Nationalmuseum initiiert Sammlung von Gegenständen aus der Wendezeit

November 1989 (Foto: ČT24)

Das Leben in der Wendezeit von 1989 zu dokumentieren. Dies ist das Ziel einer Sammlung, die in diesen Tagen vom Prager Nationalmuseum initiiert wurde. Jeder, der interessante Fotografien, Dokumente oder Gegenstände aus der Zeit kurz vor und nach der Wende von 1989 zu Hause hat, kann zu dieser Museumssammlung beitragen.

November 1989 (Foto: ČT24)
Nächstes Jahr werden 25 Jahre seit der Samtenen Revolution vergangen sein. Aus diesem Anlass will das Prager Nationalmuseum eine Ausstellung zusammenstellen, die das Geschehen im Revolutionsjahr 1989 dokumentiert. Zu dieser Ausstellung kann auch die Öffentlichkeit beitragen. Gefragt sind dabei nicht nur konkrete Gegenstände aus der Wendezeit. Pavel Douša leitet das historische Abteilung im Prager Nationalmuseum.

„Uns interessieren die Erinnerungen der Menschen an das Ende der 1980er Jahre und vor allem an das Jahr 1989 sowie ihre persönlichen Geschichten. Wichtig sind für uns Fotografien sowie Gegenstände aus dem Alltagsleben. Wir wollen beispielsweise auch dokumentieren, wie die Menschen damals ihre Freizeit verbracht haben. Ziel des Projektes ist es, die Öffentlichkeit zur Teilnahme an dieser Ausstellung anzuregen, die das Jahr 1989 aus verschiedenen Aspekten beleuchten wird. Die Materialien kann man persönlich im Museum vorbeibringen. Fotos oder andere Dokumente, die sich digitalisieren lassen, lassen sich aber auch mithilfe eines Online-Formulars zustellen. Diese Materialien werden später Bestandteil der großen Ausstellung sein.“

Foto: Archiv des Nationalmuseums
Von den Ereignissen vom November 1989 sind dem Historiker zufolge vor allem die Demonstrationen auf dem Prager Wenzelsplatz bekannt sowie die Verhandlungen des Bürgerforums. Das neue Projekt will aber auch das Geschehen auf dem Lande einbinden:

„Der Sinn unseres Projektes ist es, zu zeigen, dass es damals nicht nur Prag gab, sondern dass sich auch anderswo einiges abgespielt hat. Uns interessiert das Schicksal konkreter Menschen, wie sie die Wendezeit erlebt haben. Dieses Thema wurde bisher kaum in den Museen behandelt. Darum haben wir die Sammlung gemeinsam mit anderen Museen in Europa initiiert.“

Pavel Douša (Foto: Jan Profous, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Die Sammlung von Dokumenten und Erinnerungen läuft im Rahmen des internationalen Projektes Europeana. Bislang wurde das Projekt schon in Polen, in den baltischen Ländern und in Rumänien verwirklicht. In Tschechien wird die Sammlung von Dokumenten und Erinnerungen anlässlich des Revolutionstags am 17. November durchgeführt. Später soll das Projekt auch in Deutschland und in Ungarn umgesetzt werden.

„Dieses Projekt bietet die Möglichkeit zu vergleichen, wie sich die Menschen in mehreren Ländern an die Zeit vor 25 Jahren erinnern. Das Interessanteste daran ist, wie wir mit zeitlichem Abstand den Fall des Eisernen Vorhangs in Erinnerung behalten haben.“

Am Projekt in Tschechien beteiligen sich neben dem Prager Nationalmuseum noch vier weitere Museen: in Plzeň / Pilsen, Hradec Králové / Königgrätz, Olomouc / Olmütz und in Opava / Troppau. Im Prager Nationalmuseum wird am 17. November ein so genannter „Sammeltag“ für die Öffentlichkeit veranstaltet.