Mordkomplott gegen eine Journalistin aufgedeckt

Sabina Slonkova und Jiri Kubik

Ein aufgedecktes Mordkomplott hat am Montag die tschechische Öffentlichkeit erschüttert. Das rechtzeitig gerettete Opfer ist eine Journalistin. Der Auftraggeber - kaum zu glauben - ein ehemaliger hoher Funktionär des tschechischen Außenministeriums. Markéta Maurová hat mehr dazu.

Karel Srba, Foto:CTK
"Ich habe darüber vor genau zwei Wochen, am 9. Juli erfahren. Am Abend kamen Polizisten aus der Sonderabteilung für den Kampf gegen organisiertes Verbrechen und überbrachten mir eine Nachricht, die mich total bestürzte. Sie lautete: bei der Polizei hat sich ein Mann gemeldet, der angestellt wurde, um mich zu liquidieren. Ich habe in dem Moment so reagiert, wie jeder reagieren würde - es schien mir so absurd, dass ich ablehnte, es zu glauben. Es hat sich leider mit der Zeit erwiesen, dass es weder ein dummer Scherz, noch Provokation ist und der Auftrag tatsächlich existiert. Noch an jenem Abend wurde die Ermittlung eröffnet, ich habe Polizeischutz bekommen, wurde in Verborgenheit gebracht, und in der vergangenen Woche, am Donnerstag und Freitag gelang es, die Leute, die alles vorbereitet haben, festzunehmen und in Haft zu setzen."

Mit diesen Worten hat die Enthüllungsjournalistin Sabina Slonkova vom Tagesblatt "Mlada fronta Dnes" für Radio Prag ihr dramatisches Erlebnis beschrieben. Zur Art und Weise, wie der Auftragsmord durchgeführt werden sollte, sagte Barnabas Liska von der Staatsanwaltschaft in Ceske Budejovice (Budweis) dem Tschechischen Rundfunk:

"Es wurde ursprünglich damit gerechnet, dass der Sprengstoff Semtex genutzt wird, später schlug der Täter vor, den Mord mit einer Pistole zu begehen. Was das Strafmaß für eine solche Tat betrifft, steht im Gesetz die untere Grenze von 12 Jahren Freiheitsentzug."

Schon die Tatsache selbst, dass jemand einen Mord bestellt, ist schockierend genug. Noch erschreckender ist dabei, dass sich unter den vier inhaftierten Personen der ehemalige Kanzleichef des Außenministeriums, Karel Srba, befindet:

"Er war für bestimmte Zeit einer der einflussreichsten Beamten des Außenministeriums. Am erschütterndsten ist für mich daher die Feststellung, dass auch ein Staatsbeamter in dieser Richtung denken kann und seine Probleme, oder wohl auch Probleme, zu denen wir beitragen konnten, durch einen Mord löst."

Srba war ein enger Mitarbeiter des früheren Außenministers und künftigen Vorsitzenden der UN-Generalversammlung, Jan Kavan. Dieser äußerte am Montag seine Überraschung über die Inhaftnahme und fügte hinzu, er stünde seit anderthalb Jahren mit Srba nicht in Kontakt. Srba musste im März 2001 wegen einiger Finanzaffären seinen Abschied vom Ministerium nehmen. Die Beschuldigungen stützten sich zum Teil auf Zeitungsartikel Slonkovas. Die Journalistin stand hinter der Veröffentlichung der Affäre um die Vermietung des lukrativen Tschechischen Hauses in Moskau, bei der der Staat um bis zu 100 Millionen Kronen gekommen sein soll. Den entsprechenden Mietvertrag legte dabei gerade Srba dem Minister vor. Des weiteren wurde aufgedeckt, dass Srba selbst Grundstücke und Immobilien im Wert von mehr als 10 Millionen Kronen kaufte, die er mit dem Gehalt eines Staatsbeamten sicher nicht verdienen konnte. Sein Name ist auch mit weiteren Affären verbunden, in denen auf Drohungen und Erpressung zurückgegriffen wurde. Absurd ist dabei die Aufgabe, mit der Srba 1998 ins Ministerium kam: er sollte dort die Aktion "Saubere Hände" leiten, mit der die sozialdemokratische Regierung die Wirtschaftskriminalität bekämpfen wollte.

Die internationale Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen" forderte die Tschechische Republik auf, exemplarische Strafen zu verhängen. Der stellvertretende Vorsitzende des Tschechischen Journalistensyndikats, Rudolf Zeman, reagierte auf den Fall folgendermaßen:

"Ich glaube, dass wir als Journalistenorganisation jeden Versuch, persönliche Angelegenheiten mit einem Journalisten durch ein Mordkomplott zu lösen, auch als einen Versuch wahrnehmen müssen, weitere Journalisten einzuschüchtern, die in ihren Artikeln konkrete Personen und Institutionen enthüllen. Und es gibt noch eine Gefahr: Solche Fälle können als Inspiration dienen. Es kann passieren, obwohl selten, dass auch weitere Personen und Gruppen diesen Weg wählen werden. Ich glaube das jegliche Einschüchterung von Journalisten, sowohl mündliche als auch physische, und dies betrifft letztendlich alle Bürger, in gewissem Maße die demokratischen Verhältnisse im Lande bedroht."