Nationalpark Böhmerwald: Neuer Chef will internationale Einstufung heruntersetzen

Seit knapp einem Monat ist der neue Leiter des Nationalparks Böhmerwald, Jiří Mánek, im Amt. Da er zuvor Stellvertreter seines umstrittenen Vorgängers Jan Stráský war, hatten sich tschechische Umweltschutzverbände eher ablehnend über die Ernennung geäußert. Nach Máneks Ankündigungen und ersten Schritten fühlen sie sich bestätigt.

Böhmerwald
Der Umgang mit der Natur im Nationalpark Böhmerwald war immer schon ein Streitpunkt. Das liegt am Borkenkäfer. Vor allem die Bewohner der Anrainer-Gemeinden stört es, wenn die vom Schädling kahlgefressenen Bäume stehen bleiben – wegen des schlechten Images für den Tourismus. Rund anderthalb Jahre hatte Jan Stráský die Leitung der Nationalparkverwaltung inne. Der Politiker war als eine Art Krisenmanager berufen worden. Beifall erhielt er vor allem von den Anrainern und von den Lokal- und Regionalpolitikern, scharfe Kritik aber kam von Umweltverbänden. Stráský hatte selbst in den strengen Schutzzonen jene Bäume fällen lassen, die vom Borkenkäfer befallen waren.

Jiří Mánek (Foto: Hugo Charvát, Ekolist, Creative Commons 3.0)
Ende Juni ist Stráský vom Amt zurückgetreten, beerbt hat ihn sein Stellvertreter Jiří Mánek. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks sagte Mánek, er wolle die Arbeit seines Vorgängers fortsetzen:

„Während der Amtszeit von Stráský hat sich die Lage im Böhmerwald konsolidiert, er hat seine Aufgabe als Krisenmanager erfüllt. Ich glaube nicht, dass mich etwas außergewöhnlich Schwieriges erwartet. Ich werde in jedem Fall den eingeschlagenen Weg fortsetzen, so dass in einem oder anderthalb Jahren das Problem mit dem Borkenkäfer gelöst ist.“

Jaromír Bláha
Stráskýs Methoden halten jedoch viele Wissenschaftler und Umweltverbände für einen Verrat an der Idee von Nationalparks. Gegen den neuen Leiter des Parks führen sie zudem ins Feld, dass er derselben Partei wie Umweltminister Tomáš Chalupa angehört: den Bürgerdemokraten, denen nicht gerade das Etikett von Naturfreunden anhaftet. Jaromír Bláha ist beim Umweltverband Hnutí Duha (Bewegung Regenbogen) für den Naturschutz zuständig:

„Die Ernennung von Jiří Mánek sehen wir vor allem als einen weiteren Schritt von Umweltminister Chalupa, ODS-Mitglieder in Leitungsfunktionen zu hieven. Gegenüber Stráský bedeutet das keine Verbesserung: Jiří Mánek hat sich als sein Stellvertreter an allen wichtigen Fehlentscheidungen beteiligt, und die haben der Natur im Böhmerwald geschadet.“

Jan Stráský (Foto: Hugo Charvát, Ekolist, Creative Commons 3.0)
Dabei hat Mánek erklärt, dass er, anders als Stráský, wieder mehr auf die Fachöffentlichkeit zugehen wolle – auch auf der anderen Seite der Grenze:

„Ich bin bereit, im Vergleich zu den vergangenen anderthalb Jahren, sehr stark in die Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Bayerischer Wald einzusteigen. Dazu will ich auch den dortigen Leiter Franz Leibl in nächster Zeit besuchen. Ich möchte auch sehr viel mehr mit der Forschergemeinde zusammenarbeiten, aus der ich auch ursprünglich komme. Ich habe selbst zehn Jahre lang als Wissenschaftler gearbeitet.“

Böhmerwald
Doch Umweltschützer und Wissenschaftler zweifeln an diesen Ankündigungen. Erst Máneks Taten könnten beweisen, wie die Realität aussehe, hieß es. Nun hat Mánek verkündet, dass der Nationalpark seine derzeitige Schutzkategorie bei der Weltnaturschutzunion IUCN verlieren soll. Derzeit ist der Böhmerwald in Kategorie II geführt. Der neue Leiter will im Herbst aber den tschechischen Park um mindestens zwei Stufen herabsetzen. Damit würde sich in der Praxis nichts ändern, behauptet er.

Umweltschützer sehen dies hingegen als warnendes Zeichen, dass es dem Naturschutz nun endgültig an den Kragen geht. Jaromír Bláha von Hnutí Duha hat einen Vergleich parat: Es sei so, wie wenn Staatspräsident Klaus die Unesco bitten würde, die Prager Burg vom Weltkulturerbe zu streichen. Die überwiegende Mehrheit aller rund 300 europäischen Nationalparks ist in Kategorie II eingestuft, nur extrem streng geschützte Landschaften wie Urwälder gehören zur Kategorie eins. In Tschechien gehört dazu zum Beispiel die Elbquelle.

Autor: Till Janzer
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