Mutti, Vati, was ist Rassismus?

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"Wie könnte die Welt ohne Rassismus aussehen? Bin ich besser als andere Leute? Wie heilt man einen Rassisten? Lass dich durch die Fragen inspirieren und zeichne zu einem der Themen ein Bild oder schreibe eine Geschichte." Fast 500 Kinder haben auf diesen Aufruf des "Multikulturellen Zentrums Prag" reagiert und sich am Wettbewerb mit dem Namen "Mutti, Vati, was ist Rassismus?" beteiligt. Mehr erfahren Sie im folgenden Kultursalon von Markéta Kachlíková.

Das "Multikulturelle Zentrum Prag" ist eine Non-Profit-Organisation, die im Jahr 1999 gegründet wurde. Ihr Anliegen ist es zu zeigen, das ein multikulturelles Zusammenleben in Tschechien möglich und allseitig bereichernd ist. Mit diesem Ziel veranstaltet das Zentrum öffentliche Diskussionen, Bildungs- und Informationsprogramme, oder aber etwa Wettbewerbe. Seit drei Jahren ist es auch an der von der tschechischen Regierung finanzierten "Kampagne gegen Rassismus" beteiligt und realisiert das Projekt "Vielfalt in die Bibliotheken". Dieses bemüht sich, der Öffentlichkeit - und nicht zuletzt Kindern und Jugendlichen - mehr Informationen über in Tschechien lebende Minderheiten zugänglich zu machen. Barbora Horavová, die Direktorin des "Multikulturellen Zentrums Prag":

"Im Rahmen des Projekts schicken wir Bücher über Rassismus, Minderheiten und andere Kulturen in 500 Bibliotheken in der ganzen Tschechischen Republik."

Verschiedene Büchereien - von der großen Städtischen Bibliothek in Prag bis zu kleinen Gemeindebüchereien und Schulbibliotheken wurden dafür ausgewählt. Zusätzlich werden dort Diskussionsveranstaltungen, Lesungen und weitere Begleitprogramme für Kinder und Erwachsene angeboten.

Das 'Multikulturelle Zentrum Prag' (Foto: Anna Polaková
"Für Kinder machen wir z. B. Workshops über Vietnamesen, über Roma, über China. Und für erwachsene Besucher literarische Lesungen aus der ukrainischen Literatur, aus der Roma-Literatur, meistens verbunden mit einem Musikauftritt eines Repräsentanten der jeweiligen Volksgruppe."

Das Projekt läuft seit drei Jahren. Hat es bereits sein Publikum gefunden? Erhöht sich das Interesse für die angebotenen Veranstaltungen, bzw. allgemeiner: für das Leben der Minderheiten in Tschechien?

"Ich glaube, dass es einen langsamen, aber hoffentlich sicheren Fortschritt gibt. Das Thema wird doch immer aktueller. Es wird immer üblicher, dass wir auf der Straße einen Vertreter einer anderen Volksgruppe oder jemanden treffen, der eine andere Sprache spricht. Sowohl Kinder als auch Erwachsene beginnen sich dafür in höherem Maße zu interessieren. Die Popularität der Programme und des ganzen Projekts steigt kontinuierlich."

Als eine Ergänzung zum Projekt "Vielfalt in die Bibliotheken" wurde der am Anfang bereits erwähnte Wettbewerb für Kinder "Mutti, Vati, was ist Rassismus?" ins Leben gerufen. Am vergangenen Dienstag wurden im Regierungssitz am Moldau-Kai auf der Prager Kleinseite bereits zum dritten Mal Preise und Urkunden an die besten kleinen Maler und Autoren verliehen. Kinder aus ganz Tschechien sind dort auf Einladung des Regierungsbevollmächtigten für Menschenrechte, Svatopluk Karásek, zusammengekommen. Sie hatten ihre Bilder bzw. Aufsätze an das "Multikulturelle Zentrum Prag" geschickt, wo die besten Bilder in zwei Kategorien, von Kindern bis 10 und über 10 Jahren, und weiterhin die besten Kollektivarbeiten sowie die besten literarischen Texte ausgewählt wurden.

"Die Kinder zeichnen zum Beispiel, was ihnen an anderen Ländern gefällt, was sie von einem Freund lernen können, der aus einer anderen Kultur stammt usw. Der Wettbewerb soll sie vor allem zur Überlegung bewegen, was Rassismus ist, was Diskriminierung ist, was eine andere Kultur ist."

Die Teilnehmerzahl hat in diesem Jahr einen Rekord erreicht. Mehr als 400 Bilder und fast 80 literarische Arbeiten hat das Zentrum bekommen. Unter den Ausgezeichneten war z. B. Petra Malaníková aus der 5. Klasse der Schule in Jindrichov in Schlesien. Sie hat mir ihr Bild selbst beschrieben:

"Das sind Babys, die von klein auf beisammen sind. Sie unterscheiden sich, haben aber alles gemeinsam. Es gibt dort einen Indianer, einen Eskimo, einen Schwarzen und einen Weißen, aber im Grunde sind sie alle gleich."

Ein anderes schönes Bild malte Petras Klassenfreundin Marta Skavarnická. Zwei merkwürdige Wesen in einem wilden Wald sehen wir darauf:

"Das sind zwei Geister, der eine ist ein Weißer und der andere ein Schwarzer. Und sie lieben sich."

Zum ersten Mal hat die neunjährige Marcela Zigová aus Prag einen Erfolg in einem Wettbewerb erreicht. Was hat sie für ihr buntes Mädchen-Porträt als Preis bekommen?

"Ein Buch, eine Schlüsseltasche und einen Ausschneidebogen."

Ein Sonderpreis ging an die Familie Soukup aus Plzen/Pilsen. Ihre Kinder, Sára, Gabriela, Samuel und Daniel, haben bereits zum dritten Mal am Wettbewerb teilgenommen. Wie, das erzählt ihre Mutter, Gabriela Soukupová:

"Jedes der Kinder hat selbstständig etwas gemacht. Der Kleinste malte ein Bild. Das siebenjährige Mädchen und der vierjährige Junge produzierten ein Häuschen, in dem sich alle Bewohner mögen. Und die älteste, das achtjährige Mädchen schrieb einen Text. Sie beschrieb ihre Erfahrungen, die sie mit dem Rassismus bereits gemacht hat."

Die achtjährige Sára fügt hinzu:

"Ich habe von einem Jungen geschrieben, den wir getroffen haben. Niemand wollte mit ihm spielen, weil er ein Zigeuner war. Nur wir haben mit ihm gespielt."

Und die kleine Gabriela:

"Ich habe ein Häuschen gemacht, aus dem kleine farbige Kinder, ein Indianer und ich kucken."

Auf diese Idee kam Gabriela selbst. Zwar hat sie noch nie ein schwarzes Kind oder einen Indianer getroffen ...

"Aber ich spiele sehr gern Indianer."

Vom Wettbewerb hat die Familie aus einem Informationsflugblatt in der Bücherei erfahren. Frau Soukupová:

"Wir haben uns den Rassismus als Thema in unserer Heimschule festgelegt. Wir unterrichten nämlich alle unsere Kinder selbst zu Hause. Ich habe ihnen erklärt, was das etwa ist, was sie sich darunter vorstellen können. Wir unterhalten uns darüber und wir nutzen diese Gelegenheit auch zur moralischen Erziehung der Kinder. Wir vermitteln ihnen unsere Vorstellung darüber, wie sie sich künftig zu den Menschen verhalten sollen, dass sie sich gleichwertig fühlen und auch die anderen Menschen als gleichberechtigt akzeptieren sollen."

Die schönsten Bilder können auch Sie bald besichtigen, und zwar im Internet unter www.rozmanitost.cz.