Mozart unter freiem Himmel: Prager Nationaltheater eröffnet auf der Moldauinsel die neue Saison

Eröffnung der Saison 2025/2026 auf der Schützeninsel

Das Prager Nationaltheater hat am Montag auf der Schützeninsel feierlich die neue Saison eröffnet. Martina Schneibergová sprach während der Feier mit dem Chef des Ballettensembles, Filip Barankiewicz, und mit dem künstlerischen Leiter der Oper, Per Boye Hansen.

Herr Barankiewicz, welche Premieren stehen in der neuen Spielzeit auf dem Programm?

Filip Barankiewicz | Foto: aus dem Archiv von Martina Schneibergová

„Die erste Premiere ist das wunderbare ,Liliom‘ von John Neumeier. Das ist ein Wahnsinn. Denn wir sind das erste Ensemble nach dem Hamburger Ballett, das dieses Stück aufführen wird. Ich freue mich sehr, denn es ist auch eine super Herausforderung für das ganze Theater. Das Stück enthält nicht nur Tanz, sondern wir haben auch ein Orchester und eine Jazz-Band direkt auf der Bühne. Die zweite Premiere ist die ,Avant-Garde‘. Der Tanzabend besteht aus einer neuen Choreografie von Robert Bondara und einem neuen Stück von Marco Goecke, und drittens wird die Choreografie von Jiří Kylián mit dem Titel ,27´52‘ aufgeführt. Die dritte Ballettpremiere ist der Abend mit dem Titel ,Who Cares?‘ (zu Deutsch: Wen kümmert's?), der dem legendären George Balanchine gewidmet ist.“

War John Neumeier jetzt schon in Prag, um das Stück ,Liliom‘ einzustudieren?

John Neumeier | Foto: Martin Divíšek,  Nationaltheater Prag

„Nein, er war nur für eine Präsentation hier, für zwei Stunden. Er ist von New York nach Wien geflogen, von Wien nach Prag, und dann ist er nach dem Gespräch wieder nach Wien zurückgereist. John kommt jedoch nächste Woche wieder und bleibt für einige Tage hier. Dann wird er noch einmal zwei Wochen vor der Premiere da sein. Wir haben jetzt gerade drei Ballettmeister, die mit den Tänzern proben. Zur Premiere bleiben noch etwa acht Wochen, es ist jedoch eine sehr intensive Arbeit.“

Wie ist es Ihnen gelungen, einen so renommierten Choreografen wie Neumeier für das Nationaltheater zu gewinnen?

„Ich glaube, das basiert auf Vertrauen. John kennt mich ja noch als Tänzer vom Stuttgarter Ballett. Um sein Stück zu bekommen, musste ich die Company wirklich auf ein Niveau bringen, mit dem er zufrieden ist – denn er gibt seine Werke ja nicht überall hin. John war sehr zufrieden mit den Prager Vorstellungen seiner ,Endstation Sehnsucht‘. Ich bin mehrmals nach Hamburg gereist und habe mir verschiedene Stücke angeschaut. Dann haben wir uns für das Ballett ,Liliom‘ entschieden. Es freue mich sehr, dass John überhaupt ja gesagt hat.“

Einige Stücke, die in den vergangenen Saisonen aufgeführt wurden, bleiben im Repertoire. Es soll jedoch eine Neuigkeit beim ,Nussknacker‘ geben…

Coppélia | Foto: Serghei Gherciu,  Nationaltheater Prag

„Wir wurden oft aus dem Ausland gefragt, ob wir den ,Nussknacker‘ auf einer Tournee aufführen könnten. wir mit dem Ballett azf Tour gehen würden, könnten wir es zur der Zeit aber nicht in Prag spielen. Darum haben wir die Entscheidung getroffen, ein neues Bühnenbild und neue Kostüme erstellen zu lassen. Und den ,Nussknacker‘ wollen wir einige Mal parallel in der Staatsoper und im Nationaltheater spielen. Auf dem Repertoire bleibt des Weiteren ,Coppelia‘. Das Stück werden wir außer in Prag auch in Ludwigshafen aufführen. ,Romeo und Julia‘ spielen wir viermal hier und anschließend zehnmal in Torino, wo wir auf Tournee sein werden. Auf dem Repertoire stehen natürlich die ,Sarkasmen‘, ein Ballettabend, der in der vergangenen Saison Premiere hatte. Zudem gibt es den unsterblichen ,Schwanensee‘, und wir spielen weiterhin die ,Manon‘ und die ,Scheherezade‘.“

Im Ensemble gibt es, wie jede Saison, einige neue Tänzer. Wo haben Sie nach ihnen gesucht?

Eröffnung der Saison 2025/2026 auf der Schützeninsel | Foto: Jan Hromádko,  Nationaltheater Prag

„Ich habe ein Vortanzen bei uns in der Company organisiert. In Stuttgart habe ich mir zudem im Rahmen des Programms YAGP die Tänzer angeschaut. Dorthin kommen viele Theaterdirektoren.“

Ist Prag für die Tänzer ein großer Anziehungspunkt?

„Ich denke schon. Es ist bestimmt nicht nur wegen der Stadt. Eine Rolle spielen die vielen Möglichkeiten im Theater, da wir 130 bis 140 Vorstellungen während einer Spielzeit haben. Das gibt es nicht überall. Zudem ist das Repertoire sehr breit und bunt. In dieser Spielzeit geben wir zwölf verschiedene Stücke. Es gibt nicht nur klassische Ballettvorstellungen, sondern auch moderne und neoklassische Choreografien. Das ist für die Tänzer attraktiv.“


Herr Hansen, gerade jetzt hören wir hier auf der Schützeninsel Arien aus Mozarts Oper „Idomeneo“. Wann gibt es die Premiere der Inszenierung?

Per Boye Hansen | Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

„Wir haben die Premiere am 25. September und spielen es siebenmal vor Weihnachten. Es ist eine fantastische Oper von Mozart, für mich vielleicht die romantischste. Sie ist groß angelegt, mit Chorszenen und fantastischen Ensembles. Ich habe große Erwartungen.“

Wer sind die Solisten?

Kyungho Kim  (Faust),  Petra Alvarez Šimková  (Marguerita) | Foto: Zdeněk Sokol,  Nationaltheater Prag

„Wir haben einen amerikanischen Tenor für den Idomeneo, und der Sohn Idamante wird von der schwedischen Mezzosopranistin Rebecca Wallroth gesungen. Ekaterina Krowatewa von unserem Opernensemble gibt die Partie der Ilia, und die verschmähte Elettrawird gesungen von Petra Šimková Alvarez.“

Nächstes Jahr stehen zwei Neuinszenierungen von Wagners Opern auf dem Programm. Hat das einen besonderen Grund?

„2026 sind es genau 150 Jahre, seit die Bayreuther Festspiele eröffnet wurden. Wir spielen zuerst ,Rheingold‘, das ist der Prolog für den ,Ring der Nibelungen‘. Bayreuth wurde ja gebaut, um den ganzen ,Ring‘ aufzuführen. Gleich danach, im März, gibt es eine Premiere von Wagners letzter Oper ,Parsifal‘, die ebenfalls in Bayreuth ein Zuhause hatte.“

Ist die Besetzung schon bekannt?

Adam Plachetka | Foto: Tomáš Vodňanský,  Tschechischer Rundfunk

„Ja. Im ,Rheingold‘ gibt es aber so viele Rollen, das kann man gar nicht aufzählen. Der Wotan wird gesungen von Adam Plachetka. Und in ,Parsifal‘ treten auch große Sängerinnen auf. Ester Pavlů wird beispielsweise Kundry singen.“

Vor mehr als einem Jahr ging der Zyklus ,Musica non grata‘ zu Ende. Gibt es Überlegungen, einige der Werke vielleicht im Ausland aufzuführen?

„Ja, es gibt ein gewisses Interesse. Ich kann keine konkreten Pläne verraten. Aber ich kann sagen, dass wir Zemlinskys Oper ,Der Zwerg‘ 2027 in Prag aufführen werden. Wir haben auch schon eine Zusammenarbeit mit Antwerpen in Belgien, die Produktion wird dann später dort gezeigt.“

Arbeiten Sie mit weiteren Theatern zusammen?

„Es gibt viele Kooperationen. Wir werden mit dem Theater in Lyon zusammenarbeiten. Und ,Idomeneo‘, den wir jetzt gerade einstudieren, geht zum Beispiel an die Oper in Brüssel. Die Oper in Prag hat eben auch eine internationale Ausstrahlung.“

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