Nach Auftrittsverbot oder Exil: die Musik der Samtenen Revolution

Samtene Revolution (Foto: ČT24

Der 17 November gilt in Tschechien als Staatsfeiertag – er wird als Tag des Kampfes der Studenten für die Freiheit und Demokratie bezeichnet. Am 17. November 1989 begann mit einer Studentendemonstration die Samtene Revolution in der Tschechoslowakei. Auf den weiteren großen Demonstrationen, die in den Novembertagen des Wendejahres in Prag und in anderen Städten stattfanden, erklang damals auch Musik. Es traten Musiker auf, die jahrelang Auftrittsverbot hatten oder die aus dem Exil zurückgekehrt waren.

Marta Kubišová (Foto: Supraphon)
Vor allem das Lied Modlitba pro Martu – Das Gebet für Marta – erklang auf vielen Demonstrationen von 1989. Sängerin Marta Kubišová war zwei Jahre lang Sprecherin der Charta 77 gewesen. Das Gebet für Marta war ursprünglich für eine TV-Serie geschrieben worden, nach der Okkupation der Tschechoslowakei wurde es aber zu einer Art Hymne für den Widerstand gegen die sowjetische Okkupation. 1989 sangen Zehntausende Menschen das Lied mit. Sie waren begeistert, Marta Kubišová wieder hören zu können, sie hatte fast 20 Jahre lang nicht öffentlich auftreten dürfen.

Von den großen Demonstrationen war auch der Liedermacher und Dichter Karel Kryl nicht wegzudenken. 1989 trat er nach 20 Jahren erstmals wieder vor tschechischem Publikum auf. Kryl war 1968 mit seinem Lied Bratříčku, zavírej vrátka – Brüderchen, mach das Tor zu – berühmt geworden. Der Liedermacher wurde danach schikaniert und emigrierte 1969 nach München, wo er beim Sender Radio Free Europe arbeitete. Seine Werke erschienen im Exil. Als er in die Heimat zurückkehrte, befand er sich in einer seltsamen Lage. Von der jüngeren Generation im Publikum hatte ihn noch nie jemand live gesehen, aber alle kannten seine Lieder auswendig. Karel Kryl starb kurz vor seinem 50. Geburtstag am 3. März 1994 in München, bestattet wurde er auf dem Friedhof in Prag-Břevnov. Sein Werk umfasst 19 Platten und 21 Bände mit Gedichten und weiteren Texten.

Jaroslav Hutka (Foto: Archiv Radio Prag)
Auch der Liedermacher Jaroslav Hutka kehrte am 26. November 1989 aus dem Exil in seine Heimat zurück. Am selben Tag sang er auf der großen Demonstration auf dem Prager Letná-Hügel. Auch Hutkas Lieder sang die jüngste Generation mit, ohne ihn persönlich je auf der Bühne gesehen zu haben. Jaroslav Hutkas Karriere hatte Ende der 1960er Jahre begonnen. 1977 nahm er am dritten Festival der zweiten Kultur auf Václav Havels Sommersitz Hrádeček teil. Er unterzeichnete die Charta 77, wurde von der Polizei schikaniert und zur Emigration gezwungen. Ab 1978 lebte er in den Niederlanden. Zu seinen bekanntesten Liedern gehört „Havlíčku, Havle“.

Vlasta Třešňák (Foto: Ben Skála, Wikimedia CC 3.0)
Aus dem Exil kehrte auch ein weiterer Liedermacher und Schriftsteller zurück: Vlasta Třešňák. Nachdem er die Charta 77 unterzeichnet hatte, bekam er Auftrittsverbot. Er engagierte sich in der Dissidentenbewegung, wurde vom kommunistischen Geheimdienst mehrmals brutal verhört und zur Emigration gezwungen. Třešňák ging deswegen 1982 nach Schweden. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus kehrte er nach Prag zurück. Vlasta Třešňák ist nicht nur Liedermacher, sondern auch ein erfolgreicher Maler, Fotograf und vor allem Schriftsteller.

Zu den Musikern, die in der kommunistischen Tschechoslowakei in den 1980er Jahren Auftrittsverbot hatten, gehört auch der Sänger Vladimír Mišík. Obwohl er zuvor auch bei anderen Bands spielte und sang, ist er vor allem mit der Band ETC verbunden, diese tritt seit 1974 bis heute auf. Nach der Samtenen Revolution war Mišík zwei Jahre lang Abgeordneter des Tschechischen Nationalrats. Vladimír Mišík sollte am 28. Oktober von Präsident Zeman ausgezeichnet werden. Er lehnte es jedoch ab, die Verdienstmedaille entgegenzunehmen. Der 66-jährige Künstler begründete dies mit seiner wachsenden Abneigung gegen die Politik Zemans.