Neue Regelungen: Wo Drohnen in Tschechien abheben dürfen

Seit 1. September gelten in Tschechien neue Regelungen dafür, wo Drohnen per Fernsteuerung in die Luft gelassen werden dürfen. Erarbeitet wurden die Vorschriften vom Amt für zivile Luftfahrt, von der Flugverkehrskontrolle und vom Verkehrsministerium.

DJI Mini-Drohne | Foto: Jakub Karas

Im Park von Spořilov im zehnten Prager Stadtbezirk steigt eine kleine schwarzrote Drohne in die Luft. Sie wiegt unter 250 Gramm und fällt damit in die niedrigste Gewichtskategorie. Die Fernbedienung hält Jakub Karas in der Hand. Er ist der Präsident der tschechischen Vereinigung für unbemannte Flugindustrie (UAVA). Vor nicht einmal zwei Wochen hätte er sein Fluggerät an dieser Stelle noch nicht steigen lassen können…

Präsident der UAV Alliance Jakub Karas | Foto: Archiv von Jakub Karas

„Denn wir befinden uns in einem Schutzgürtel mit Stromleitungen für 110 Kilovolt“,

sagt Karas mit dem Blick gen Himmel. Solche Kabelstränge durften Drohnen bis vor kurzem noch nicht überfliegen, jetzt ist es bei Leitungen mit niedriger Spannung kein Problem mehr.

Um zu erfahren, wo in Tschechien die Fluggeräte in die Luft gelassen werden dürfen, kann man seit 1. September die digitale Karte DroneMap konsultieren. Sie steht auf der Website der Flugverkehrskontrolle (Řízení letového provozu) unter https://dronemap.gov.cz bereit. Karas erläutert:

„Egal, ob es sich um Hobbydrohnenflieger handelt oder um professionelle Nutzer – jeder kann dort herausfinden, wo genau in einem Gebiet der Drohnenflug erlaubt ist und welche Einschränkungen es gibt. Sehr gut erkennbar sind dort Schutzräume beschrieben und eingezeichnet, etwa im Umfeld von Stromleitungen oder Eisenbahnschienen.“

Eine solche Übersichtskarte habe in Tschechien bisher nicht zur Verfügung gestanden, fügt Karas hinzu. In ihr würden auch aktuelle Änderungen beim Flugbetrieb vermerkt:

Illustrationsfoto: Verkehrsministerium der Tschechischen Republik

„Sie zeigt vor allem, ob es Einschränkungen im Luftraum gibt. Er kann zum Beispiel reserviert sein, und es gibt auch flugfreie Zonen. Zudem können gerade Flugtrainings stattfinden. Und man muss auch mögliche Einschränkungen auf dem Boden beachten.“

Die neue Online-Karte ersetzt die bisherige App DronView, in der Flüge angemeldet werden mussten. Drohnenpiloten würden nun alle wichtigen Informationen an einer Stelle finden, unterstreicht Tomáš Michalík, Abteilungsleiter beim tschechischen Amt für zivile Luftfahrt:

Tomáš Michalík | Foto: Kateřina Cibulka,  Tschechischer Rundfunk

„Damit geht eine deutliche bürokratische Erleichterung einher. Denn in vielen dieser geografischen Zonen ist es jetzt nicht mehr nötig, die Genehmigung von unserem Amt einzuholen. Sondern es genügt das Einverständnis des Verwalters der jeweiligen Zone.“

Die Nutzung von Drohnen nimmt in Tschechien dynamisch zu. Besonders große Geräte werden zum Beispiel in der Landwirtschaft beim Besprühen der Felder eingesetzt. Und für die Zustellung von Paketen und Lieferungen sollen laut Michalík in Zukunft extra Luftkorridore eingerichtet werden, ähnlich denen für Verkehrsflugzeuge:

„So etwas wird unter dem Namen U-space bereits vorbereitet. Das werden Korridore für unbemannte Flugzeuge sein, die automatisch fliegen. Die Korridore sollen Verkehrszwecken und ähnlichem dienen. Das ist zwar immer noch Zukunftsmusik. Aber ich würde sagen, dass es das in ein paar Jahren schon bei uns geben wird.“

Wer die Vorschriften zum Drohnenfliegen in Tschechien nicht einhält, kann eine Geldstrafe bekommen. Diese liegt meist bei um die 10.000 Kronen (400 Euro). Das tschechische Amt für zivile Luftfahrt hat dieses Jahr bisher 220 Verstöße registriert.

Autoren: Daniela Honigmann , Tereza Chlubná | Quelle: Český rozhlas
schlüsselwort:
abspielen

Verbunden