Neue Stechmücken in Tschechien: Tropenkrankheiten im Blick, Infektionsrisiko gering
Die Stechmückensaison in Tschechien hat begonnen. Vor allem in der zweiten Sommerhälfte kann man auch auf invasive Arten treffen. Zum Beispiel die Asiatische Buschmücke und die Koreanische Buschmücke, die tropische Krankheiten übertragen können, haben sich hierzulande bereits dauerhaft angesiedelt. Laut Wissenschaftlern besteht jedoch derzeit kein Grund zur Sorge, da bisher außer im Labor noch kein Fall einer Infektion nachgewiesen wurde.
Auf dem Campus der Tschechischen Agraruniversität (ČZU) in Prag sucht der Virologe Jiří Černý nach Mückenlarven. Als Brutstätte reichen den Insekten kleine Wasseransammlungen im Garten oder auf dem Balkon, wie Regentonnen und Gießkannen:
„Wir suchen nach invasiven Mückenarten der Gattung Aedes. Sie kommen in kleinen Gewässern vor, deren Wasserstand häufig schwankt und in deren Nähe Menschen siedeln.“
Forschung in Prag: Jagd auf invasive Mückenarten
Anhand des Atemrohrs der Larven, dem sogenannten Siphon, lässt sich direkt bestimmen, zu welcher Gattung die jeweilige Larve gehört. Der Entomologe Martin Kulma vom Staatlichen Gesundheitsinstitut (SZU) arbeitet an dem Forschungsprojekt mit:
„Wenn ich die Larve betrachte, sehe ich, dass der Siphon lang und dünn ist. Ich kann also sagen, dass es sich um unsere gewöhnliche Stechmücke der Gattung Culex handelt und nicht um eine invasive Mückenart.“
Die Forscher suchen in Wasserproben, die sie einem Behälter entnehmen, nach Mückenlarven. Der Entomologe:
„Die Aedes-Mücken sind im Allgemeinen schwarz oder sehr dunkel gefärbt. Die eingeschleppten Mücken sind typischerweise gestreift, sie haben schwarze Beine mit weißen Streifen.“
Begegnungen mit exotischen Stechmücken sind hierzulande mittlerweile keine Seltenheit mehr. Die Asiatische Buschmücke beispielsweise wurde von Wissenschaftlern in den vergangenen zwei Jahren in fast allen Gegenden Tschechiens nachgewiesen. Im Labor wurde bereits bestätigt, dass diese Mückenart tropische Fiebererkrankungen übertragen kann, ein Nachweis direkt aus der Umwelt fehlt jedoch bislang. Auch deshalb stelle sie derzeit keine unmittelbare Gefahr dar, sagt Martin Kulma:
„Es besteht definitiv kein Grund zur Panik. Vielmehr geht es darum, dass wir hier andere Arten haben, auf die wir in Zukunft aufpassen sollten. Das Risiko einer Übertragung von Krankheitserregern, die verschiedene Tropenkrankheiten verursachen, halte ich derzeit für sehr gering.“
Klimawandel und Reiserückkehrer: Die Ausbreitung der Tigermücke
Die Asiatische Tigermücke hat beispielsweise in den vergangenen Jahren für lokale Epidemien von tropischem Fieber in Italien oder Frankreich gesorgt. In Tschechien kommt sie bisher nur sporadisch vor.
„Jedes Jahr gibt es in den Mittelmeerländern mehrere Infektionsherde. Ein Reiserückkehrender, der entweder mit Denguefieber oder Chikungunyafieber infiziert ist, reist ein, die Tigermücken saugen an ihm Blut und können die Viren lokal weiter übertragen.“
Auch aufgrund des Klimawandels breitet sich die Asiatische Tigermücke jedoch weiter nach Norden aus. In Baden-Württemberg werden seit einigen Jahren immer mehr Populationen nachgewiesen. Vor sieben Jahren wurde die Tigermücke auch beispielsweise in Budapest registriert. Der Virologe Černý:
„Inzwischen wissen wir von Kollegen in Budapest, dass sie dort zu den häufigsten Mückenarten gehört. Vor etwa zwei oder drei Jahren wurde sie zum ersten Mal in Bratislava nachgewiesen, und wir kennen sie bereits aus Wien. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie beispielsweise in Südmähren auftaucht. Es kann sein, dass es dort schon jetzt stabile Populationen gibt, und wir nur noch nichts davon wissen.“
Invasive Stechmücken sind hauptsächlich tagsüber aktiv, am häufigsten greifen sie nach der Morgen- und in der Abenddämmerung an. Der wirksamste Schutz gegen sie besteht darin, in Gärten und auf Balkonen kein stehendes Wasser in Behältern zurückzulassen.







