus dem Französischen und dem Deutschen (Émile Zola, Honoré de Balzac, Karl May) und war Mitglied im Schriftstellerklub Máj.