Nationalarchiv stellt Urkunden von Georg von Podiebrad aus

Vertrag mit dem französischen König

Nur vier Tage lang dürfen sie ausgestellt werden: der böhmisch-französische Friedensvertrag aus dem Jahr 1464 und weitere wertvolle Urkunden des böhmischen Königs Georg von Podiebrad. Am Mittwoch haben sie den Tresor verlassen, um der Öffentlichkeit im Rahmen der Ausstellung „Georg von Podiebrad, Hussitenkönig – Friedensfreund“ präsentiert zu werden.

Freundschafts- und Bündnisvertrag zwischen dem französischen König Ludwig XI. und dem böhmischen König Georg von Podiebrad
Unter der Aufsicht schwerbewaffneter Polizisten wurden die Schriftstücke ins Hauptgebäude des Nationalarchivs gebracht. Der Historiker und Verwalter des Archivs der Böhmischen Krone, Denko Čumlivski, beschreibt das wichtigste Originalstück in der Ausstellung. Es stammt aus dem Jahr 1464:

„Es ist ein Freundschafts- und Bündnisvertrag zwischen dem französischen König Ludwig XI. und dem böhmischen König Georg von Podiebrad. Es handelt sich um eine der wertvollsten Urkunden des böhmischen Staates aus dem Spätmittelalter.“

Das 550 Jahre alte Abkommen muss nicht nur vor Vandalen, Dieben und vor einer möglichen Beschädigung seitens der Besucher, sondern auch vor Umwelteinflüssen geschützt werden. Es wird daher in einem klimatisierten Raum ausgestellt. Die Restauratorin Adéla Růžičková:

Denko Čumlivski (Foto: ČT24)
„Ideal sind eine relative Luftfeuchtigkeit von 55 Prozent und eine Temperatur um 15 Grad Celsius. Die Werte können auch etwas höher sein, die Bedingungen müssen aber stabil bleiben.“

Der böhmisch-französische Friedensvertrag ist das einzige Abkommen, das Georg von Podiebrad im Rahmen seines großangelegten Friedensplans geschlossen hat. Denko Čumlivski:

„Der Friedensvertrag vom 18. Juli 1464 ergänzte das so genannte Friedensprojekt. Es wurde von König Georg initiiert und von dessen Berater Antonio Marini von Grenoble realisiert. Das Projekt entstand in den Jahren 1462 bis 1463 und wurde an zahlreichen Höfen in Europa behandelt.“

Georg von Podiebrad
Georg von Podiebrad schlug die Gründung einer Friedensorganisation der christlichen Länder Europas vor. Vor allem wegen des Widerstandes des Papstes scheiterte der Plan allerdings. Die Direktorin des Nationalarchivs Eva Drašarová:

„Das Projekt ist nicht gelungen. Es war für jene Zeit sehr utopisch. Trotzdem betrieb Georg von Podiebrad insgesamt eine sehr erfahrene und erfolgreiche Außenpolitik.“

Zusammen mit dem Friedensvertrag werden nun auch weitere Dokumente ausgestellt. So etwa eine ergänzende Urkunde zur Goldenen Sizilianischen Bulle von 1212, die Kaiser Friedrich III. im Jahr 1462 für Georg von Podiebrad herausgegeben hat, und das Faksimile der Pulkava-Chronik aus dem Jahr 1601. Die viertägige Ausstellung beginnt am Freitag und geht am kommenden Montag zu Ende.